Wer die Brücke vom Festland betritt und die ersten Schritte ins Borgo Antico setzt, begreift sofort, warum dieser Ort so viele Reisende in seinen Bann zieht. Gallipolis historischer Altstadtkern liegt auf einer kleinen Insel, vollständig vom Ionischen Meer umschlossen – eine urbane Insel im wörtlichen Sinne, die sich über Jahrhunderte kaum verändert hat. Die engen Vicoli, die sich zwischen ockergelben und weißgetünchten Fassaden hindurchschlängeln, führen immer wieder zu kleinen Plätzen, von denen aus das Meer plötzlich aufblitzt.
Das architektonische Herzstück ist die Cattedrale di Sant'Agata, eine imposante Barockkirche aus dem 17. Jahrhundert, deren Fassade direkt an der Hauptstraße Corso Roma steht. Nicht weit entfernt erhebt sich das Castello Angioino, eine mittelalterliche Festungsanlage, die das Stadtbild von der Seeseite aus dominiert. Wer morgens früh durch die noch menschenleeren Gassen schlendert, erlebt das Borgo Antico in seiner reinsten Form: das Licht fällt schräg über die alten Steinstufen, Fischer kehren mit ihren Booten zurück, und der Geruch von frischem Gebäck zieht aus den ersten geöffneten Bars.
Das Viertel ist kein Freilichtmuseum, sondern ein lebendiger Ort. Einheimische hängen Wäsche zwischen den Balkonen auf, Kinder spielen auf der Piazza Aldo Moro, und abends füllen sich die Restaurants entlang der Riviera Francesco Coppola mit Gästen, die den Blick auf das beleuchtete Wasser genießen. Die Gastronomie konzentriert sich auf frischen Fisch und typisch apulische Küche – von gegrilltem Scorfano bis zu Orecchiette mit Cime di Rapa.
Für Geschichtsinteressierte bietet das Museo Civico wertvolle Einblicke in die griechisch-byzantinische Vergangenheit der Stadt. Kunstliebhaber finden in den kleinen Galerien und Ateliers lokaler Handwerker handgemachte Keramik und Papier-maché-Figuren, die an die lange Tradition apulischer Volkskunst anknüpfen. Das Borgo Antico ist für all jene das richtige Ziel, die nicht nur Sehenswürdigkeiten abhaken, sondern in eine süditalienische Stadtseele eintauchen wollen.

Castello di Gallipoli
Festung am Zugang zur Altstadt-Insel: eine in byzantinischer Zeit begonnene, unter Anjou und Aragón ausgebaute Burg, deren Mauern aus dem Meer wachsen, mit dem vorgelagerten Rivellino-Turm.
Festung direkt am Zugang zur Altstadt-Insel, deren Mauern aus dem Meer wachsen