Wer Cortona zum ersten Mal betritt, tut es fast zwangsläufig durch das Centro Storico. Die Altstadt thront auf einem Bergrücken in der südlichen Toskana und hat sich über Jahrhunderte kaum verändert – nicht weil niemand daran gerührt hätte, sondern weil jede Epoche ihre Schichten behutsam auf die vorherige gelegt hat. Etruskische Stadtmauern, mittelalterliche Türme und Renaissancepaläste stehen hier so selbstverständlich nebeneinander, als wäre Architekturgeschichte schlicht der normale Lauf der Dinge.
Der Piazza della Repubblica bildet das lebendige Zentrum des Viertels. Das Palazzo Comunale mit seiner breiten Außentreppe ist nicht nur Fotomotiv, sondern tatsächlich Treffpunkt: Hier sitzen Einheimische auf den Stufen, während Touristen die Orientierung suchen. Wenige Schritte entfernt öffnet sich der Piazza Signorelli, an dem das Teatro Signorelli und das Museo dell'Accademia Etrusca e della Città di Cortona – kurz MAEC – stehen. Letzteres beherbergt eine der bedeutendsten etruskischen Sammlungen Italiens, darunter den berühmten Bronzelampadario, einen einzigartigen Kronleuchter aus dem 5. Jahrhundert vor Christus.
Die Via Nazionale, die einzige wirklich flache Straße der Stadt, zieht sich als Hauptachse durch das Centro Storico und verbindet die Stadtore mit den zentralen Plätzen. Entlang dieser Gasse reihen sich Keramikwerkstätten, kleine Lebensmittelläden mit lokalem Pecorino und Trüffelprodukten sowie Bars aneinander, in denen der Espresso noch am Tresen getrunken wird. Wer abbiegt – in die Via Ghibellina oder die steileren Gässchen Richtung Fortezza Medicea – findet schnell die ruhigeren Ecken des Viertels, wo Wäsche zwischen Häusern hängt und Katzen auf Fensterbänken dösen.
Die Fortezza Medicea selbst, hoch über der Altstadt gelegen, belohnt den Aufstieg mit einem Panorama, das bei klarem Wetter bis zum Trasimenischen See reicht. Auch die Kirche Santa Maria delle Grazie al Calcinaio, knapp außerhalb der Mauern, ist ein Werk des Architekten Francesco di Giorgio Martini und gilt als eines der reinsten Beispiele toskanischer Frührenaissance. Das Centro Storico ist für Kunstliebhaber, Geschichtsinteressierte und alle, die das authentische Alltagsleben einer kleinen toskanischen Stadt erleben wollen, gleichermaßen ein lohnender Aufenthaltsort.

MAEC – Museo dell'Accademia Etrusca e della Città di Cortona
Etruskisch-archäologisches Museum im Palazzo Casali an der Piazza Signorelli in Cortona, mit Bronzeleuchter, Tabula Cortonensis und Funden der Grabhügel am Sodo.
Bronzener Hängeleuchter aus dem 4. Jahrhundert v. Chr.