Wer durch das Centro Storico von Amalfi läuft, betritt eine Stadt, die sich seit dem Mittelalter kaum verändert hat. Die engen Vicoli schlängeln sich zwischen weißgetünchten Häusern hindurch, Wäsche hängt zwischen den Stockwerken, und irgendwo riecht es nach frisch gebackenem Sfogliatella. Das Viertel ist kein Freilichtmuseum – es ist ein lebendiger Organismus, in dem Einheimische einkaufen, streiten und feiern, während Besucher staunend durch die Gassen ziehen.
Dominiert wird das Centro Storico von der Cattedrale di Sant'Andrea, deren arabisch-normannische Fassade sich über eine breite Freitreppe erhebt und den Piazza del Duomo zu einem natürlichen Mittelpunkt des Viertels macht. Wer früh morgens kommt, wenn die Touristengruppen noch schlafen, erlebt den Platz in einer anderen Stimmung: Fischhändler schleppen Kisten, alte Männer trinken ihren ersten Espresso vor der Bar, und die Glocken der Kathedrale hallen durch die Gassen. Dieses Bild hat eine Eindringlichkeit, die kein Reiseführer vollständig beschreiben kann.
Das Viertel ist kompakt, aber dicht gepackt mit Geschichte. Das Museo della Carta, untergebracht in einer mittelalterlichen Papiermühle im Valle dei Mulini, erzählt von Amalfis einstiger Rolle als Papierproduktionszentrum – eine Tradition, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Wer die Treppe hinaufsteigt, verlässt den Touristenstrom und taucht in einen ruhigeren Teil des Centro Storico ein, wo Zitronenbäume über Mauern hängen und Katzen auf Fensterbänken schlafen.
Für Reisende, die nicht nur Sehenswürdigkeiten abhaken, sondern ein Viertel wirklich kennenlernen wollen, ist das Centro Storico von Amalfi eine der dichtesten Erfahrungen an der gesamten Amalfiküste. Hier übernachten heißt, morgens mit dem Klang der Glocken aufzuwachen und abends die letzten Tageslichtreflexe auf dem Tyrrhenischen Meer zu beobachten – direkt vom Balkon oder von der Hafenpromenade, die das Viertel nach Süden hin begrenzt.

Duomo di Amalfi
Die Kathedrale Sant'Andrea, Wahrzeichen von Amalfi: über einer 62-stufigen Freitreppe erhebt sich die normannisch-arabisch geprägte Fassade mit majolikagedecktem Glockenturm, Chiostro del Paradiso und Krypta des Apostels Andreas.
62-stufige Freitreppe als Aufstieg zum Dom