Wer Amalfis bekannte Kathedrale und die Hafenpromenade hinter sich lässt und die steilen Treppengassen hinaufsteigt, erreicht irgendwann Vettica und Lone – zwei Weiler, die zur Gemeinde Amalfi gehören, aber eine völlig eigene Welt darstellen. Hier oben, wo die Häuser sich an die Felswände schmiegen und Zitronenbäume in terrassierten Gärten stehen, tickt die Zeit anders. Kein Kreuzfahrtschiff-Trubel, keine Souvenirläden, keine Warteschlangen. Stattdessen: das Klappern von Fensterläden, das Summen von Bienen in den Limoneti und der Blick, der sich über den Golf von Salerno bis zu den Silhouetten der fernen Inseln erstreckt.
Vettica liegt auf einem Felssporn oberhalb des Stadtzentrums und ist über ein Geflecht aus alten Maultierpfaden und Steintreppen erreichbar. Die Architektur erzählt von einer Zeit, in der die Bewohner der Küste aus Sicherheitsgründen in die Höhe zogen – enge Gassen, weiß getünchte Fassaden, gelegentlich eine kleine Kapelle, deren Glocke zur Mittagsstunde läutet. Lone wiederum ist noch stiller, fast klösterlich in seiner Abgeschiedenheit. Wer hier eine Unterkunft findet, wacht mit dem Vogelgezwitscher auf und schaut beim Frühstück auf Terrassengärten, in denen Zitronen und Bergamotte reifen.
Für Reisende, die die Amalfiküste jenseits der überlaufenen Strandpromenaden erleben wollen, sind Vettica und Lone eine echte Entdeckung. Die Wanderwege, die durch beide Weiler führen, verbinden sich mit dem überregionalen Küstenpfad und ermöglichen Tagestouren nach Pogerola oder hinunter nach Atrani. Wer früh morgens aufbricht, hat die Pfade meist für sich allein – und erlebt die Küste in einem Licht, das die Mittagssonne niemals bietet. Fotografen schätzen die goldene Stunde, wenn sich das Sonnenlicht in den weißen Fassaden von Lone bricht und die Zitronengärten in ein sattes Grün taucht.
Das Viertel spricht besonders Reisende an, die Ruhe suchen, gerne wandern oder einfach verstehen wollen, wie das Leben an der Amalfiküste abseits der Tourismusinfrastruktur aussieht. Kleine Pensionen und Ferienwohnungen sind die typischen Unterkünfte hier – kein Fünf-Sterne-Resort, dafür echte Gastfreundschaft und Frühstück mit selbst gemachter Zitronenmarmelade.

Hotel Santa Caterina
Seit über einem Jahrhundert von der Familie Gambardella geführtes Fünf-Sterne-Haus an der Küstenstraße westlich von Amalfi, mit Zitronengärten, Meerwasserpool und Zimmern mit handbemalten Majolika-Fliesen.