
◆ STADT · BALEAREN
Keine Landebahn, kein Lärm, nur das Tuckern der Fähre aus Ibiza und dann dieses Türkis, das man auf keinem Foto glaubt. Formentera ist die kleinste bewohnte Baleareninsel, gerade einmal neunzehn Kilometer lang, und sie lebt von dem, was sie nicht hat: keine Hochhäuser, keine Massenhotels, kein Flughafen. Wer hier ankommt, hat sich entschieden, langsamer zu werden. Salzpfannen schimmern rosa, Pinien werfen Schatten auf Sandwege aus Trockenstein, und am Strand von Ses Illetes liegt das Wasser so klar über dem Posidonia-Seegras, dass die eigenen Füße im knietiefen Blau wie schwerelos wirken. Diese Klarheit ist kein Zufall, sondern Naturschutz: Die Seegraswiese vor der Küste gehört zum UNESCO-Welterbe und filtert das Meer wie ein riesiger grüner Atem.

Man kommt nicht einfach an in Formentera. Es gibt keinen Flughafen, und das ist der erste und wichtigste Satz, den man über diese Insel wissen muss. Jede Reise führt über das Wasser, fast immer über den Hafen La Savina, eine knappe halbe Stunde mit der Fähre von Ibiza-Stadt entfernt. Diese eine fehlende Landebahn hat die Insel gerettet. Während das nördliche Ibiza in den Siebzigern und Achtzigern zur Bühne wurde, blieb Formentera die Hinterbühne der Pityusen: ein Rückzugsort für Aussteiger, Künstler und alle, die das Mittelmeer noch in seiner stillen Form suchten. In Sant Ferran de ses Roques trafen sich in den siebziger Jahren die Hippies in der legendären Fonda Pepe, und ein leiser bohemischer Ton hat sich bis heute gehalten — in den Märkten, in der Kunst, in der Gelassenheit, mit der man hier mit den Schultern zuckt, wenn der Bus zehn Minuten zu spät kommt.
Die Geografie der Insel ist schnell erzählt und doch reich an Charakter. Im Westen das flache, sandige Herzstück mit den Salinen von Ses Salines und der traumhaften Trucador-Halbinsel, an deren Spitze Ses Illetes und ihr wilderer Zwilling Llevant liegen. Im Süden die sechs Kilometer lange Platja de Migjorn, der längste Naturstrand der Insel, an dem sich helle Sandbuchten mit niedrigen Felsen abwechseln. Und im Osten erhebt sich das Hochplateau von La Mola auf rund zweihundert Meter, eine andere Welt aus Pinienduft, Feigenbäumen und einem Leuchtturm aus dem Jahr 1861, an dem Jules Verne einst seine Fantasie entzündete. Dazwischen verbinden mehr als hundert Kilometer ausgeschilderte Camins Verds, grüne Wege aus Erde und Trockenmauern, die ganze Insel — gemacht zum Wandern, Reiten und vor allem zum Radfahren.
Wer Formentera versteht, versteht ihren Rhythmus. Morgens die Salzpfannen, in denen sich Reiher und Flamingos spiegeln; mittags ein Teller peix sec, der getrocknete Fisch, der hier seit Generationen die Sommer übersteht und vom Slow-Food-Netzwerk in die Arche des Geschmacks aufgenommen wurde; nachmittags ein Sprung ins Wasser am Caló des Mort, einer winzigen Bucht, in der sich die Fische ohne Taucherbrille beobachten lassen; und abends ein Glas am Cap de Barbaria, wenn die Sonne über dem fast mondartigen, kargen Süden versinkt. Es ist kein Programm zum Abhaken. Es ist eine Einladung, weniger zu wollen und mehr zu sehen.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel






· Sehenswürdigkeiten
· Aktivitäten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Strand-Klassiker
Der schmale Sandfinger im Norden trägt die berühmtesten Strände der Insel. Auf der Westseite liegt Ses Illetes mit kreidweißem Sand und seichtem, fast unwirklich klarem Wasser; bei Levante-Wind wird das Meer zum natürlichen Schwimmbecken. Auf der Ostseite Llevant — derselbe Sand, mehr Wind, mehr Wellen, deutlich leerer. Vom Hafen La Savina bringt die Buslinie L3 in rund zehn Minuten her, mit Fahrrad oder Roller geht es noch flexibler.
Hochplateau & Leuchtturm
Vom Es Caló de Sant Agustí klettert die Straße aufs grüne Plateau von La Mola, rund zweihundert Meter über dem Meer. In El Pilar de la Mola lockt mittwochs und sonntags ein Kunsthandwerkermarkt mit Live-Musik am Nachmittag. Am Ostkap steht der Leuchtturm von 1861 auf einer über hundert Meter hohen Klippe — heute mit kleinem Museum zum maritimen Erbe der Insel und einem Horizont, der bis nach Ibiza reicht.
Auf zwei Rädern
Mehr als hundert Kilometer ausgeschilderte Camins Verds durchziehen die Insel — Erdwege, gesäumt von Trockenmauern, Feigenbäumen und Pinien. Formentera ist flach genug, um sie entspannt mit dem Rad zu erkunden; Verleihe gibt es in La Savina, Sant Francesc und Es Pujols, oft günstiger als jedes Auto. Eine schöne Tour führt von den Salinen über stille Buchten bis zum Caló des Mort, einer der friedlichsten kleinen Buchten der Insel.
Sonnenuntergang & Süden
Eine Straße durch eine fast lunare, ausgedörrte Landschaft endet am Leuchtturm von Cap de Barbaria — seit 2017 nur noch zu Fuß oder per Rad ab dem Parkplatz erreichbar. Unterwegs warten der Wachturm Torre des Garroveret und die Cova Foradada, eine Grotte mit natürlichem Balkon übers Meer. Wer bleibt, bis die Sonne sinkt, erlebt einen der schönsten Sonnenuntergänge des Mittelmeers.
03 · Wann
Formentera lebt vom Sommer, aber ihre besten Momente liegen oft an den Rändern der Saison. Im Frühjahr blühen die Salinen und die Strände gehören noch fast einem allein; im Hochsommer pulsiert die Insel; und der frühe Herbst gilt unter Kennern als die schönste Zeit überhaupt — warmes Meer, milde Luft, dünner werdende Menschenmengen.
04 · Häufige Fragen
Ausschließlich per Fähre, denn die Insel hat keinen eigenen Flughafen. Die häufigste Route führt von Ibiza-Stadt (meist Marina Botafoc) zum Hafen La Savina und dauert rund 30 Minuten; im Sommer fahren bis zu etwa 70 Fähren täglich. Saisonale Verbindungen gibt es auch von Dénia und Barcelona auf dem Festland sowie von Mallorca. Wer fliegt, landet also zunächst in Ibiza und nimmt von dort die Fähre weiter.
Die Hauptsaison reicht von Mai bis Anfang Oktober. Frühsommer (Mai/Juni) bringt leere Strände und mildes Wetter, aber noch kühleres Wasser (18–21 °C). Der frühe Herbst (September bis Mitte Oktober) gilt vielen als ideal: Das Meer ist mit 23–25 °C noch warm, die Luft angenehm und die Strände deutlich ruhiger. Der Hochsommer ist am lebhaftesten und am vollsten.
Nicht unbedingt — die Insel ist nur rund 19 Kilometer lang und flach, ideal für Fahrrad oder E-Bike, die es überall günstig zu mieten gibt und für die kein Kontingent gilt. Vom 1. Juni bis 30. September ist die Autozufahrt zudem beschränkt: Wer mit dem eigenen oder gemieteten Kfz fahren will, braucht eine kostenpflichtige Online-Genehmigung über formentera.eco mit begrenztem Tageskontingent. Busse verbinden Hafen und Hauptorte.
Am bekanntesten ist Ses Illetes auf der Trucador-Halbinsel im Naturpark Ses Salines — kreideweißer Sand, seichtes, glasklares Wasser. Direkt gegenüber liegt der windigere, leerere Zwilling Llevant. Im Süden zieht sich die sechs Kilometer lange Platja de Migjorn mit vielen ruhigen Abschnitten, und versteckte Buchten wie der Caló des Mort oder das Es Caló de Sant Agustí sind perfekt zum Schnorcheln über dem UNESCO-geschützten Posidonia-Seegras.
Die Inselküche ist eng mit Meer und Trockenfeldbau verbunden. Probieren sollte man peix sec (getrockneter Fisch, oft im Bauernsalat ensalada payesa), bullit de peix (Fischeintopf mit Kartoffeln), frit de polp (gebratener Oktopus) und sofrit pagès. Zum Nachtisch passen flaó (Frischkäsekuchen mit Minze), greixonera oder orelletes. Authentische Adressen finden sich in Sant Francesc, Sant Ferran und an der Promenade von Es Pujols.
Ja — viele besuchen Formentera als Tagestrip, da die Fähre nur rund 30 Minuten braucht und Same-Day-Hin-und-Rück-Tickets angeboten werden. Für einen Tag reicht es, vom Hafen La Savina ein Rad oder einen Roller zu mieten und Ses Illetes sowie eine Bucht im Süden anzusteuern. Wer die Stille der Insel, La Mola und die Sonnenuntergänge am Cap de Barbaria wirklich erleben will, sollte aber mindestens eine Nacht bleiben.
05 · In der Nähe
Sagen Sie uns, worauf Sie Lust haben — wir planen Ihre Tage in Formentera.
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