Wer Cortina d'Ampezzo kennt, kennt den Trubel der Hauptstraße Corso Italia, die Boutiquen, die Après-Ski-Bars. Pocol ist das Gegenteil davon – und genau das macht diesen Ortsteil so besonders. Das Hochplateau liegt südwestlich des Stadtzentrums auf rund 1.500 Metern Höhe und öffnet sich in alle Richtungen auf die markanten Gipfel der Ampezzaner Dolomiten: die Tofane, der Lagazuoi, die schroffen Wände des Nuvolau. Wer hier steht, begreift sofort, warum diese Landschaft zum UNESCO-Weltnaturerbe zählt.
Das Viertel selbst ist bescheiden in seiner Größe, aber groß in seiner Wirkung. Entlang der Straße nach Passo Falzarego reihen sich elegante Berghotels und Chalets aneinander, deren Holzveranden und Blumenkästen im Sommer leuchten. Die Atmosphäre ist konzentriert und still – hier kommen Menschen an, um zu sein, nicht um gesehen zu werden. Wanderer schnüren am frühen Morgen ihre Schuhe, Skifahrer fahren zur nahen Skistation Cinque Torri, und abends kehrt eine tiefe Ruhe ein, die in Cortina selbst kaum zu finden ist.
Für Wintersportler ist Pocol ein strategisch kluger Ausgangspunkt: Die Pisten des Skigebiets Cortina d'Ampezzo sind schnell erreichbar, und der Blick von der Falzarego-Route gehört zu den eindrucksvollsten der gesamten Skiregion Dolomiti Superski. Im Sommer verwandelt sich das Plateau in ein Wanderparadies – der Weg zu den Cinque Torri, den fünf charakteristischen Felstürmen, beginnt praktisch vor der Haustür. Klettersteig-Geher und Fotografen schätzen das Licht am frühen Morgen, wenn die ersten Sonnenstrahlen die Türme in Rosatönen erleuchten.
Pocol ist kein Viertel für jene, die Abwechslung in Geschäften und Nachtleben suchen. Es ist ein Ort für alle, die nach Cortina kommen und dabei dem Kern der Sache näherkommen wollen: der Stille, der Weite, den Bergen.

Sacrario Militare di Pocol
Strenger Gedenkturm aus Dolomitstein über der Passstraße bei Pocol, der die Gebeine tausender Gefallener der Dolomitenfront des Ersten Weltkriegs birgt.
Beinhaus der Dolomitenfront des Ersten Weltkriegs