Wer dem Trubel der Amalfiküste entfliehen möchte, folgt dem schmalen Pfad, der vom Stadtzentrum Amalfis ins Valle dei Mulini führt – das Tal der Mühlen. Schon nach wenigen Schritten verändert sich die Atmosphäre grundlegend: Das Meeresrauschen weicht dem Plätschern des Canneto-Baches, die engen Gassen der Stadt öffnen sich zu einem üppig bewachsenen Tal, in dem Zitronenbäume, Farne und Efeu die Ruinen alter Mühlengebäude umschlingen. Es ist ein Ort, der Zeit sichtbar macht.
Das Tal war über Jahrhunderte das industrielle Herz Amalfis. Bereits im 13. Jahrhundert entstanden hier die ersten Papiermühlen, die das Wasser des Canneto nutzten, um Hadernpapier herzustellen – ein Produkt, das einst in ganz Europa gefragt war. Das Museo della Carta, das Papiermuseum Amalfis, bewahrt diese Geschichte lebendig: Alte Schöpfrahmen, hölzerne Stampfwerke und originale Produktionsanlagen erzählen davon, wie aus Lumpen Papier wurde. Wer hier eine Führung mitmacht, versteht, warum Amalfi in der mittelalterlichen Handelswelt eine so bedeutende Rolle spielte.
Jenseits des Museums lohnt der Weg ins Tal hinein. Die Ruinen der verlassenen Mühlen, deren Mauern längst von der Natur zurückerobert wurden, haben eine eigentümliche Schönheit. Feigenblätter brechen durch Mauerwerk, Wasserläufe schlängeln sich unter moosbedeckten Steinbrücken hindurch. Das Valle dei Mulini ist kein aufgeräumter Landschaftspark, sondern ein organisch gewachsenes Stück Geschichte, das sich selbst überlassen wurde – und gerade deshalb fasziniert.
Für Wanderer bietet das Tal den Einstieg in längere Routen ins Gebirge hinter Amalfi, etwa in Richtung Pontone oder zu den Terrassen oberhalb der Stadt. Der Aufstieg ist moderat, die Ausblicke auf die Küstenlinie werden mit zunehmender Höhe immer weiter. Wer früh morgens aufbricht, hat das Tal meist für sich allein – ein seltenes Privileg an der Amalfiküste.

Museo della Carta
Papiermuseum in einer der ältesten Papiermühlen Europas im Valle dei Mulini von Amalfi, wo bei Führungen die wassergetriebenen Stampfwerke laufen und die traditionelle carta bambagina geschöpft wird.
Eine der ältesten Papiermühlen Europas