Les-Baux-de-Provence sitzt wie aus dem Kalkstein gewachsen auf einem schroffen Sporn der Alpilles, hoch über der weiten Ebene zwischen Crau und Camargue. Von Weitem verschmelzen Häuser, nackter Fels und die Mauern der mittelalterlichen Burg zu einer einzigen, schroffen Silhouette. Wer durch das untere Dorftor tritt, läuft auf abgewetzten Steinplatten durch enge, autofreie Gassen, an denen sich Renaissancepaläste, Künstlerläden, Töpfereien und Verkostungsstuben für Olivenöl aneinanderreihen. Das Château des Baux, eine der größten Burgruinen Südfrankreichs, krönt den Felsen. Auf dem windumtosten Plateau stehen rekonstruierte Belagerungsmaschinen wie Trebuchet und Katapult, und von den Resten der Wehrmauern reicht der Blick über Olivenhaine bis zur Montagne Sainte-Victoire und an klaren Tagen bis zum Mittelmeer. Der Mistral fegt hier oben mit voller Wucht über die Kämme – Teil des rauen Charakters, der dieses Dorf so unverwechselbar macht. Im Tal unterhalb des Dorfes haben sich die alten Bauxitsteinbrüche in die Carrières des Lumières verwandelt: In den riesigen, fensterlosen Felsenhallen werden Werke großer Maler in monumentalen, von Musik begleiteten Projektionen über Wände, Boden und Decke gespielt – ein Erlebnis, das den kühlen Stein für einen Moment in lebendige Farbe taucht. Das Mineral Bauxit, das der Welt seinen Namen gab, wurde 1821 in der Nähe entdeckt und ist nach Les Baux benannt. Rund um den Felsen breitet sich die landwirtschaftliche Seele der Provence aus: Die geschützte Herkunft Vallée des Baux-de-Provence steht für intensives, grünes Olivenöl, dazu kommen Weinberge, Lavendel und knorrige Pinien. Les Baux ist klein, theatralisch und ganz aus Stein – ein Dorf, das man am besten früh am Morgen oder im weichen Abendlicht erlebt, wenn die Reisebusse fort sind und die Mauern golden leuchten.



