1540 kaufte Giorgio Vasari ein Haus in seiner Geburtsstadt Arezzo und tat etwas, das nur wenige Künstler taten: Er malte es eigenhändig aus. Vasari war nicht nur Maler und Architekt, sondern mit seinen „Viten“ – den Lebensbeschreibungen der berühmtesten Künstler – auch der Begründer der Kunstgeschichtsschreibung. In seinem eigenen Haus entwarf er sich gewissermaßen ein gemaltes Selbstporträt seiner Welt.
Die Decken sind voller Allegorien, ein Saal feiert den „Triumph der Tugend“, und an den Wänden finden sich Porträts der Künstlerkollegen seiner Zeit – jener Männer, denen Vasari in seinen Schriften ein Denkmal setzte. So wird das Haus zu einem dreidimensionalen Kommentar auf die Renaissance, gemalt von einem Mann, der zwischen Florenz, Rom und Arezzo das Bild ganzer Epochen mitprägte.
Heute ist das Museo di Casa Vasari eines der wenigen erhaltenen Künstlerhäuser der Renaissance und macht den Menschen Vasari greifbar: seinen Ehrgeiz, seine Bildung, seine Verehrung der Kollegen. Der Besuch ist überschaubar und dauert kaum eine Stunde, was ihn zur idealen Ergänzung eines Altstadtrundgangs macht. Anders als beim Dom oder der Pieve ist hier ein Ticket erforderlich. Gut kombinieren lässt sich der Besuch mit der nahen Kirche San Domenico, in der Cimabues frühes Kruzifix hängt – ein Werk, das Vasari in seinen Viten selbst gewürdigt hat, sodass sich der Kreis zwischen gemaltem Haus und besprochener Kunst auf kurzem Weg schließt.