Wer Arezzo von seiner stillen, authentischen Seite kennenlernen möchte, der sollte sich in das Viertel Duomo e Prato aufmachen — am besten am frühen Morgen, wenn die Gassen noch leer sind und das Licht der toskanischen Sonne schräg über die Fassaden fällt. Das Viertel liegt auf dem höchsten Punkt der Altstadt und wird dominiert von der imposanten Cattedrale di San Donato, deren gotische Silhouette man schon von weitem erkennt. Der Bau zog sich über Jahrhunderte hin, und genau das macht ihn so faszinierend: Jede Epoche hinterließ ihre Spuren — von den Buntglasfenstern des Guillaume de Marcillat bis zu den Fresken, die das Innere in ein gedämpftes, andächtiges Licht tauchen.
Unmittelbar neben dem Dom öffnet sich der Parco del Prato, eine großzügige Grünanlage, die von den Einheimischen als Naherholungsort geschätzt wird. Familien picknicken hier am Wochenende, Jogger drehen ihre Runden entlang der Hecken, und von der Terrasse aus bietet sich ein weiter Blick über die Valdarno-Ebene bis hin zu den Hügeln des Chianti. Das Monument zu Ehren von Francesco Petrarca — dem großen Dichter, der in Arezzo geboren wurde — steht ebenfalls im Prato und gibt dem Park eine zusätzliche kulturelle Dimension.
Das Viertel selbst ist keine touristische Hochburg, und das ist sein größter Vorzug. Die Straßen rund um den Dom, etwa die Via Ricasoli oder die Via Garibaldi, sind gesäumt von Palazzi aus dem 15. und 16. Jahrhundert, deren Erdgeschosse kleine Handwerksbetriebe, Weinbars und familiäre Trattorien beherbergen. Hier kaufen die Einheimischen ihr Brot, hier treffen sich die älteren Herren zum Espresso, hier riecht es nach frischem Gebäck und altem Stein. Wer in einem der wenigen Hotels oder Pensionen direkt im Viertel übernachtet, erlebt Arezzo jenseits der großen Reisegruppen — und hat den Duomo und den Prato morgens und abends fast für sich allein.
Für Kunstliebhaber, Architekturinteressierte und alle, die das langsame Reisen schätzen, ist Duomo e Prato das eigentliche Herz von Arezzo. Die Piazza Grande mit ihren Antiquitätenmärkten ist nur wenige Gehminuten entfernt, ebenso die Basilica di San Francesco mit den berühmten Piero-della-Francesca-Fresken. Das Viertel funktioniert dabei nicht als Touristenattraktion, sondern als lebendiger Stadtteil — mit eigenem Rhythmus, eigener Stille und einem Charakter, der sich dem Besucher erst auf den zweiten Blick erschließt.

Duomo di Arezzo
Die gotische Kathedrale San Donato auf Arezzos höchstem Punkt birgt Piero della Francescas Fresko der Maria Magdalena und Glasfenster von Guillaume de Marcillat – Eintritt frei.
Piero della Francescas Fresko der heiligen Maria Magdalena
