Wer Trapani verstehen will, beginnt seine Erkundung dort, wo die Stadt eigentlich beginnt: auf der langen, schmalen Halbinsel, die sich zwischen dem Tyrrhenischen Meer und der Lagune von Trapani ins Wasser schiebt. Das Centro Storico ist kein museales Freiluftgelände, sondern ein lebendiges Quartier, in dem Fischhändler am frühen Morgen ihre Körbe auf dem Mercato del Pesce aufstapeln, während Nonnen durch das Portal der Chiesa del Purgatorio verschwinden und Schulkinder an der Cattedrale di San Lorenzo vorbeieilen.
Die Straßen folgen einem Raster, das die Araber im Mittelalter angelegt haben. Via Garibaldi und Corso Vittorio Emanuele sind die beiden Hauptachsen, die das Viertel von Ost nach West durchziehen. Wer sich davon entfernt und in die schmaleren Vicoli abbiegt, entdeckt Barockfassaden, die im Nachmittagslicht goldgelb leuchten, verwitterte Palazzi mit schmiedeeisernen Balkonen und kleine Piazze, auf denen das Leben im Zeitlupentempo abläuft. Die Piazza Mercato del Pesce ist so ein Ort: Vormittags riecht es hier nach frischem Fisch und Salz, nachmittags sitzen hier Ältere im Schatten und beobachten das Treiben.
Architektonisch ist das Viertel ein Palimpsest. Der Torre di Ligny, das westlichste Gebäude der Halbinsel, wurde im 17. Jahrhundert als Wachturm errichtet und blickt heute auf das offene Meer hinaus – ein Aussichtspunkt, der besonders bei Sonnenuntergang lohnt. Die Kirche Sant'Agostino mit ihrer gotischen Fensterrose aus dem 14. Jahrhundert steht wenige Gehminuten entfernt und zeigt, wie viele Epochen hier übereinandergeschichtet sind. Nicht weit davon befindet sich die Fontana di Saturno, ein Renaissance-Brunnen aus dem Jahr 1342, der trotz seines Alters noch immer auf einem kleinen Platz steht, als wäre er nie woanders gewesen.
Gastronomen und Weinbars haben sich vor allem entlang des Corso Vittorio Emanuele und in den Seitengassen rund um die Piazza Sant'Agostino niedergelassen. Hier bekommt man Cous Cous al pesce – das Gericht, das Trapanis arabisches Erbe am deutlichsten auf den Tisch bringt – ebenso wie frisch gegrillten Schwertfisch oder die lokale Variante der Pasta con le sarde. Das Viertel ist für Reisende interessant, die Städte lieber erleben als besichtigen: für Architekturbegeisterte, Fotografen, Genussreisende und alle, die das langsame Tempo sizilianischer Alltagskultur schätzen.

Torre di Ligny
Der spanische Wachtturm von 1671 an Trapanis äußerster Landspitze beherbergt ein kleines Museum und ist der bekannteste Sonnenuntergangsplatz der Stadt.
Spanischer Wachtturm von 1671 an der äußersten Landspitze Trapanis