Beaune trägt keinen offiziellen Hauptstadttitel, und doch schlägt hier das Herz des burgundischen Weins. Die kleine Stadt liegt eingebettet zwischen den Hängen der Côte de Beaune, deren Rebzeilen mit Namen wie Pommard, Volnay und Meursault buchstäblich am Stadtrand beginnen. Wer durch das Tor in die Altstadt tritt, läuft über Kopfsteinpflaster, das von honigfarbenen Steinhäusern, Weinhandlungen und kleinen Plätzen gesäumt wird – ein Ort, der den Wein nicht als Folklore inszeniert, sondern als gelebten Alltag begreift. Das unbestrittene Wahrzeichen ist das Hôtel-Dieu, ein im 15. Jahrhundert gegründetes Armenhospital. Sein Dach aus glasierten Ziegeln in Gelb, Rot, Braun und Grün zählt zu den meistfotografierten Motiven Burgunds. Im Innenhof öffnet sich ein Bild wie aus einem flämischen Gemälde: das große Krankensaal-Dach, die schmiedeeisernen Brunnen, die strengen Fachwerklinien. Die angeschlossenen Hospices de Beaune besitzen bis heute eigene Weinberge, deren Erträge alljährlich im November bei einer der bekanntesten Weinauktionen der Welt versteigert werden. Unter der Stadt zieht sich ein zweites Beaune dahin: kilometerlange Gewölbekeller, in denen die großen Handelshäuser ihre Grands Crus und Premiers Crus reifen lassen. Viele dieser Maisons öffnen ihre Keller für Verkostungen, und es gehört zum Reiz der Stadt, vom Tageslicht hinab in die kühle, nach feuchtem Stein und Eichenfass duftende Dunkelheit zu steigen. Beaune ist auch ein hervorragender Ausgangspunkt, um die Weinroute der Côte d'Or zu erkunden – zu Fuß, mit dem Rad oder dem Auto entlang der Grand-Cru-Lagen. Dazu kommt eine bodenständige, intensive Küche: Boeuf bourguignon, Coq au vin, Escargots und der kräftige Époisses-Käse begleiten die Weine, die hier nicht Luxus, sondern Selbstverständlichkeit sind.




