
◆ STADT · BALEAREN
Am westlichsten Zipfel Ibizas, wo die Bucht sich weit nach Westen öffnet, liegt der Ort, an dem aus dem Sonnenuntergang eine tägliche Liturgie geworden ist. Sant Antoni de Portmany war zwei Jahrtausende lang nur ein verschlafenes Fischerdorf am römischen Naturhafen Portus Magnus – bis in den 1950er-Jahren die Hotels kamen und in den 1980ern ein paar Bars an den Felsen von Ses Variades begannen, das Verschwinden der Sonne mit Musik zu zelebrieren. Seither pilgert die Welt hierher: zum legendären Café del Mar, zur Bassdröhnung des West End, an die kiefernumstandenen Calas. Wer genauer hinschaut, findet hinter der Partykulisse aber auch ein eigenwilliges Inselgesicht – wehrhafte Bauernkirchen, Mandelblütentäler im Hinterland und einen Hafen, von dem aus die Boote zur sagenumwobenen Felsnadel Es Vedrà ablegen.

Die Geschichte des Orts beginnt am Wasser. Schon die Römer schätzten die geschützte Bucht und nannten sie Portus Magnus – der große Hafen, aus dem sich der Name Portmany ableitet. Über fast zwei Jahrtausende blieb der Ort dennoch klein: ein Häuserkranz aus weiß gekalkten Fincas rund um die wehrhafte Església de Sant Antoni, deren ältester Kern bis ins Jahr 1385 zurückreicht. Wie überall auf Ibiza war die Kirche zugleich Gotteshaus und Festung gegen Korsaren – ein gedrungener, fast trotziger Bau, der vom rauen Inselleben jener Jahrhunderte erzählt, lange bevor das erste Hotel am Passeig Marítim entstand.
Die eigentliche Wende kam mit dem Massentourismus der späten 1950er-Jahre. Entlang der Bucht bis hinüber nach Cala de Bou wuchsen Hotelzeilen, im Gassengewirr hinter dem Hafen entstand das West End. Den eigentlichen Mythos aber schrieb das Jahr 1980: Am 20. Juni eröffnete das Café del Mar an den Felsen von Ses Variades. Als der DJ José Padilla hier ab 1991 seine getragenen Sonnenuntergangs-Sets auflegte und ab 1994 die berühmten Chillout-Compilations erschienen, war ein ganzes Musikgenre geboren – und mit ihm der Sunset Strip, an dem sich heute Café del Mar, Café Mambo und ihre Nachbarn aufreihen.
Doch wer Sant Antoni auf den Sonnenuntergang und das West End reduziert, verkennt die Tiefe des Hinterlands. Wenige Kilometer landeinwärts liegt Santa Agnès de Corona, dessen Mandelhaine sich Ende Januar in ein rosa-weißes Blütenmeer verwandeln. In der Cova de Santa Agnès, einer Felsenkapelle, sollen schon frühe Christen ihre Messen gefeiert haben – manche halten sie für die älteste Kirche der Insel. Und am Hafen erinnert das eigenwillige Ei-Denkmal an den hartnäckigen lokalen Anspruch, Christoph Kolumbus sei hier geboren – mit einem Modell der Santa María im Inneren. Drei Gesichter, ein Ort: Party, Stille, Legende.
01 · Auf einen Blick
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02 · Was tun
Sunset & Sound
Der Klassiker: Am späten Nachmittag den Promenadenweg vom Passeig de ses Fonts hinaus zu den Felsen von Ses Variades nehmen, sich einen Platz auf den Terrassen von Café del Mar oder Café Mambo sichern und das Verschwinden der Sonne hinter den vorgelagerten Inselchen erleben – begleitet von Chillout-Sets internationaler DJs. Danach lockt das West End rund um die Carrer de Santa Agnès mit Clubs wie Eden und Es Paradís.
Calas & Küste
Wer die Bucht hinter sich lässt, findet einige der schönsten Strände der Insel: das kiefernumkränzte Doppel Cala Salada und Cala Saladeta, das familienfreundliche Cala Gració in Stadtnähe, der feine weiße Sand der Cala Bassa und die spektakulären Platges de Comte (Cala Conta) mit Blick auf vorgelagerte Felsinseln. Vom Hafen aus legen außerdem Boote zur magischen Felsnadel Es Vedrà ab.
Hinterland & Tradition
Das ländliche Sant Antoni überrascht: Im Tal von Santa Agnès de Corona verwandeln tausende Mandelbäume Ende Januar die Felder in ein Blütenmeer. Die Felsenkapelle Cova de Santa Agnès gilt manchen als ältestes Heiligtum Ibizas, das Quelldorf Buscastell erzählt von der Bedeutung des Wassers. Zurück im Ort lohnt die wehrhafte Església de Sant Antoni von 1385.
03 · Wann
Sant Antoni lebt im Rhythmus der Saison: Im Sommer pulsiert der Strip, im Winter zieht sich der Ort auf sein dörfliches Wesen zurück. Mit über 300 Sonnentagen und einem milden mediterranen Klima hat jede Jahreszeit ihren eigenen Reiz – man muss nur wissen, was man sucht.
04 · Häufige Fragen
Vor allem für seinen Sunset Strip an den Felsen von Ses Variades, wo legendäre Bars wie das Café del Mar (eröffnet 1980) und das Café Mambo den Sonnenuntergang mit Chillout-Musik zelebrieren. Daneben ist das West-End-Viertel mit Clubs wie Eden und Es Paradís das Zentrum des Nachtlebens an der Westküste Ibizas.
Mit dem Auto oder Taxi sind es rund 22 Minuten. In der Sommersaison (Mai bis Oktober) fährt der Direktbus L9 vom Flughafen alle 30 Minuten und braucht etwa 45 Minuten. Nach Ibiza-Stadt (rund 13 km) verkehren die Linien L3 über Sant Rafel und L8 über Sant Josep.
Besonders schön sind die kiefernumstandenen Buchten Cala Salada und Cala Saladeta, das stadtnahe, familienfreundliche Cala Gració, der weiße Sand der Cala Bassa sowie die Platges de Comte (Cala Conta) mit Blick auf vorgelagerte Felsinseln – ein beliebter Sonnenuntergangsort abseits des Strips.
Ja. Die wehrhafte Església de Sant Antoni geht auf das Jahr 1385 zurück, am Hafen steht das eigenwillige Ei-Denkmal zum lokalen Kolumbus-Anspruch. Im Hinterland locken die Felsenkapelle Cova de Santa Agnès und das Tal von Santa Agnès de Corona, dessen Mandelhaine Ende Januar blühen. Vom Hafen starten zudem Bootstouren zur Felsnadel Es Vedrà.
Mai/Juni und September gelten als ideal: warmes Meer, milde Temperaturen und weniger Trubel als im Hochsommer. Juli und August sind Hochsaison mit vollem Partybetrieb und den Festes de Sant Bartomeu rund um den 24. August. Der Winter ist ruhig und dörflich, mit der Mandelblüte ab Ende Januar als Highlight.
Typisch ibizenkisch sind der Fischeintopf Bullit de Peix mit Kartoffeln und Aioli, der herzhafte Bauerneintopf Sofrit Pagès mit Schwein, Huhn und Sobrasada sowie zum Nachtisch der Käsekuchen Flaó mit Minze und Anis. Als Digestif gehört der Kräuterlikör Hierbas Ibicencas dazu.
05 · In der Nähe
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