Maó, auf Kastilisch Mahón, liegt auf einer Kalksteinklippe über einer fünf Kilometer langen Meeresrinne, die sich tief ins Inselinnere zieht – einer der größten und tiefsten Naturhäfen der Welt. Die Hauptstadt Menorcas wirkt seltsam wenig spanisch: georgianische Stadthäuser mit Sprossenfenstern und symmetrischen Fassaden, Schiebefenster, die man hier „guillotines" nennt, und das katalanische Wort „boinder" für den verglasten Erker. Ein Jahrhundert britischer Herrschaft im 18. Jahrhundert hat Spuren hinterlassen, die in jeder Gasse sichtbar werden. Die Stadt baut sich in Terrassen über dem Wasser auf. Oben drängen sich die Plaça de la Constitució mit der Kirche Santa Maria und ihrer berühmten Orgel, die engen Einkaufsgassen rund um den Carrer Nou und die schattige Plaça d'Espanya mit dem überdachten Fischmarkt im alten Klostergebäude. Hinunter zum Hafen führen die Costa de Ses Voltes, eine geschwungene Treppenstraße, und steile Rampen, an deren Fuß sich die Kais entlangziehen. Unten am Wasser reiht sich ein Restaurant ans nächste. Hier riecht es nach gegrilltem Fisch, nach der cremigen Mahonesa, die ihren Namen angeblich von dieser Stadt hat, und nach Wacholder: Maó ist die Heimat des Gin de Mahón, eines Erbes der britischen Marine, den man traditionell als „pomada" mit Zitronenlimonade trinkt. Am gegenüberliegenden Ufer thront die Festung La Mola, am Hafeneingang liegen kleine Inseln wie die Illa del Rei mit ihrem alten Militärhospital. Wer Menorca als ruhigere, weniger überlaufene Schwester Mallorcas sucht, beginnt in Maó. Von hier aus erreicht man die zerklüftete Nordküste mit ihren roten Felsen ebenso wie die feinsandigen Buchten des Südens, und die Stadt selbst ist abends, wenn die Hafenlichter sich im Wasser spiegeln, ein Ort zum Bleiben statt nur zum Durchfahren.




