Wer Ancona wirklich verstehen will, beginnt im Centro Storico – nicht mit einer Karte in der Hand, sondern mit offenen Augen. Die Altstadt klettert den Hügel des Guasco hinauf, vorbei an verwitterten Palazzi, kleinen Kirchen und Plätzen, auf denen das Leben der Einheimischen seinen ganz eigenen Rhythmus hat. Hier ist nichts auf Touristen zugeschnitten; hier kaufen Anconesi ihr Brot, streiten über den Fußball und trinken ihren Espresso an der Bar, als wäre die Welt draußen weit entfernt.
Das architektonische Rückgrat des Viertels bildet der Arco di Traiano, der triumphale Torbogen aus dem ersten Jahrhundert nach Christus, der noch immer so aufrecht steht, als hätte er die Jahrhunderte kaum bemerkt. Wenige Schritte entfernt erhebt sich die Kathedrale San Ciriaco auf dem höchsten Punkt der Stadt – von ihrer Terrasse aus fällt der Blick weit über den Hafen und die Adria hinaus. Dieses Nebeneinander von antikem Erbe und lebendigem Alltag prägt das gesamte Viertel: Auf der Piazza del Plebiscito, dem zentralen Platz der Altstadt, versammeln sich Schüler und Rentner, während die Fassade des Palazzo del Governo im warmen Nachmittagslicht leuchtet.
Die Gassen des Centro Storico erzählen von Schichten der Geschichte: byzantinische Einflüsse in den Kirchenportalen, gotische Spitzbögen, barocke Innenräume. Die Pinacoteca Civica Francesco Podesti beherbergt bedeutende Werke der italienischen Malerei, darunter Arbeiten von Tizian und Lorenzo Lotto – ein Schatz, der weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist, aber selten überfüllt wirkt.
Abends verändert sich die Stimmung merklich. Die engen Vicoli füllen sich mit dem Klang von Besteck und Gesprächen, Trattorien öffnen ihre Türen und der Duft von gegrilltem Fisch zieht durch die Straßen. Wer hier übernachtet, wacht morgens mit dem Blick auf alte Steinfassaden auf und ist in wenigen Gehminuten am Hafen. Das Centro Storico ist kein Museum – es ist ein Stadtteil, der lebt.

Museo Archeologico Nazionale delle Marche
Eine der bedeutendsten archäologischen Sammlungen Mittelitaliens im Renaissance-Palazzo Ferretti, mit Funden von der Vorgeschichte bis in die Römerzeit.
Eine der bedeutendsten archäologischen Sammlungen Mittelitaliens