Avignon trägt seine Geschichte in jedem Stein. Im 14. Jahrhundert residierten hier sieben Päpste, und das Erbe dieser Zeit prägt die Stadt bis heute: Der Papstpalast (Palais des Papes) ist der größte gotische Palast Europas, eine wehrhafte Festung und ein Prunkbau zugleich, dessen leere Säle und Fresken die Macht des mittelalterlichen Avignon erahnen lassen. Rundherum schließt sich eine fast vollständig erhaltene Stadtmauer um die Altstadt – ein seltener, geschlossener Ring aus Türmen und Toren. Gleich daneben steht das wohl bekannteste Bauwerk der Stadt: die Pont Saint-Bénézet, die berühmte Brücke über die Rhône, die heute nur noch zur Hälfte ins Wasser ragt. Das Volkslied „Sur le pont d'Avignon" kennt man weit über Frankreich hinaus, auch wenn man getanzt wohl eher unter als auf der Brücke hat. Vom benachbarten Park Rocher des Doms öffnet sich der Blick über den Fluss bis zur Nachbarstadt Villeneuve-lès-Avignon. Die Altstadt innerhalb der Mauern lässt sich gut zu Fuß erkunden: der zentrale Place de l'Horloge mit Theater und Rathaus, kleine Plätze unter Platanen, Märkte mit provenzalischen Oliven, Lavendel und Käse. Avignon ist Tor zur Provence – von hier sind die Weinberge des Côtes du Rhône, das Dorf Châteauneuf-du-Pape, das antike Pont du Gard und die Lavendelfelder des Luberon schnell erreichbar. Einmal im Jahr verwandelt sich die Stadt grundlegend: Das Festival d'Avignon im Juli ist eines der größten Theaterfestivals der Welt. Dann spielt im Ehrenhof des Papstpalasts und in unzähligen Off-Spielstätten das gesamte Spektrum der darstellenden Künste, die Gassen füllen sich mit Plakaten, Straßenkunst und Publikum aus aller Welt. Wer Avignon in dieser Zeit erlebt, sieht eine andere, elektrisierte Stadt – wer Ruhe sucht, kommt besser im Frühjahr oder Frühherbst.






