Am Hang des Monte Berico, auf halbem Weg zwischen der Altstadt von Vicenza und der berühmten Villa La Rotonda, liegt die Villa Valmarana ai Nani. Ihren Beinamen verdankt sie den steinernen Zwergen (nani) auf der Mauer entlang der Auffahrt, um die sich eine eigene Legende rankt – von einer kleinwüchsigen Prinzessin, die ihre ebenso kleinwüchsige Dienerschaft um sich versammelt habe. Wer dahinter mehr Mythos als Geschichte vermutet, liegt richtig, doch die Figuren gehören längst untrennbar zum Ort. Berühmt ist die Villa vor allem für ihre Fresken aus dem Jahr 1757. In der Palazzina, dem Herrenhaus, malte Giambattista Tiepolo leuchtende Szenen aus den großen Epen der Antike und der Ritterdichtung: Episoden aus Homers Ilias, Vergils Aeneis, Ariosts Orlando furioso und Tassos Gerusalemme liberata bedecken die Wände eines Saals nach dem anderen. Die Inszenierung von Licht, Bewegung und perspektivischer Tiefe gilt als eines der Hauptwerke des venezianischen Rokoko. Wenige Schritte entfernt steht die Foresteria, das Gästehaus, das Tiepolos Sohn Giandomenico ausgestaltete. Sein Pinsel wandte sich vom Heldenpathos ab und dem Alltag zu: das venetische Landleben, Bauern und Spaziergänger, vor allem aber Szenen des Karnevals mit Masken und Pierrots. So entsteht unter den Dächern eines Anwesens ein direkter Vergleich zwischen Vater und Sohn, zwischen mythologischer Erhabenheit und ironischer Beobachtung der eigenen Zeit. Die Villa Valmarana ai Nani ist bis heute von der gleichnamigen Familie bewohnt und nur saisonal für Besucher geöffnet. Wer sie besucht, kombiniert sie meist mit der nahen Villa La Rotonda und dem Aufstieg zum Santuario di Monte Berico – ein Nachmittag, der die ländliche, aristokratische Seite Vicenzas oberhalb der Stadt zusammenfasst.
Der Besuch führt durch zwei Gebäude: die Palazzina mit Giambattista Tiepolos großem Freskenzyklus zu antiken und ritterlichen Epen und die Foresteria mit Giandomenico Tiepolos Szenen des Landlebens und Karnevals. Dazwischen liegt der Garten mit den steinernen Zwergen. Der Rundgang ist überschaubar und konzentriert sich ganz auf die Malerei.
Die Villa wurde im späten 17. Jahrhundert errichtet und ging später an die Familie Valmarana über. Ihren künstlerischen Rang erhielt sie 1757, als Giambattista Tiepolo und sein Sohn Giandomenico die Innenräume mit Fresken ausstatteten. Seither gilt das Anwesen als eines der bedeutendsten Zeugnisse der venezianischen Freskenmalerei des 18. Jahrhunderts und ist bis heute in Familienbesitz.
