Wer durch das Centro Storico von Vicenza spaziert, bewegt sich durch eines der am besten erhaltenen Renaissance-Ensembles Italiens. Die Piazza dei Signori bildet dabei den unbestrittenen Mittelpunkt: Die Basilica Palladiana mit ihren charakteristischen Lünetten-Bögen aus weißem Stein dominiert den Platz, während gegenüber der schlanke Torre di Piazza in den Himmel ragt. Früh morgens, wenn die ersten Kaffeegäste an den Außentischen Platz nehmen und das Licht die Fassaden in warmes Ockergelb taucht, offenbart sich die eigentliche Qualität dieses Viertels: Es ist kein Museum, sondern gelebte Stadt.
Die Contra Porti, eine der schönsten Palaststraßen Venetiens, führt am Palazzo Porto-Breganze und am Palazzo Thiene vorbei – beides Werke Andrea Palladios, dessen Geburtsstadt Vicenza ist. Das UNESCO-Welterbe lässt sich hier nicht nur von außen bestaunen: Das Museo Civico im Palazzo Chiericati zeigt Gemälde von Tintoretto, Tiepolo und Van Dyck. Wer dann noch die steile Treppe des Teatro Olimpico hinaufsteigt und die gemalten Bühnenperspektiven des Vincenzo Scamozzi betrachtet, versteht, warum Vicenza weit über die Grenzen Italiens hinaus Architekturgeschichte geschrieben hat.
Das Viertel ist kompakt und zu Fuß bestens zu erkunden. Entlang der Corso Palladio, der Hauptachse des Centro Storico, reihen sich Boutiquen lokaler Designer, Goldschmiede – Vicenza ist für seine Goldschmiedekunst europaweit bekannt – und kleine Alimentari aneinander. Abseits der Hauptachse, in den engen Gassen rund um die Piazza delle Erbe, findet man Weinbars, Trattorie und Osterie, die sich an Einheimische richten. Hier isst man Baccalà alla Vicentina, trinkt Soave oder einen Spritz Aperol, und die Gespräche am Nebentisch sind auf Vicentino-Dialekt.
Für Reisende, die nicht nur Sehenswürdigkeiten abhaken, sondern eine Stadt wirklich kennenlernen wollen, ist das Centro Storico von Vicenza die richtige Wahl. Die Dichte an Architektur, Gastronomie und Alltagsleben auf engem Raum macht es zu einem der faszinierendsten Altstadtviertel der Veneto-Region.

Teatro Olimpico
Palladios letztes Werk von 1580: das älteste erhaltene überdachte Theater der Welt – mit Scamozzis hölzerner Bühnenstadt von Theben.
Letztes Werk Andrea Palladios, entworfen 1580