Den Palazzo Chiericati begann Andrea Palladio um 1550 für den Adligen Girolamo Chiericati. Mit seiner ungewöhnlichen doppelten Loggienfront wirkt der Bau weniger wie ein geschlossener Stadtpalast als wie eine Villa, die sich großzügig zur weiten Piazza Matteotti hin öffnet. Diese offene, von Säulen rhythmisierte Fassade war für ein städtisches Wohnhaus seiner Zeit ungewöhnlich und zeigt, wie Palladio die Grenzen zwischen Stadtpalast und Landvilla bewusst verschob. Der Bau zog sich über Jahrzehnte hin und wurde erst lange nach Palladios Tod vollendet. Seit dem 19. Jahrhundert beherbergt der Palazzo das Museo Civico, das städtische Museum mit der Pinakothek von Vicenza. Die Sammlung führt durch Jahrhunderte venezianischer Malerei: von Paolo Veronese und Jacopo Bassano über die großen Namen der Renaissance bis zu Giambattista Tiepolo, dazu kommen Skulpturen, Grafik und Zeugnisse der Stadtgeschichte. Die Innenräume sind selbst Teil des Erlebnisses – mit Deckenfresken und Stuck aus verschiedenen Epochen, die den repräsentativen Anspruch des einstigen Wohnsitzes verdeutlichen. So lässt sich der Rundgang sowohl als Gemäldegalerie als auch als Spaziergang durch einen palladianischen Palast lesen. Die Lage direkt gegenüber dem Teatro Olimpico macht den Palazzo Chiericati zur natürlichen zweiten Station eines Rundgangs durch Palladios Vicenza. Beide Häuser sind über Kombitickets der städtischen Museen miteinander verbunden, sodass sich Theater und Pinakothek bequem an einem Vormittag oder Nachmittag verbinden lassen.
Der Rundgang verbindet Architektur und Malerei: außen die offene Loggienfassade, innen die historischen Säle mit Fresken und die Gemäldesammlung von der Renaissance bis ins 18. Jahrhundert. Der Besuch lässt sich je nach Interesse als kurzer Architektur-Stopp oder als ausführlicher Museumsgang gestalten.
Palladio entwarf den Palast um 1550 für die Familie Chiericati, doch der Bau wurde erst nach seinem Tod vollendet. Im 19. Jahrhundert kam das Gebäude in städtischen Besitz und nahm das Museo Civico auf. Mit Palladios Werk in Vicenza gehört der Palazzo zum UNESCO-Welterbe.
