Im Jahr 1549 gewann der noch junge Andrea Palladio den Auftrag, den mittelalterlichen Palazzo della Ragione mit zweigeschossigen Loggien zu ummanteln. Es wurde sein Durchbruch und ist bis heute das Wahrzeichen von Vicenza. Die rhythmisch gereihten Serliana-Bögen aus weißem Stein – jeweils ein Rundbogen zwischen zwei rechteckigen Öffnungen – legen sich wie eine helle Hülle um den dunklen gotischen Kern. Diese Bogenform wurde später so eng mit dem Bau verbunden, dass sie als Palladio-Motiv in die Architekturgeschichte einging. Über den Loggien wölbt sich das weithin sichtbare kupfergrüne Dach in der Form eines umgedrehten Schiffsrumpfs. Im Inneren erstreckt sich ein einziger großer Saal, der heute Ausstellungen, Messen und Veranstaltungen aufnimmt; von den Terrassen öffnet sich der Blick über die Dächer der Altstadt. Der Bau verbindet damit auf engem Raum mittelalterliche Substanz und Renaissance-Hülle – ein Lehrstück dafür, wie Palladio Altes neu fasste. Im Gebäude ist außerdem das Museo del Gioiello untergebracht, das einzige Schmuckmuseum Italiens. Es erinnert an die jahrhundertealte Goldschmiede- und Schmucktradition, für die Vicenza international bekannt ist und die der Stadt den Beinamen einer Hauptstadt des Goldes eingetragen hat. Vor der Basilica liegt die Piazza dei Signori, der gesellschaftliche Mittelpunkt Vicenzas. Der schlanke Uhrturm Torre Bissara ragt über den Platz, daneben stehen die Säulen mit dem Markuslöwen und dem Erlöser. Am Abend füllen sich die Cafés unter den Loggien, und der Platz wird zur Bühne für den vicentinischen Aperitivo – einer der schönsten Momente, um den Bau bei wechselndem Licht zu erleben.
Von außen beeindrucken die weißen Loggien und das schiffsrumpfförmige Dach. Innen führt der Besuch in den großen Saal und auf die Terrassen mit Blick über die Altstadt sowie ins Museo del Gioiello. Der Zugang hängt von Öffnungszeiten und laufenden Ausstellungen ab; oft ist der Bau vor allem von außen und von der Piazza dei Signori aus zu erleben.
Der gotische Palazzo della Ragione diente als Rathaus und Gericht. Nach dem Einsturz früherer Loggien erhielt Palladio 1549 den Auftrag für die neue Steinhülle, an der über Jahrzehnte gebaut wurde. Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, wurde der Bau wiederhergestellt und zählt heute mit Palladios Werk zum UNESCO-Welterbe.
