Wer durch das Centro Storico von Orta San Giulio spaziert, betritt eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Altstädte Norditaliens. Die engen Kopfsteinpflastergassen schlängeln sich zwischen ockergelben und rosafarbenen Fassaden hindurch, vorbei an schmiedeeisernen Laternen und blumengeschmückten Balkonen, bis sie unvermittelt auf die Piazza Motta öffnen – jenen zentralen Platz am Seeufer, von dem aus die Isola di San Giulio wie ein Gemälde im Wasser zu schweben scheint.
Der Palazzo della Comunità, auch Palazzotto genannt, thront seit dem 16. Jahrhundert über dem Platz und gibt dem Ensemble seine unverwechselbare Silhouette. Darunter treffen sich Einheimische zum Espresso, während Besucher auf den Holzbooten warten, die zur Insel übersetzen. Die Überfahrt dauert nur wenige Minuten, doch der Kontrast zwischen dem lebhaften Ufer und der stillen Benediktinerinnen-Abtei auf der Insel ist bemerkenswert.
Abseits der Piazza Motta lohnt es sich, den Vicolo dei Cavalieri oder die Via Olina zu erkunden. Hier reihen sich kleine Kunstgalerien, Keramikläden und Trattorien aneinander, deren Tische im Sommer bis auf die Gasse hinausrücken. Der Sacro Monte di Orta, ein UNESCO-Welterbe unmittelbar oberhalb des Zentrums, ist zu Fuß in etwa zwanzig Minuten erreichbar und bietet einen Panoramablick, der das gesamte Ortasee-Becken umfasst.
Das Viertel ist kompakt und lässt sich gut zu Fuß erkunden – Motorfahrzeuge sind weitgehend ausgesperrt, was dem Centro Storico eine Ruhe verleiht, die in touristisch frequentierten Altstädten selten ist. Wer hier übernachtet, erlebt die Stunden nach Sonnenuntergang, wenn die Tagestouristen abgereist sind und die Gassen in warmem Licht leuchten, als gehörten sie einem ganz allein.

Piazza Motta
Der zentrale Platz von Orta San Giulio mit Arkaden, Cafés und dem Palazzotto von 1582 – die vierte Seite öffnet sich zum Ortasee mit der Isola San Giulio.
Zentraler Platz von Orta San Giulio direkt am See