Wer Ischia kennt, kennt meist Ischia Porto oder Forio – doch wer Lacco Ameno entdeckt, versteht, warum Kenner diesen kleinen Ort an der Nordwestküste der Insel für das Juwel des Archipels halten. Der Ort schmiegt sich um eine halbmondförmige Bucht, aus der der Fungo ragt: ein pilzförmiger Tuffsteinfelsen, der seit Jahrhunderten das Wahrzeichen Lacco Amenos ist und bei jedem Sonnenuntergang in einem anderen Licht erscheint. Wer abends am Ufer sitzt und zusieht, wie das Licht über dem Felsen verblasst, begreift, warum dieser Ort einst Filmstars und Intellektuelle anzog.
Lacco Ameno war in den 1950er und 1960er Jahren tatsächlich ein Treffpunkt der internationalen Kulturschickeria. Der Verleger Angelo Rizzoli machte den Ort salonfähig, ließ das Grand Hotel Regina Isabella errichten und lockte Gäste wie Luchino Visconti, Marlene Dietrich und Aristoteles Onassis auf die Insel. Dieses Erbe ist noch spürbar: Die Architektur entlang der Lungomare wirkt gepflegter, die Passeggiata ruhiger, das Publikum reifer als in anderen Teilen Ischias.
Das Herz des Viertels ist die Piazza Santa Restituta, benannt nach der Schutzpatronin der Insel. Unter der gleichnamigen Basilika verbirgt sich ein archäologisches Museum, das Funde aus der griechischen Kolonisationszeit zeigt – Lacco Ameno gilt als einer der ältesten griechischen Siedlungsplätze im westlichen Mittelmeer. Wer sich die Zeit nimmt, durch die engen Gassen hinter der Piazza zu schlendern, stößt auf kleine Keramikläden, Bars mit hausgemachten Granitas und eine Stille, die in der Hochsaison auf Ischia rar ist.
Die Thermalquellen sind der zweite große Trumpf des Ortes. Das Parco Termale Negombo, direkt an der Baia di San Montano gelegen, gilt als eine der schönsten Thermalanlagen Italiens: gestaffelte Becken mit unterschiedlichen Temperaturen, üppige Gartenanlagen und ein direkter Zugang zu einem der ruhigsten Strände der Insel. Die Baia di San Montano selbst ist mit ihrem türkisfarbenen, flachen Wasser besonders für Familien geeignet.
Lacco Ameno richtet sich an Reisende, die Ischia nicht nur als Badeinsel erleben wollen, sondern auch nach kultureller Tiefe, kulinarischer Qualität und einer Atmosphäre suchen, die ohne laute Unterhaltungsangebote auskommt.

Villa Arbusto – Museo di Pithecusae
Archäologisches Museum in einem Landsitz aus dem 18. Jahrhundert in Lacco Ameno mit den Funden von Pithekoussai und der berühmten Coppa di Nestore.
Landsitz aus dem 18. Jahrhundert, später Residenz von Angelo Rizzoli