Wer Verona wirklich verstehen will, überquert die Ponte Pietra und lässt die Touristenströme rund um die Arena hinter sich. Veronetta empfängt einen mit einer anderen Energie: Hier hängen Wäscheleinen zwischen Renaissancefassaden, Studenten der Università degli Studi di Verona diskutieren in Bars über den Gassen, und die engen Gässchen riechen nach frisch gebrühtem Espresso und altem Stein.
Das Viertel liegt am östlichen Ufer der Etsch und war lange Zeit das Quartier der Handwerker, Gerber und einfachen Leute – eine Geschichte, die man noch heute in der Architektur ablesen kann. Die Kirche Santo Stefano, eine der ältesten Veronas, steht hier ebenso wie die beeindruckende Basilica di San Giorgio in Braida, deren Fassade am Flussufer eine ganz eigene Silhouette zeichnet. Wer die Scaligergräber und das Amphitheater kennt, sollte sich Zeit nehmen, auch das Teatro Romano zu entdecken, das in den Hügel über dem Fluss gehauen ist und bei Sonnenuntergang in warmes Licht getaucht wird.
Veronetta ist heute vor allem durch die Universität geprägt. Rund um die Facultà di Lettere e Filosofia haben sich kleine Buchläden, unabhängige Cafés und günstige Trattorien angesiedelt, die keine Touristen-Speisekarten kennen. Die Via XX Settembre und die Piazzetta Scala sind Treffpunkte, an denen sich das echte Alltagsleben Veronas abspielt – laut, entspannt und ohne Schaufensterdekoration.
Auf dem Hügel über dem Viertel liegt das Castel San Pietro, von dem aus sich einer der schönsten Blicke auf die Altstadt und den Mäander der Etsch öffnet. Der Aufstieg lohnt sich zu jeder Tageszeit, besonders aber in den frühen Abendstunden, wenn die Kuppeln und Türme im letzten Licht glühen. Veronetta ist das Viertel für alle, die Verona nicht nur sehen, sondern spüren wollen.

Giardino Giusti
Einer der am besten erhaltenen Renaissance-Gärten Italiens aus dem 16. Jahrhundert, mit Zypressenallee, Irrgarten und Blick über Verona.
Einer der am besten erhaltenen Renaissance-Gärten Italiens