Stadt · Frankreich

Bordeaux

Kurz nach Sonnenaufgang kommt das Licht flach über die Garonne herein, die ganze nach Osten gewandte Kalksteinfront am Quai leuchtet auf, und im Wasserfilm des Miroir d'eau steht die Place de la Bourse kopfüber ein zweites Mal.

6 Stadtviertel11 Sehenswürdigkeiten9 Hotels
Überblick

Deine Bordeaux-Reise auf einen Blick

Beste Reisezeit
Am angenehmsten sind Mai, Juni und September: mildes Wetter, lange Tage und weniger Andrang als im Hochsommer. Wer die Weinwelt erleben will, kommt zur Weinlese im September und Oktober, wenn in den Châteaux der Umgebung Hochbetrieb herrscht. Der Sommer kann heiß und voll werden, der Winter ist mild, aber feuchter.
Über Bordeaux

Reisen nach Bordeaux

Bordeaux ist die Welthauptstadt des Weins und zugleich die geschlossenste Stadtkulisse des 18. Jahrhunderts, die Frankreich außerhalb von Paris zu bieten hat. Seit 2007 steht der historische Kern als Port de la Lune auf der UNESCO-Welterbeliste, benannt nach der Mondsichel, die die Garonne hier in die Stadt schneidet – mit knapp 1.800 Hektar eines der größten städtischen Welterbegebiete überhaupt. Die Fassaden aus hellem Kalkstein entstanden ab den 1730er-Jahren, als die königlichen Intendanten Boucher und Tourny die Wehrmauern niederlegen ließen und die Stadt zum Fluss hin öffneten; die Place de la Bourse ist bis heute das Gesicht dieser Kehrtwende. Davor liegt seit 2006 der Miroir d'eau, gut 3.400 Quadratmeter dünner Wasserfilm, in dem sich die Fassade spiegelt, bevor Düsen alles in Nebel hüllen. Vom Grand Théâtre von 1780 zieht die Rue Sainte-Catherine auf gut 1,2 Kilometern schnurgerade quer durch die Stadt bis zur Place de la Victoire, östlich davon liegt das Gassengeflecht von Saint-Pierre mit Porte Cailhau und Place du Parlement, südlich die Basilique Saint-Michel mit ihrem freistehenden Glockenturm und der überdachte Marché des Capucins. Im Norden hat sich das alte Weinhändlerviertel Chartrons in eine Meile aus Antiquitätenläden, Galerien und Concept Stores verwandelt, dahinter stehen an den alten Hafenbecken die Cité du Vin von 2016 und die Bassins des Lumières in einem U-Boot-Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Und vor den Toren beginnt das, wofür der Name weltweit steht – über 100.000 Hektar Rebfläche vom Médoc über Graves und Sauternes bis nach Saint-Émilion, alles in weniger als einer Autostunde.

Bordeaux – Karte
Reiseführer

Bordeaux von A bis Z

Aktualisiert August 2026

Kurz nach Sonnenaufgang steht die Sonne so flach über der Garonne, dass die gesamte Uferfront für eine Weile aussieht wie frisch gewaschen – und das ist sie auch, seit die Stadt ihre Fassaden vom Ruß zweier Jahrhunderte befreit hat. Bordeaux war lange die dunkle, verschlossene Kaufmannsstadt, an der man auf dem Weg an den Atlantik vorbeifuhr. Heute ist sie das Gegenteil, hell und komplett zu Fuß begehbar, mit einer Straßenbahn, die ohne Oberleitung durch die Altstadt gleitet, und mit den berühmtesten Weinbergen der Welt eine halbe Autostunde vor der Tür.

Sehenswürdigkeiten

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Bordeaux

Vom Grand Théâtre bis zur Basilique Saint-Michel läufst du keine halbe Stunde – das gesamte Welterbe-Zentrum passt in einen Bogen von zwei Kilometern am Fluss entlang.

Der Bezugspunkt ist die Place de la Bourse, entstanden zwischen 1730 und 1775, als die Intendanten des Königs die alte Stadtmauer niederlegen ließen und Bordeaux zum Fluss hin öffneten. Was den Platz weltbekannt gemacht hat, ist allerdings deutlich jünger – das Miroir d'eau davor, das seit 2006 auf gut 3.400 Quadratmetern Granit einen nur rund zwei Zentimeter dünnen Wasserfilm hält und im Wechsel damit Nebelschwaden aufsteigen lässt. Es ist der größte Wasserspiegel der Welt und funktioniert nach einem simplen Prinzip – Spiegelphase, Leerlauf, Nebel, von vorn. Die Anlage läuft in der wärmeren Jahreshälfte, im Winter ist das Becken meist trocken. Für Fotos ohne Menschenmenge kommst du kurz nach Sonnenaufgang oder in der Stunde nach Sonnenuntergang, wenn die Fassade beleuchtet ist.

Gut vierhundert Meter westlich, fünf Gehminuten, steht das Grand Théâtre, das Victor Louis 1780 vollendete. Zwölf korinthische Säulen tragen eine Attika mit zwölf Statuen, neun Musen und drei Göttinnen, und das Treppenhaus dahinter gilt als Vorbild für die spätere Pariser Oper. Innen kommst du entweder als Opern- und Konzertbesucher hinein oder mit einer Führung, die der Tourismusverband anbietet. Vom Vorplatz führen die Cours de l'Intendance und die Allées de Tourny in das Triangle d'Or, das Bordeaux' bürgerliche Selbstdarstellung in Reinform zeigt, und weiter zur Place des Quinconces, einem der größten Stadtplätze Europas, an dessen Kopfende das Monument aux Girondins mit seinen Bronzepferden steht.

Südlich davon wird die Stadt älter. Die Cathédrale Saint-André, in der Eleonore von Aquitanien 1137 Ludwig VII. heiratete, hat ihren Glockenturm nicht am Bau, sondern daneben – die Tour Pey-Berland entstand im 15. Jahrhundert bewusst als eigener Bau neben der Kirche, weil man dem Untergrund und dem Mauerwerk das Gewicht samt Glockenschwingungen nicht zutraute. Der Aufstieg über die enge Wendeltreppe endet auf einer Galerie mit dem besten Rundblick über die Dächer. Dasselbe Prinzip wiederholt sich bei der Basilique Saint-Michel im Süden, deren freistehende Flèche zu den höchsten Kirchtürmen Frankreichs zählt. Dazwischen liegen die Grosse Cloche, der Glockenturm des mittelalterlichen Rathauses und eines der ältesten Wahrzeichen der Stadt, und die Porte Cailhau von 1495, halb Wehrturm, halb Triumphbogen, errichtet zu Ehren eines Sieges Karls VIII. in Italien.

Nach Norden dreht sich das Bild ins 21. Jahrhundert. An den alten Hafenbecken steht seit 2016 die Cité du Vin, deren geschwungene Hülle aus Glas und goldfarbenem Aluminium den Wein im Glas zitieren soll; das Ticket schließt eine Verkostung im Belvédère ganz oben ein, und der Blick von dort über Fluss und Stadt ist die halbe Miete. Gleich nebenan liegen die Bassins des Lumières im ehemaligen deutschen U-Boot-Bunker, wo Projektionen über Wasserbecken und meterdicken Beton laufen. Zurück am Fluss verbindet der Pont de Pierre mit seinen 17 Bögen beide Ufer – der Legende nach steht die Zahl für die Buchstaben in Napoléon Bonaparte, auf dessen Anordnung die Brücke ab 1810 gebaut wurde. Für Autos ist sie seit einigen Jahren gesperrt, was sie zum besten Aussichtspunkt auf Höhe der Altstadt macht.

Sehenswürdigkeiten in Bordeaux

Alle 11 Sehenswürdigkeiten
Wein & Châteaux

Weintouren ab Bordeaux ins Médoc und nach Saint-Émilion

Rund um die Stadt liegen über 100.000 Hektar Rebfläche, und die eigentliche Frage ist nicht ob, sondern in welche Richtung du fährst.

Die Geografie ist schnell erklärt und hilft bei jeder Entscheidung. Am linken Ufer von Garonne und Gironde, auf Kiesböden, dominiert Cabernet Sauvignon – hier liegen das Médoc im Norden, südlich der Stadt Graves und Pessac-Léognan sowie die Süßweingemeinde Sauternes, wo Edelfäule aus überreifen Trauben Dessertweine macht. Am rechten Ufer, auf Kalk und Lehm, führt Merlot, und dort liegen Saint-Émilion, Pomerol und Fronsac. Dazwischen erstreckt sich das Entre-deux-Mers, das vor allem trockene Weißweine liefert und für Ausflüge das entspannteste Terrain ist. Wer nur einen Tag hat, entscheidet sich zwischen der Strenge des Médoc und dem Postkartendorf Saint-Émilion.

Ins Médoc führt die Route des Châteaux, die Départementsstraße D2, die von Bordeaux nordwärts durch Margaux, Saint-Julien, Pauillac und Saint-Estèphe zieht. Die Namen an den Einfahrten liest man sonst nur auf Auktionslisten, und viele der klassifizierten Güter empfangen Besucher ausschließlich nach Terminvereinbarung, oft Wochen im Voraus und selten am Wochenende. Genau deshalb sind geführte Halbtages- und Tagestouren ab Bordeaux hier die sinnvollste Lösung – die Termine sind gebucht, jemand anderes fährt, und du bekommst zwei bis drei Güter unterschiedlicher Größenordnung an einem Tag. Während der Weinlese im September und Oktober schließen viele Häuser ihre Besucherprogramme ganz.

Saint-Émilion geht auch ohne Auto. Vom Bahnhof Bordeaux Saint-Jean fährt der Regionalzug in rund 40 Minuten, allerdings hält er unterhalb des Ortes, sodass ein Fußweg von rund anderthalb Kilometern bergauf bleibt, gut zwanzig Minuten – rechne die Zeit ein oder nimm eine organisierte Tour, die direkt im Dorf hält. Der Ort selbst steht seit 1999 als Weinbaulandschaft auf der UNESCO-Welterbeliste, und sein Kernstück ist die monolithische Kirche, die ab dem 12. Jahrhundert komplett aus dem Kalkfelsen herausgeschlagen wurde. Zugänglich ist sie nur mit Führung über das Tourismusbüro, gemeinsam mit den Katakomben und der Eremitage. Oben auf der Tour du Roi überblickst du das gesamte Rebenmeer bis zur Dordogne.

Drei praktische Punkte, die den Unterschied machen. Erstens die Promillegrenze – in Frankreich liegt sie bei 0,5, für Fahranfänger niedriger, und Verkostungen summieren sich schneller, als du denkst; entweder spucken, wie es die Profis tun, oder gleich eine Tour mit Fahrer buchen. Zweitens die Sprache: Deutschsprachige Führungen gibt es, sie sind aber die Ausnahme, englische dagegen fast überall. Und drittens der Transport nach Hause – gute Cavistes in der Stadt und viele Güter organisieren den Versand, was billiger und sicherer ist, als Flaschen im Handgepäck zu jonglieren. Wer gar nicht hinausfahren will, bekommt in der Cité du Vin und in den Weinbars der Chartrons einen Querschnitt durch die Appellationen im Glas.

Aktivitäten & Touren in Bordeaux

Rundgang & Tagesplan

Bordeaux in zwei Tagen zu Fuß erleben

Zwei Tage reichen für die Stadt, wenn du sie in der richtigen Reihenfolge läufst – vormittags Markt und Altstadt, nachmittags Fassaden, abends Fluss.

Starte den ersten Tag im Marché des Capucins, denn Märkte sind hier eine Vormittagsangelegenheit und montags bleiben die Hallen üblicherweise geschlossen. Zwischen Fisch-, Käse- und Gemüseständen sitzen die Bordelais an Austernbars wie Chez Jean-Mi, und ein Dutzend Austern mit einem Glas Weißwein um halb elf ist hier kein Exzess, sondern Routine. Danach ein paar Straßen nach Norden zur Basilique Saint-Michel mit ihrem freistehenden Turm, weiter durch die Rue Saint-James unter der Grosse Cloche hindurch und über die Place du Palais zur Porte Cailhau. Dieses Stück ist das älteste Bordeaux, und es sieht auch so aus – schief, eng, bewohnt.

Am frühen Nachmittag stößt du ans Wasser und damit auf die Place de la Bourse und den Miroir d'eau. Nimm dir Zeit für einen Zyklus aus Spiegel und Nebel, dann geh landeinwärts zur Cathédrale Saint-André und steig auf die Tour Pey-Berland, um dir von oben die Geografie einzuprägen, die du gerade zu Fuß abgelaufen bist. Über die Rue Sainte-Catherine, die auf gut 1,2 Kilometern schnurgerade durch die Stadt schneidet, geht es nach Norden bis zur Place de la Comédie mit dem Grand Théâtre und weiter zu den Allées de Tourny. Den Abend verbringst du in Saint-Pierre, wo sich rund um die Place du Parlement Bistros und Weinbars aneinanderreihen; reservieren schadet nicht.

Der zweite Tag gehört dem Norden. Über den Quai des Chartrons läufst du an den alten Handelshäusern entlang; wenn Sonntag ist, triffst du unterwegs auf den Markt am Ufer, und die Rue Notre-Dame mit ihren Antiquitätengeschäften lohnt einen Abstecher. Weiter nordwärts, zu Fuß rund eine halbe Stunde oder mit der Tram wenige Minuten, liegen die Bassins à Flot mit der Cité du Vin und den Bassins des Lumières im U-Boot-Bunker – beide verkaufen Zeitfenstertickets, also vorab buchen. Für den späten Nachmittag wechselst du das Ufer, entweder über die Hubbrücke Jacques Chaban-Delmas oder mit einem der Flussshuttles, die zum Nahverkehrsnetz gehören.

Drüben in La Bastide bekommst du das, was auf keiner Postkarte steht und trotzdem der beste Blick der Stadt ist – die komplette Welterbe-Front am Stück. Weil sie nach Osten schaut, liegt sie am Vormittag im vollen Licht; wer erst am späten Nachmittag herüberkommt, wartet die Illumination ab und hat in der blauen Stunde nach Sonnenuntergang die ganze angestrahlte Reihe über dem Wasser. Der Rückweg über den autofreien Pont de Pierre setzt den Schlusspunkt. Wer einen dritten Tag hat, hängt ihn ans Weinland, entweder als Zugtour nach Saint-Émilion oder als geführte Fahrt ins Médoc. Und wer nur einen einzigen Tag hat, kürzt den ersten Tag um die Turmbesteigung, lässt die Rue Sainte-Catherine aus und nimmt stattdessen die Bootsfahrt auf der Garonne, die dir die Uferfront in einer Stunde von unten zeigt.

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Stadtviertel

Bordeaux' Stadtviertel von Saint-Pierre bis zu den Bassins à Flot

Die Stadt liest sich als Schichtenmodell, das vom mittelalterlichen Kern in immer neueren Ringen nach außen wächst und am rechten Ufer noch einmal von vorn beginnt.

Place de la Bourse & Miroir d'eau
Place de la Bourse & Miroir d'eau

Innen liegt Saint-Pierre, das mittelalterliche Bordeaux zwischen Place de la Bourse und Porte Cailhau. Hier sind die Gassen so eng, dass zwei Menschen mit Einkäufen sich arrangieren müssen, und die kleinen Plätze funktionieren abends als Wohnzimmer der Stadt. Direkt daran schließt nach Westen das Triangle d'Or an, aufgespannt zwischen Grand Théâtre, Allées de Tourny und Cours de l'Intendance – klassizistische Stadtpalais, Luxusboutiquen, Cafés mit Markisen und die höchsten Zimmerpreise. Wer zum ersten Mal in Bordeaux ist und kurze Wege will, wohnt in einem dieser beiden Viertel und läuft alles Weitere.

Südlich davon wird es lauter und deutlich bunter. Saint-Michel rund um die gleichnamige Basilika ist das multikulturellste Viertel der Innenstadt, mit dem Marché des Capucins als Mittelpunkt, einem Flohmarkt auf dem Kirchplatz, portugiesischen und nordafrikanischen Läden und Tapasbars, in denen es abends eng wird. Wer Bordeaux nur zwischen Bourse und Triangle d'Or besichtigt, bekommt eine sehr saubere, sehr bürgerliche Version der Stadt zu sehen; ein Nachmittag in Saint-Michel liefert das Gegenstück. Ein paar Minuten weiter südwestlich liegt mit der Place de la Victoire das Zentrum des Studentenlebens einer Stadt mit rund 100.000 Studierenden.

Nach Norden zieht sich Chartrons am Fluss entlang, das alte Viertel der Weinhändler, die ihre Lagerhäuser vor den Toren der Stadt bauten. Die Erdgeschosse mit ihren hohen Toren nehmen heute Antiquitäten, Galerien, Röstereien und Concept Stores auf, sonntagvormittags steht der Markt am Quai. Daran anschließend beginnen die Bassins à Flot, Bordeaux' jüngstes Viertel, wo zwischen alten Hafenbecken, Werfthallen und dem gewaltigen Betonbunker der Kriegsmarine mit Cité du Vin und Bassins des Lumières die beiden meistbesuchten Neubauten der Stadt stehen. Das Viertel ist noch im Werden und deshalb tagsüber interessanter als abends.

Bleibt das rechte Ufer. La Bastide ist das einzige Viertel jenseits der Garonne und lange das übersehene gewesen – ein Arbeiter- und Bahnviertel, dem die Stadt den Rücken zukehrte. Genau daraus zieht es heute seinen Reiz: der beste Blick auf die Welterbe-Front, ein moderner Jardin Botanique am Ufer und mit dem Darwin-Areal in einer ehemaligen Kaserne ein alternativer Komplex mit Skatepark, Streetart, Biomarkt und Kantine. Für Übernachtungen ist die Auswahl drüben klein, für einen Nachmittag mit anschließendem Sonnenuntergang über dem anderen Ufer aber genau richtig.

Übernachten

Hotels in Bordeaux und die passende Lage für deinen Aufenthalt

In einer Stadt, in der du alles zu Fuß erreichst, entscheidet die Adresse weniger über die Wege als über den Lärmpegel nach Mitternacht.

Die repräsentativste Adresse ist das InterContinental Bordeaux – Le Grand Hôtel an der Place de la Comédie, untergebracht in restaurierten Bauten des 18. Jahrhunderts direkt gegenüber dem Grand Théâtre, mit Spa und Dachterrasse über den Säulen der Innenstadt. Im selben Haus kocht Le Pressoir d'Argent unter der Regie von Gordon Ramsay. Eine Nummer intimer, aber nicht weniger aufwendig sind La Grande Maison de Bernard Magrez mit nur sechs Zimmern samt Gourmetrestaurant und das Yndō Hôtel, ein Fünf-Sterne-Haus in einem Herrenhaus des 19. Jahrhunderts, in dem Designklassiker und zeitgenössische Kunst zwischen Stuck und Duftgarten stehen.

Eine Kategorie darunter, aber in derselben Gegend, liegen die Häuser, die für die meisten Städtereisen die bessere Rechnung ergeben. Das Hôtel de Sèze zwischen Place des Quinconces und den Allées de Tourny hat Spa und Restaurant im Haus, das Hôtel des Quinconces sitzt in einem Bordelaiser Herrenhaus wenige hundert Meter vom Platz entfernt, und das Hôtel de Tourny bringt Stadthausatmosphäre mitten ins Goldene Dreieck. Alle drei liegen so, dass du morgens in fünf Minuten am Grand Théâtre und in zehn am Miroir d'eau stehst, ohne dass dich abends die Terrassenlautstärke der Altstadt erreicht.

Wer es lieber jung und laut mag, bucht das Mama Shelter Bordeaux, ein Design-Haus von Philippe Starck mitten im Zentrum mit lebhafter Bar und Dachterrasse. Im Norden, am Quai des Chartrons, fällt das Seeko'o Hôtel mit seiner eisbergweißen Corian-Fassade schon von der anderen Uferseite auf und punktet mit dem kurzen Weg zur Cité du Vin. Ebenfalls in Chartrons liegt das Hôtel Singulier, ein kleines Vier-Sterne-Haus mit Spa in einem Bürgerhaus, das die richtige Wahl ist, wenn du Antiquitätenläden, Weinbars und den Sonntagsmarkt vor der Tür haben willst und aufs Zentrum eine Viertelstunde Fußweg in Kauf nimmst.

Drei praktische Hinweise zur Buchung. Erstens Parken – Hotels in der Altstadt haben so gut wie nie eigene Stellplätze, das Zentrum ist weitgehend verkehrsberuhigt, und du landest in einem Parkhaus mit Tagestarif. Günstiger fährst du zu einem der Parcs Relais am Stadtrand und steigst dort in die Tram um. Zweitens der Kalender: Rund um die großen Termine des Jahres, die weiter unten im Veranstaltungsteil stehen, ziehen die Raten spürbar an – wer flexibel ist, legt die Reise auf die Wochen dazwischen. Drittens die Lage der Zimmer – rund um die Place du Parlement und die Rue Saint-Rémi ist es bis in die Nacht laut, frag dort nach einem Zimmer zum Hof.

Hotels in Bordeaux

Alle 9 Hotels

Ferienhäuser & Villen mit Pool

Die beliebteste Wahl in der Region — privates Ferienhaus oder Villa mit Pool, oft mitten in den Weinbergen.

Agriturismi & Weingüter

Urlaub auf dem Land: übernachten auf einem Weingut oder Bauernhof, mit Wein und Öl aus eigener Ernte.

Essen & Trinken

Restaurants in Bordeaux und was die Küche des Südwestens ausmacht

Zwischen Atlantik, Weinbergen und Entenzucht liegt eine Küche, die sich für Butter, Fett und rotes Fleisch nie entschuldigt hat.

Die Institution ist La Tupina an der Porte de la Monnaie, seit 1968 die Adresse für die Küche des Südwestens, zubereitet am offenen Kaminfeuer mitten im Gastraum – Hühner am Drehspieß, Entenherzen in der Pfanne, Kartoffeln in Fett, dazu Weine aus der Umgebung. Am anderen Ende des Zentrums, gut anderthalb Kilometer nordwestlich im Triangle d'Or, steht mit Le Chapon Fin eine noch ältere Größe, 1825 eröffnet und berühmt für den Rocaille-Wintergarten aus künstlichem Felsgestein, in dem um 1900 halb Europas Prominenz gegessen hat. Beide Häuser sind keine Museen, aber sie erklären, warum in Bordeaux das Wort Tradition schwerer wiegt als anderswo in Frankreich.

Die Spitze der Stadt sitzt fast komplett am Wasser oder am Theater. Le Pressoir d'Argent im InterContinental hat mit dem Hummer aus der silbernen Presse ein Signaturgericht, das man einmal gesehen haben sollte. Im Pavillon Gabriel direkt an der Place de la Bourse arbeiten zwei Adressen übereinander – oben Le Gabriel als Gourmetrestaurant mit Blick über den Platz, darunter Le Bistrot du Gabriel, wo du deutlich entspannter, aber mit demselben Fenster auf den Miroir d'eau isst. Etwas abseits liegt Garopapilles, halb Restaurant, halb Weinhandlung, mit begrüntem Patio und einer Karte, die sich nach dem Markt richtet.

Für den normalen Abend funktionieren die kleineren Häuser besser. Le Petit Commerce in der Rue du Parlement ist die Fischadresse der Altstadt, laut, eng und mit einer Tafel, die sich nach dem Fang richtet. Chez Jean-Mi steht mitten in der Markthalle der Capucins und serviert Austern aus dem Bassin d'Arcachon am Stehtisch – vormittags, wenn die Halle voll ist. Und am Quai des Chartrons ist Le Sobre Chartrons die Weinbar für den Fall, dass du dich durch Appellationen probieren willst, ohne dich auf eine Flasche festzulegen; offene Weine gibt es dort dutzendweise, die Karte umfasst weit über tausend Positionen.

Auf dem Teller landen ein paar Dinge immer wieder. Die Entrecôte à la bordelaise wird über Rebholz gegrillt und mit einer Sauce aus Rotwein, Schalotten und Rindermark serviert; dazu kommen Lamm aus Pauillac, Rind aus Bazas und im Frühjahr die Lamproie à la bordelaise, ein in Rotwein geschmortes Neunauge, das nicht jedermanns Sache ist. Austern aus dem Bassin d'Arcachon isst man klassisch mit kleinen warmen Bratwürsten, den Crépinettes, und einem trockenen Weißen aus dem Entre-deux-Mers. Zum Kaffee gehört der Canelé, außen dunkel karamellisiert, innen weich, mit Rum und Vanille. Gegessen wird spät – vor 19.30 Uhr ist in vielen Küchen nichts zu holen, und sonntags sowie montags bleibt ein großer Teil der Restaurants geschlossen.

Restaurants in Bordeaux

Alle 9 Restaurants
Märkte & Shopping

Märkte und Shopping zwischen Rue Sainte-Catherine und Chartrons

Der Einkaufstag in Bordeaux hat eine natürliche Reihenfolge – erst die Markthallen, dann die Läden, denn das eine schließt, wenn das andere aufmacht.

Marché des Capucins
Marché des Capucins

Der Marché des Capucins ist der Ausgangspunkt, seit Generationen der Bauch der Stadt und bis heute ein echter Versorgungsmarkt statt einer Kulisse. Unter dem Hallendach liegen Fischtheken mit Austern und Langusten, Metzger mit Ente in allen Verarbeitungsstufen, Käsestände, baskische Schinken, Gewürzhändler und portugiesische Feinkost. Zwischen den Ständen stehen Bars und Austerntheken, an denen ab dem Vormittag gegessen und getrunken wird. Nachmittags ist die Halle weitgehend leer, montags bleibt sie üblicherweise geschlossen – prüfe die aktuellen Zeiten am besten kurz vorher, sie ändern sich saisonal.

Sonntagvormittag verlagert sich das Geschehen an den Fluss. Am Quai des Chartrons reiht sich dann ein Stand an den nächsten, vom Gemüsebauern über den Austernzüchter bis zum Winzer, der seine eigenen Flaschen ausschenkt, und dazwischen frühstückt halb Bordeaux im Stehen. Die parallel verlaufende Rue Notre-Dame ist die Antiquitätenmeile der Stadt, mit Läden für Möbel, Silber, Weinkaraffen und altem Kartenmaterial; einige Höfe versammeln gleich mehrere Händler unter einem Dach. Wer nach einem Souvenir sucht, das nicht aus einem Souvenirladen kommt, wird hier oder bei einem der Cavistes der Umgebung fündig.

Das klassische Shopping läuft in der Rue Sainte-Catherine, die vom Grand Théâtre bis zur Place de la Victoire führt und als eine der längsten Fußgängerzonen Europas gilt. Sie ist erwartbar sortiert – internationale Ketten, Kaufhäuser, Sportmarken – und an Samstagnachmittagen entsprechend voll. Interessanter wird es links und rechts davon: Im Triangle d'Or reihen sich an Cours de l'Intendance und Cours Georges Clemenceau die Luxusmarken, in den Seitenstraßen von Saint-Pierre sitzen kleine Labels, Buchläden und Plattenhändler, und im nördlichen Chartrons haben sich Concept Stores und Werkstätten eingenistet.

Zwei Dinge solltest du einplanen. Erstens sind Sonntage in Frankreich Ladenschlusstage; abgesehen von den Märkten, einzelnen Bäckereien und Touristenläden bleibt fast alles zu, weshalb der Sonntag der Tag für Markt, Museum und Fluss ist. Zweitens die Mitbringsel selbst – Wein kaufst du günstiger direkt beim Gut oder bei einem Caviste als am Flughafen, viele organisieren den Versand nach Deutschland. Canelés halten sich zwei, drei Tage und reisen in der Blechdose besser als in der Papiertüte; die passenden Kupferförmchen für zu Hause bekommst du in den Haushaltswarenläden rund um die Capucins.

Museen & Kunst

Museen in Bordeaux vom Weinmuseum bis zum U-Boot-Bunker

Bordeaux' Museumslandschaft erzählt drei Geschichten – die des Weins, die des Atlantikhandels und die einer Stadt, die ihre Industriebauten nicht abgerissen hat.

Cité du Vin
Cité du Vin

Der spektakulärste Ort ist die Base sous-marine an den Bassins à Flot, ein U-Boot-Bunker mit meterdicker Betondecke, den die deutsche Kriegsmarine in den 1940er-Jahren errichten ließ und den keine Nachkriegsplanung mehr wegbekam. Seit 2020 laufen dort als Bassins des Lumières riesige Bild- und Musikprojektionen über Wände, Pfeiler und die Wasserflächen der alten Bootsbecken – ein Format, das Kunstgeschichte eher inszeniert als erklärt, aber in diesem Raum eine Wirkung entfaltet, die kein normaler Museumssaal erreicht. Wenige Schritte entfernt behandelt die Cité du Vin denselben Stoff wie die Weingüter draußen, nur multimedial und wetterunabhängig.

Im Zentrum steht das CAPC, das Museum für zeitgenössische Kunst, im Entrepôt Lainé – einer Lagerhalle von 1824 für Kolonialwaren, deren Backsteinschiffe und Rundbögen bis heute den stärksten Eindruck des Besuchs ausmachen. Das Musée des Beaux-Arts in den Flügeln des Rathauspalais zeigt europäische Malerei vom 15. bis ins 20. Jahrhundert, das Musée des Arts décoratifs et du Design nebenan bespielt ein Stadtpalais des 18. Jahrhunderts mit Möbeln, Porzellan und Gegenwartsdesign. Alle drei liegen so nah beieinander, dass ein Regentag sie bequem verbindet.

Das Musée d'Aquitaine erzählt die Region von der Vorgeschichte bis heute und hat den Mut, den unangenehmsten Teil der Stadtgeschichte auszustellen – Bordeaux war einer der großen französischen Sklavenhandelshäfen, und dem Thema sind eigene Säle gewidmet. Wer den Handel lieber von der Weinseite betrachtet, findet im Musée du Vin et du Négoce in einem Kellergewölbe der Chartrons die Geschichte der Négociants, die diese Stadt reich gemacht haben. Und im Jardin Public sitzt das Muséum d'histoire naturelle, das mit Kindern zuverlässig funktioniert und danach direkt in den Park entlässt.

Für die Planung zählen zwei Dinge. Cité du Vin und Bassins des Lumières arbeiten mit Zeitfenstern, an Wochenenden und in den Ferien sind die guten Slots früh weg – buche online vor. Und der Weg zwischen den beiden Polen der Museumslandschaft ist Teil des Programms: Vom Musée d'Aquitaine im Zentrum bis zu den Bassins à Flot läufst du gut vierzig Minuten am Fluss entlang, mit der Tram bist du in einem Bruchteil dort. Wer Kunst außerhalb von Museen sucht, fährt ans rechte Ufer nach La Bastide, wo das Darwin-Areal in einer alten Kaserne Streetart, Skatepark und Kantine unter einem Dach versammelt.

Feste & Veranstaltungen

Feste und Veranstaltungen in Bordeaux im Jahreslauf

Der Bordelaiser Kalender hängt am Wein – die großen Termine liegen im Frühsommer an den Quais und im September zwischen Lese und Marathon.

Grand Théâtre
Grand Théâtre

Die größten Feste der Stadt spielen sich am Wasser ab, auf dem Uferstreifen zwischen Place des Quinconces und Chartrons. Bordeaux Fête le Vin reiht dort für einige Tage im Frühsommer die Pavillons der Appellationen aneinander, Zutritt zu den Verkostungen gibt ein Degustationspass mit Glas. Im Wechsel dazu hat die Stadt lange Bordeaux Fête le Fleuve gefeiert, das Fest des Flusses mit Großseglern am Kai und Feuerwerk über der Garonne. Der früher feste Zweijahresrhythmus ist zuletzt durcheinandergeraten, und es gibt Jahre ohne Ausgabe – prüfe den aktuellen Veranstaltungskalender der Stadt, bevor du eine Reise um eines der beiden Feste herum planst.

Der September ist der dichteste Monat. Anfang des Monats läuft der Marathon du Médoc mit Start und Ziel in Pauillac, ein Lauf quer durch die klassifizierten Lagen, bei dem Kostüm Pflicht ist und an den Verpflegungsstationen neben Wasser auch Wein ausgeschenkt wird; die Startplätze sind begehrt und lange im Voraus vergeben. Später im Monat ruft die Jurade in Saint-Émilion den Ban des Vendanges aus, den offiziellen Beginn der Lese, mit einem Umzug in roten Roben und der Proklamation von der Tour du Roi. Beide Termine verschieben sich von Jahr zu Jahr um einige Tage, liegen aber verlässlich im September.

Zwischen den Weinterminen läuft das städtische Programm weiter. Auf der Place des Quinconces steht zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst, die Foire aux Plaisirs, der Jahrmarkt der Stadt, den es dort seit 1854 gibt. Von Ende November bis kurz nach Weihnachten reihen sich die Buden des Marché de Noël auf den Allées de Tourny, ein paar Schritte vom Grand Théâtre entfernt. Das Grand Théâtre selbst spielt von Herbst bis Frühsommer die Saison der Opéra National de Bordeaux, und die Bassins des Lumières im U-Boot-Bunker wechseln ihre große Projektion im Jahresrhythmus.

Für die Planung folgt daraus dreierlei. Erstens ziehen die Zimmerpreise rund um die großen Termine deutlich an, und in den Weindörfern ist zur Lese ohnehin kaum etwas frei. Zweitens stehen fast alle Daten erst wenige Monate vorher fest – die verbindlichen Angaben bekommst du beim Office de Tourisme de Bordeaux Métropole und bei den Veranstaltern selbst. Und drittens sind die Wochen zwischen den Festen die angenehmsten für die Stadt an sich, weil dann weder die Quais abgesperrt noch die Bistros in Saint-Pierre auf Wochen ausgebucht sind.

Tagesausflüge

Tagesausflüge ab Bordeaux ans Meer und in die Weindörfer

Vom Bahnhof Saint-Jean erreichst du in einer knappen Stunde den Atlantik und in rund 40 Minuten das berühmteste Weindorf Europas.

Der naheliegendste Ausflug führt nach Arcachon, rund eine Zugstunde westlich. Der Ort lebt von zwei Dingen – dem mondänen Seebad des 19. Jahrhunderts mit der Ville d'Hiver, einem Villenviertel voller verspielter Holzarchitektur auf der Düne oberhalb der Stadt, und dem Bassin d'Arcachon, einer flachen Lagune, in der Austern gezüchtet werden. Wenige Kilometer südlich liegt die Dune du Pilat, mit über hundert Metern die höchste Wanderdüne Europas, die sich langsam landeinwärts über den Kiefernwald schiebt. Der Aufstieg ist kurz, aber im Sand anstrengend; oben stehst du zwischen Atlantik auf der einen und Wald auf der anderen Seite.

Rund um die Lagune lohnt sich der zweite Blick. Auf der Halbinsel Cap Ferret ziehen sich Austerndörfer wie L'Herbe und Le Canon am Wasser entlang, wo in bunten Holzhütten Austern mit Weißwein und Brot serviert werden und sonst wenig passiert. Vom Wasser aus fahren Boote zur Île aux Oiseaux mit den Cabanes tchanquées, zwei auf Stelzen stehenden Hütten, die auf jedem zweiten Foto der Region auftauchen. Ohne Auto ist die Halbinsel im Sommer per Fähre ab Arcachon erreichbar, außerhalb der Saison wird die Verbindung dünner – prüfe die Fahrpläne, bevor du losfährst.

Wer echte Brandung will, fährt an die offene Küste nach Lacanau-Océan oder Le Porge, beides gut eine Autostunde von Bordeaux entfernt und im Sommer per Bus erreichbar. Dort steht der Atlantik ungebremst vor kilometerlangem Sandstrand, entsprechend gut sind die Surfbedingungen und entsprechend ernst die Strömungen. Die sogenannten Baïnes, Rinnen zwischen den Sandbänken, erzeugen einen Sog, der Schwimmer in Minuten hinaustragen kann. Geh nur an bewachten Strandabschnitten ins Wasser, bleib zwischen den blauen Flaggen und nimm die Warnungen der Rettungsschwimmer ernst – das ist an dieser Küste kein Formalismus.

Landeinwärts stehen die Weindörfer. Saint-Émilion ist per Regionalzug in rund 40 Minuten erreichbar, Blaye an der Gironde lockt mit einer Zitadelle von Vauban, die als Teil des Vauban-Ensembles zum UNESCO-Welterbe gehört, und lässt sich mit einer Flussfahrt verbinden. Weiter weg, aber als lange Tagestour machbar, sind La Rochelle im Norden, das der Regional- beziehungsweise Intercités-Zug in gut zwei Stunden erreicht, und Bayonne oder Biarritz im Süden, knapp zwei Stunden mit dem TGV. Und wer zwei Tage übrig hat, fährt ostwärts ins Périgord nach Sarlat-la-Canéda, wo mittelalterliche Gassen, Trüffelmärkte und die Höhlen des Vézère-Tals ein komplett anderes Frankreich zeigen.

Anreise & vor Ort

Anreise nach Bordeaux und unterwegs mit Tram und Rad

Seit die Schnellfahrstrecke fertig ist, liegt Bordeaux gut zwei Zugstunden von Paris entfernt – und in der Stadt selbst brauchst du danach kein Auto mehr.

Aus Deutschland führen drei Wege hierher. Am schnellsten geht es per Flug nach Bordeaux-Mérignac rund zwölf Kilometer westlich der Stadt; Direktverbindungen ab mehreren deutschen Flughäfen gibt es, sie sind aber teils saisonal. Ins Zentrum fährst du seit der Verlängerung der Tramlinie A im Frühjahr 2023 direkt vom Terminal – die Endhaltestelle heißt Aéroport, bis zur Place Pey-Berland an der Kathedrale dauert es rund 35 Minuten, und es gilt ein normales Ticket des städtischen Nahverkehrsnetzes. Ein Taxi ist schneller, kostet aber ein Vielfaches. Mit der Bahn fährst du in aller Regel über Paris, wechselst dort zum Gare Montparnasse und sitzt von da an gut zwei Stunden im TGV bis Bordeaux Saint-Jean. Für den Bahnhofswechsel in Paris solltest du großzügig eine Stunde einplanen, mit Gepäck eher mehr.

Mit dem Auto sind es aus dem Rheinland grob 1.100 Kilometer, aus dem Süden Deutschlands entsprechend mehr, und der Weg führt über mautpflichtige Autobahnen; die Péage-Gebühren summieren sich auf der Strecke spürbar. Rund um Bordeaux liegt mit der Rocade ein Ring, der zu den Stoßzeiten zuverlässig steht, und in die Innenstadt fährst du besser gar nicht erst hinein. Erkundige dich vor der Fahrt außerdem nach der aktuellen Umweltzonenregelung der Metropole und der nötigen Crit'Air-Plakette, die du vorab online bestellen musst. Sinnvoller ist ohnehin, den Wagen an einem Parc Relais am Stadtrand abzustellen und mit der Tram weiterzufahren.

In der Stadt selbst erledigt die Straßenbahn fast alles. Vier Linien durchziehen Bordeaux, und im historischen Kern fahren sie ohne Oberleitung, weil der Strom dort aus einer Schiene im Boden kommt – eine Lösung, die eigens entwickelt wurde, um das Welterbe-Stadtbild nicht mit Fahrdraht zu überziehen. Tickets gelten im gesamten Netz aus Tram, Bus und den Flussshuttles über die Garonne und werden beim Einsteigen entwertet. Dazu kommt ein städtisches Leihradsystem mit Stationen in allen zentralen Vierteln; die Uferwege sind durchgehend befahrbar, und der Weg vom Zentrum zur Cité du Vin ist mit dem Rad die angenehmste Variante.

Zu Fuß bist du trotzdem am schnellsten unterwegs. Vom Bahnhof Saint-Jean ins Zentrum läufst du gut eine halbe Stunde oder nimmst die Tram für ein paar Minuten, und innerhalb des Welterbe-Gebiets liegt kaum ein Ziel weiter als zwanzig Gehminuten vom nächsten entfernt. Zwei Kleinigkeiten erleichtern den Aufenthalt: Die Straßenbahnen sind sehr leise, und die Gleise queren an mehreren Stellen Fußgängerzonen, in denen man sie nicht erwartet – beim Fotografieren also kurz aufsehen. Und die Quais sind abends voller Läufer, Radfahrer und Skater, was den Uferweg zur besten Verbindung zwischen Chartrons, Bourse und Saint-Michel macht.

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Stadtviertel

Die Stadtviertel von Bordeaux – und welches zu dir passt

Saint-PierreSaint-PierreDas mittelalterliche Herz der Stadt zwischen Place de la Bourse und Porte Cailhau, ein Geflecht enger Gassen mit kleinen Plätzen, Bistros und Weinbars. Abends ist hier der lauteste und lebendigste Teil von Bordeaux, tagsüber der kürzeste Weg zu fast allem.Ideal für: Altstadt & Ausgehen1 TagTriangle d'OrTriangle d'OrZwischen Grand Théâtre, Allées de Tourny und Cours de l'Intendance zeigt Bordeaux seine repräsentative Seite mit klassizistischen Stadtpalais, Luxusboutiquen und den bekanntesten Hotels der Stadt. Von hier sind es fünf Minuten zum Fluss und zehn zur Kathedrale.Ideal für: Erste Übernachtung½–1 TagSaint-MichelSaint-MichelRund um die gotische Basilika mit ihrem freistehenden Turm liegt das vielfältigste Viertel der Innenstadt, mit Flohmarkt auf dem Kirchplatz, dem überdachten Marché des Capucins und Läden aus halb Südeuropa und Nordafrika. Vormittags gehört es dem Markt, abends den Tapasbars.Ideal für: Märkte & Alltag½ TagChartronsChartronsIm alten Weinhändlerviertel am Fluss stecken hinter den hohen Toren der ehemaligen Lagerhäuser heute Antiquitätengeschäfte, Galerien und Concept Stores. Sonntagvormittags zieht sich der Markt am Quai entlang, und die Rue Notre-Dame ist die Antiquitätenmeile der Stadt.Ideal für: Bummeln & Weinbars½ TagBassins à FlotBassins à FlotDas ehemalige Hafen- und Werftgelände nördlich von Chartrons ist Bordeaux' jüngstes Viertel. Rund um die alten Hafenbecken und den U-Boot-Bunker der Kriegsmarine stehen mit der Cité du Vin und den Bassins des Lumières zwei der meistbesuchten Adressen der Stadt.Ideal für: Wein & digitale Kunst½ TagLa BastideLa BastideDas einzige Viertel am rechten Garonne-Ufer liefert den besten Blick auf die gesamte Welterbe-Front, dazu einen modernen Jardin Botanique am Wasser und mit dem Darwin-Areal in einer alten Kaserne einen alternativen Komplex aus Streetart, Skatepark und Kantine.Ideal für: Aussicht & Alternatives½ Tag
Beste Reisezeit & Wetter

Beste Reisezeit für Bordeaux mit Wetter und Weinlese im Jahreslauf

Bordeaux liegt nah genug am Atlantik für milde Winter und weit genug im Süden für Sommertage jenseits der 30 Grad.

Das Klima in Bordeaux ist ozeanisch mit deutlichem Südwest-Einschlag. Die Winter bleiben mild, Frost ist möglich, aber selten von Dauer, und Schnee bleibt kaum je liegen. Ab April wird es rasch angenehm, der Sommer bringt heiße, trockene Wochen mit Spitzen über 35 Grad, in denen sich die Stadt zwischen den Steinfassaden aufheizt, und der Herbst zieht sich lang und warm bis in den Oktober. Der meiste Regen fällt zwischen Oktober und Februar, meist in Schauern statt als Dauerregen. Für die Reiseplanung zählt neben dem Thermometer der Weinkalender – während der Lese im September und Oktober arbeiten die Güter, und viele Besucherprogramme pausieren dann.

Jan10°3°mild und nass, Museumswetter
Feb11°3°kühl, günstigste Zimmerpreise
Mär15°5°erste Terrassentage, wechselhaft
Apr17°7°grüne Rebzeilen, gute Wanderzeit
Mai21°11°lange Abende, Miroir d'eau läuft
Jun24°14°warm, Quaifeste je nach Jahr
Jul27°16°heiß, Hochsaison an der Küste
Aug27°16°schwül, viele Betriebe im Urlaub
Sep24°13°Weinlese, Marathon du Médoc
Okt19°10°goldenes Licht in den Weinbergen
Nov14°6°regenreich, Zeit für Museen
Dez11°4°mild, Weihnachtsmarkt an den Allées

Beste Reisezeit · Balken = Tageshöchstwert

Die beste Reisezeit für Bordeaux sind Mai und Juni sowie September und Oktober. Dann liegen die Höchstwerte zwischen 19 und 24 Grad, die Stadt lässt sich auch mittags zu Fuß erschließen, der Miroir d'eau ist in Betrieb, und in den Weinbergen passiert etwas – im Frühsommer blühen und wachsen die Reben, im September und Oktober wird gelesen. Juli und August sind heiß und teuer, dafür ist es die Zeit für Tage am Atlantik. Von November bis Februar reist du am günstigsten und bekommst eine ruhige, regnerische Stadt mit vollen Museen und leeren Bistrotischen.

Gut zu wissen

Häufige Fragen zu Bordeaux

Wie viele Tage sollte man für Bordeaux einplanen?
Zwei Tage reichen für die Stadt selbst, also Welterbe-Zentrum, Miroir d'eau, Markthalle, Chartrons und die Cité du Vin. Wer das Weinland dazunehmen will, plant einen dritten Tag für Saint-Émilion oder eine geführte Tour ins Médoc ein. Mit vier Tagen passt zusätzlich ein Ausflug nach Arcachon und zur Dune du Pilat hinein.
Läuft der Miroir d'eau das ganze Jahr über?
Nein. Der Wasserspiegel vor der Place de la Bourse wird in der wärmeren Jahreshälfte betrieben und im Winter üblicherweise abgestellt und gewartet. Wenn er läuft, wechseln sich Spiegelphase, Leerlauf und Nebel in kurzen Zyklen ab – warte einen kompletten Durchgang ab, statt nach zwei Minuten weiterzugehen.
Kann man das Médoc ohne Auto besuchen?
Nur eingeschränkt auf eigene Faust, denn die klassifizierten Güter liegen verstreut entlang der D2 und sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum sinnvoll zu erreichen. Am einfachsten buchst du eine geführte Halbtages- oder Tagestour ab Bordeaux, bei der die Termine bereits stehen. Saint-Émilion dagegen erreichst du bequem mit dem Regionalzug.
Muss man Weingutbesuche vorab buchen?
In den allermeisten Fällen ja. Die bekannten Châteaux empfangen ausschließlich nach Terminvereinbarung, oft Wochen im Voraus, und viele öffnen am Wochenende gar nicht. Während der Weinlese im September und Oktober pausieren zahlreiche Besucherprogramme komplett. Spontane Verkostungen findest du eher in den Weinbars der Stadt oder in der Cité du Vin.
Wie kommt man vom Bahnhof Saint-Émilion ins Dorf?
Der Bahnhof liegt unterhalb des Ortes, es bleibt also ein Fußweg von rund anderthalb Kilometern bergauf, gut zwanzig Minuten, teils an der Straße entlang. Mit Kindern, Gepäck oder bei Hitze ist das unangenehm – dann lohnt sich eine organisierte Tour ab Bordeaux, die direkt im Dorf hält, oder ein Taxi ab dem Bahnhof.
In welchem Viertel wohnt man in Bordeaux am besten?
Das Triangle d'Or bietet die repräsentativsten Häuser bei kurzen Wegen, Saint-Pierre die Altstadtatmosphäre inklusive Terrassenlärm bis spät. Chartrons ist die ruhigere, kreative Alternative mit einer Viertelstunde Fußweg ins Zentrum. Wer mit dem Zug kommt und wenig laufen will, findet auch rund um den Bahnhof Saint-Jean Hotels, allerdings ohne Altstadtflair.
Braucht man in Bordeaux ein Auto?
In der Stadt nicht. Das Zentrum ist weitgehend verkehrsberuhigt, vier Tramlinien decken alles ab, und zu Fuß liegt kaum ein Ziel mehr als zwanzig Minuten auseinander. Ein Mietwagen lohnt nur für das Weinland und die Küste – und selbst dann ist die Kombination aus Parc Relais am Stadtrand und Tram bequemer als die Suche nach einem Parkplatz in der Altstadt.
Was isst man in Bordeaux typischerweise?
Die Entrecôte à la bordelaise, über Rebholz gegrillt und mit Rotwein-Schalotten-Sauce und Rindermark serviert, dazu Lamm aus Pauillac und im Frühjahr Neunauge in Rotwein. Austern aus dem Bassin d'Arcachon kommen klassisch mit kleinen warmen Würstchen, den Crépinettes. Zum Kaffee gehört der Canelé mit karamellisierter Kruste und weichem Kern.
Lohnt sich die Cité du Vin auch für Wenig-Weintrinker?
Ja, weil das Museum weniger über Geschmack als über Kulturgeschichte, Handel, Geografie und Handwerk erzählt und dabei stark auf Medien und Mitmachstationen setzt. Der eigentliche Höhepunkt ist für viele die oberste Ebene mit Rundblick über Fluss und Stadt. Bei Regen ist das Haus ohnehin eine der besten Adressen der Stadt.
Was kann man in Bordeaux bei Regen machen?
Die Museumsdichte im Zentrum ist hoch – Musée d'Aquitaine, Musée des Beaux-Arts, CAPC im alten Kolonialwarenlager und das Museum für Kunstgewerbe und Design liegen wenige Gehminuten auseinander. Im Norden füllen Cité du Vin und die Lichtprojektionen im U-Boot-Bunker locker einen halben Tag. Dazu Markthallen, Weinbars und die überdachten Passagen im Triangle d'Or.
Ist Bordeaux mit Kindern eine gute Idee?
Durchaus. Der Miroir d'eau ist im Sommer eine Freiluft-Wasserspielfläche, im Jardin Public gibt es Spielplätze, ein Karussell, das Puppentheater Guignol Guérin und das Naturkundemuseum, und die Lichtprojektionen im U-Boot-Bunker funktionieren auch ohne Vorkenntnisse. Für ältere Kinder sind der Turmaufstieg auf die Tour Pey-Berland und das Darwin-Areal mit Skatepark am rechten Ufer interessant.
Ist Bordeaux teuer?
Für französische Verhältnisse mittleres bis gehobenes Großstadtniveau, bei Hotels spürbar über dem Landesdurchschnitt. Den größten Unterschied macht der Zeitpunkt – zur Weinlese im September, zu großen Veranstaltungen und in der Adventszeit ziehen die Preise deutlich an, während du von November bis Februar unter der Woche sehr günstig wohnst. Mittags fährst du mit dem Menü formule fast überall günstiger als abends.
Kann man von Bordeaux aus an den Atlantik fahren?
Ja, und zwar an einem halben Tag. Arcachon liegt eine knappe Zugstunde entfernt, von dort erreichst du die Dune du Pilat und das Austernbecken. Lacanau-Océan und Le Porge sind die Surfstrände mit offener Brandung. Wichtig ist an dieser Küste, nur an bewachten Abschnitten zwischen den Flaggen zu schwimmen, weil die Strömungen zwischen den Sandbänken gefährlich werden können.

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BordeauxKurz nach Sonnenaufgang kommt das Licht flach über die Garonne herein, die ganze nach Osten gewandte Kalksteinfront am Quai leuchtet auf, und im Wasserfilm des Miroir d'eau steht die Place de la Bourse kopfüber ein zweites Mal.

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