Bayonne liegt dort, wo die Nive in den breiten Adour mündet, nur wenige Kilometer vom Atlantik entfernt – und doch eine ganz andere Welt als das mondäne Biarritz nebenan. Wer durch die Stadt geht, läuft an schmalen Bürgerhäusern entlang, deren Holzbalken in tiefem Baskenrot, Grün und Blau gestrichen sind, an Markthallen, über deren Theken die baskische Sprache klingt, und unter den Zwillingstürmen der gotischen Kathedrale Sainte-Marie hindurch, die seit dem 13. Jahrhundert über die Dächer ragen. Die Altstadt teilt sich beiderseits der Nive in Grand Bayonne und Petit Bayonne. Im einen liegt das Herz mit Kathedrale, Kreuzgang und den engen Einkaufsgassen, im anderen die studentisch-lebendige Seite mit Bars, dem baskischen Museum und nächtlichem Treiben. Umschlossen wird alles von den mächtigen Festungswällen, die der Festungsbaumeister Vauban im 17. Jahrhundert anlegte und die heute zu schattigen Spazierwegen geworden sind. Bayonne ist eine Stadt für Genießer. Hier reift der luftgetrocknete Jambon de Bayonne, der dem rohen Schinken seinen Namen gab. Hier kam im 17. Jahrhundert die Schokolade nach Frankreich, gebracht von vertriebenen jüdischen Familien aus der Iberischen Halbinsel – noch heute ist die Stadt für ihre Chocolatiers berühmt, und ein heißer Schokoladentrunk gehört zum Ritual. Dazu Gâteau Basque, Macarons und scharfe Piment d'Espelette aus dem nahen Hinterland. Einmal im Jahr, in den ersten Augusttagen, verwandeln die Fêtes de Bayonne die ganze Stadt in ein Meer aus Weiß und Rot: Hunderttausende strömen in weißer Kleidung mit rotem Halstuch zusammen, es wird getanzt, gesungen und gefeiert, bis die Wälle beben. Wer das Baskenland abseits der Strände sucht – ehrlicher, würziger, schattiger – findet es in Bayonne.



