◆ STADT · NEUAQUITANIEN
Sarlat ist keine Stadt, die man durcheilt – sie ist eine, in der man langsamer wird. In den Gassen des Périgord Noir reihen sich gotische Stadtpaläste, Renaissance-Erker und steile Lauzes-Dächer so dicht aneinander, dass kaum ein modernes Detail die Kulisse stört. Dass dieses Bild überhaupt existiert, verdankt Sarlat einem Gesetz: 1962 wurde die verfallende Altstadt zum ersten Modellfall des Loi Malraux und Stein für Stein zurückgeholt. Heute trägt die Stadt die dichteste Konzentration denkmalgeschützter Bauten Frankreichs. Über der Place de la Liberté wacht die Cathédrale Saint-Sacerdos, am Samstag quillt der Markt über vor Walnüssen, Foie gras und – im Winter – schwarzen Trüffeln. Und sobald die Sonne tief steht, beginnt der goldene Kalkstein zu leuchten, als hätte ihn jemand von innen entzündet.
Sarlats Geschichte beginnt mit einer Abtei. Um eine benediktinische Gründung des 9. Jahrhunderts wuchs eine Marktstadt heran, die im Mittelalter zum geistlichen und wirtschaftlichen Zentrum des Périgord Noir wurde. Der Hundertjährige Krieg ließ Sarlat nach 1453 als Belohnung für seine Treue zur französischen Krone aufblühen – aus dieser Zeit stammen die prächtigen Stadthäuser, die hôtels particuliers, deren Fassaden den neu gewonnenen Wohlstand des Adels und der Kaufleute zeigten. Das berühmteste ist das Maison de La Boétie, 1525 erbaut und Geburtshaus von Étienne de La Boétie, jenem Humanisten und Freund Michel de Montaignes, dessen Freundschaft in die Literaturgeschichte einging.
Mit den Jahrhunderten verlor die abseits gelegene Stadt an Bedeutung – und das wurde, paradoxerweise, ihr Glück. Während andere Orte ihre Altstädte abrissen und überbauten, blieb Sarlats mittelalterlicher Kern beinahe unberührt, nur eben verfallend. 1962 wählte der Kulturminister André Malraux genau diese Stadt zum ersten Pilotprojekt seines neuen Denkmalschutzgesetzes. Über Jahre wurden Dächer, Fassaden und ganze Gassen restauriert; eine breite Schneise, die im 19. Jahrhundert als „La Traverse“ durch den Ort geschlagen worden war, teilt die Altstadt bis heute in eine östliche und eine westliche Hälfte.
Heute lebt Sarlat von dem, was es bewahrt hat. Das Doppelnamige – „la Canéda“ kam erst 1965 dazu, als die Stadt mit dem südlichen Nachbardorf samt Bahnhof fusionierte – verrät die zweigeteilte Identität: oben die Postkarten-Altstadt, unten das gewachsene Périgord-Dorf. travelperfect empfiehlt, früh oder spät durch die Gassen zu gehen, wenn die Reisebusse fort sind, sich am Samstag in den Markttrubel zu stürzen und Sarlat als das zu nehmen, was es ist: das Tor zum Tal der Dordogne mit seinen Burgen, Höhlen und Gärten.
01 · Auf einen Blick
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· Aktivitäten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Die goldene Altstadt
Von der Place de la Liberté über die Cathédrale Saint-Sacerdos und ihren rätselhaften Friedhofsturm, die Lanterne des Morts, bis zum Renaissance-Maison de La Boétie. In den Gassen reihen sich gotische und Renaissance-Stadtpaläste; im Manoir de Gisson lässt sich das Innere eines solchen hôtel particulier besichtigen. Am schönsten am frühen Morgen oder in der blauen Stunde.
Markt & Périgord-Küche
Sarlat ist die kulinarische Hauptstadt des Périgord. Der Samstagsmarkt rund um die Place de la Liberté gehört zu den schönsten Frankreichs; im Winter handelt man hier die schwarze Trüffel Tuber melanosporum. Dazu Entenconfit, pommes sarladaises in Entenfett gebraten, Walnussöl und die Weine von Bergerac und Cahors aus der Nachbarschaft.
Das Tal der Burgen
Sarlat ist das Tor zu einem der burgenreichsten Täler Europas. Wenige Kilometer südlich thronen die feindlichen Brüder Beynac und Castelnaud über der Dordogne, dazwischen klebt La Roque-Gageac an der Felswand. Die hängenden Gärten von Marqueyssac und das Bastide-Städtchen Domme krönen die Aussichtsbalkone – alles in einer Tagestour erreichbar.
Vorgeschichte & Fluss
Das Tal der Vézère mit Lascaux und den Felsdächern von Les Eyzies, dem „Welthauptstadt der Vorgeschichte“, liegt eine knappe Stunde entfernt. Wer es ruhiger mag, gleitet im Kanu oder auf einer traditionellen Gabarre, dem flachen Flusskahn der Dordogne, an den Burgen vorbei – die entspannteste Art, die Landschaft zu sehen.
03 · Wann
Das Périgord hat ein mildes, gemäßigtes Klima mit warmen Sommern und kühlen, feuchten Wintern – fern von Mittelmeerhitze und Atlantiksturm. Frühling und Herbst sind die schönsten Reisezeiten: dann ist das Land grün oder golden, die Gassen leerer und die Märkte voll. Der Hochsommer bringt Sonne und Trubel zugleich, der Winter dafür die Trüffel und eine Stadt fast für sich allein.
04 · Häufige Fragen
Das Herz der Altstadt bilden die Cathédrale Saint-Sacerdos, das Renaissance-Maison de La Boétie und die rätselhafte Lanterne des Morts hinter der Kirche. Sehenswert sind außerdem der begehbare Manoir de Gisson, die Place de la Liberté mit ihrem Samstagsmarkt und die Stadtpaläste entlang der Rue des Consuls. Wenige Kilometer weiter krönen die Burgen Beynac und Castelnaud sowie die hängenden Gärten von Marqueyssac das Dordogne-Tal.
Für die Altstadt selbst reicht ein voller Tag, am besten mit einem Samstagvormittag für den Markt. Da Sarlat aber das ideale Tor zum Dordogne-Tal ist, lohnt sich ein Aufenthalt von drei bis vier Tagen: einen für die Stadt, die übrigen für die Burgen Beynac und Castelnaud, La Roque-Gageac, die Gärten von Marqueyssac und einen Abstecher zur Vézère mit Lascaux.
Der große Wochenmarkt findet samstagvormittags rund um die Place de la Liberté und in den umliegenden Gassen statt und gilt als einer der schönsten Frankreichs. Mittwochs gibt es einen kleineren Markt. Von Dezember bis Februar kommt samstags der Trüffelmarkt dazu, auf dem die schwarze Périgord-Trüffel gehandelt wird.
Sarlat hat einen Bahnhof am Ende einer Stichstrecke ab Bordeaux beziehungsweise Bergerac; größere Umstiegspunkte sind Brive-la-Gaillarde und Souillac. Für die Stadt selbst braucht man kein Auto, sie ist autofrei und klein. Für die Burgen, Gärten und Höhlen im Umland ist ein Mietwagen allerdings fast unverzichtbar, da der öffentliche Verkehr dünn ist.
Die Périgord-Klassiker: Foie gras (Gänse- oder Entenstopfleber), confit de canard (Entenconfit), magret de canard (Entenbrust) und pommes sarladaises, in Entenfett mit Knoblauch und Petersilie gebratene Kartoffeln. Dazu Walnüsse und Walnussöl, Ziegenkäse und im Winter die schwarze Trüffel. Begleitet wird das von Weinen aus dem nahen Bergerac und Cahors.
Sehr. Im Frühling und Herbst zeigt sich die Stadt von ihrer schönsten Seite – mildes Wetter, goldenes Licht und deutlich weniger Andrang als im Juli und August. Der Winter ist ruhig und kühl, hat aber mit den Trüffelmärkten einen ganz eigenen Reiz für Genießer, die die Altstadt fast für sich haben.
05 · In der Nähe
Sagen Sie uns, worauf Sie Lust haben — wir planen Ihre Tage in Sarlat und im Dordogne-Tal.
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