Die Cappella di San Brizio, auch Cappella Nuova genannt, liegt im rechten Querschiff des Doms von Orvieto und gehört zu den bedeutendsten Freskenräumen der italienischen Renaissance. Was hier auf engem Raum versammelt ist, zählt zu den ehrgeizigsten Bildprogrammen seiner Zeit und zog über Jahrhunderte Künstler und Kunstkenner an. Begonnen wurde der Zyklus von Fra Angelico, der um die Mitte des 15. Jahrhunderts erste Teile des Gewölbes ausmalte. Vollendet wurde das Werk jedoch zwischen 1499 und 1504 von Luca Signorelli, der den Wänden ihre eigentliche Wucht verlieh. Sein Thema ist das Ende der Zeiten: die Predigt und der Sturz des Antichrist, die Auferstehung des Fleisches, die Verdammten und die Seligen, Himmel und Hölle. Die Darstellungen zeigen kraftvolle, muskulöse Körper in dramatischer Bewegung und gelten als Vorgriff auf das, was Michelangelo wenig später in der Sixtinischen Kapelle schuf. Besonders bekannt ist die Szene der Auferstehung des Fleisches, in der nackte Gestalten sich aus dem Boden erheben, sowie die drängende Komposition der Verdammten, in der sich Körper zu einem dichten Knäuel verflechten. Signorelli verarbeitete in einem der Bilder vermutlich auch eigene Bildnisse und das des Fra Angelico, sodass die Maler selbst Teil des Werks wurden. Die Kapelle ist Teil des Doms, wird aber meist über ein gesondertes Ticket erschlossen, das den Schutz der empfindlichen Fresken berücksichtigt. Wer die Mosaikfassade des Doms bereits von außen bewundert hat, findet hier das ebenso bedeutende Gegenstück im Inneren. Der Besuch lohnt sich für alle, die sich für Renaissancemalerei interessieren, und lässt sich gut mit dem benachbarten Museo Claudio Faina verbinden.
In dem vergleichsweise kompakten Raum umgeben dich Signorellis großflächige Fresken zum Ende der Zeiten: der Sturz des Antichrist, die Auferstehung des Fleisches, Himmel und Hölle. Die muskulösen, bewegten Figuren wirken aus nächster Nähe besonders eindringlich. Plane Zeit ein, um Details und die mutmaßlichen Selbstbildnisse der Maler zu entdecken.
Den Freskenzyklus begann Fra Angelico um 1447 mit zwei Gewölbefeldern, bevor er Orvieto verließ. Erst zwischen 1499 und 1504 vollendete Luca Signorelli das Werk an den Wänden. Sein Zyklus zum Jüngsten Gericht wurde zu einem Bezugspunkt der Renaissance und beeinflusste nachweislich Michelangelo.
