Wer Meran wirklich verstehen will, sollte früh morgens durch Obermais spazieren, wenn der Morgendunst noch über den Rebzeilen liegt und die Fassaden der historischen Villen im sanften Licht der Alpensonne leuchten. Dieser Stadtteil im Osten Merans ist kein touristisches Schaufenster, sondern ein lebendiges Zeugnis der k.u.k.-Kurkultur, die Meran einst zu einem der begehrtesten Erholungsorte Europas machte. Entlang der Promenaden und in den weitläufigen Gartenanlagen spürt man noch heute die Epoche, in der Kaiserin Elisabeth – Sisi – hier zur Kur weilte und damit den Ansturm des europäischen Adels auslöste.
Das Ortsbild von Obermais wird geprägt von stattlichen Jugendstilvillen und neoklassizistischen Herrenhäusern, die hinter alten Zypressen und Magnolien hervorlugen. Der Tappeinerweg, einer der bekanntesten Höhenwege Südtirols, beginnt in der Nähe und bietet einen spektakulären Blick über die Meraner Talmulde und die umliegenden Weinberge. Wer ihn abends geht, wenn die Lichter der Stadt aufflackern und die Texelgruppe in der Ferne dunkelblau wird, versteht, warum Obermais seit Generationen Menschen anzieht, die Schönheit und Stille suchen.
Die Pfarrkirche St. Nikolaus in Obermais ist ein markanter Orientierungspunkt im Viertel – ihr romanischer Kern und die spätgotischen Erweiterungen erzählen von einer Siedlungsgeschichte, die weit vor den Kurzeiten liegt. Rund um die Kirche gruppieren sich kleine Plätze und ruhige Gassen, in denen Weinbars und Gasthöfe zum Innehalten einladen, ohne dabei auf Touristen ausgerichtet zu wirken.
Für Naturliebhaber ist die Lage von Obermais besonders reizvoll: Die Waalwege, alte Bewässerungskanäle entlang der Hänge, führen durch Apfelobstgärten und Weinberge direkt aus dem Viertel hinaus in die umliegende Kulturlandschaft. Im Frühling, wenn die Apfelbäume blühen und der Vinschgauer Sonnenhang in Rosa und Weiß getaucht ist, gehört Obermais zu den schönsten Ecken ganz Südtirols. Wer hier übernachtet, wählt die ruhigere, elegantere Alternative zur belebten Meraner Innenstadt – und ist dennoch in wenigen Gehminuten auf der Kurpromenade.

Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff
Die botanischen Gärten von Schloss Trauttmansdorff vereinen auf rund 12 Hektar über 80 Gartenlandschaften rund um das Kurschloss von Kaiserin Elisabeth, ergänzt vom Touriseum im Schloss.
Über 80 Gartenlandschaften auf rund 12 Hektar