Wer Bosa wirklich verstehen will, muss Sa Costa besuchen – und das am besten früh am Morgen, wenn die ersten Sonnenstrahlen die pastellfarbenen Fassaden der alten Gerberhäuser am Temo in warmes Licht tauchen. Dieses Viertel ist kein Freilichtmuseum, sondern gelebte Geschichte: Wäsche flattert zwischen den Fenstern, Großmütter sitzen auf Steinstufen, und aus geöffneten Türen dringt der Duft von frisch gebackenem Pane carasau. Sa Costa schmiegt sich an den Hügel unterhalb der Burg Malaspina und zieht sich in engen, steilen Gassen hinab zum Fluss Temo – dem einzigen schiffbaren Fluss Sardiniens. Die Häuser hier sind dicht gedrängt, ihre Wände in Ockergelb, Terrakotta und verblasstem Blau gehalten. Viele dieser Gebäude gehen auf das Mittelalter zurück, als Bosa eine bedeutende Handelsstadt war. Noch heute erkennt man an den Fassaden der alten Conciarie – der ehemaligen Gerbereien direkt am Flussufer – die wirtschaftliche Vergangenheit des Viertels. Das Herzstück von Sa Costa ist die Kirche Nostra Signora de Sos Regnos Altos innerhalb der Burganlage, die mit bemerkenswerten mittelalterlichen Fresken aufwartet. Der Aufstieg durch die Gassen lohnt sich allein schon für den Blick über die Dächer von Bosa und den mäandernden Temo. Wer Zeit mitbringt, folgt dem Kopfsteinpflaster und entdeckt kleine Ateliers lokaler Kunsthandwerker, die Filigranschmuck und Spitzenarbeiten in sardischer Tradition fertigen. Sa Costa ist kein Viertel für Hektiker. Es entfaltet seinen Charakter langsam: in einem Gespräch mit einem Einheimischen, beim Blick auf die Burg von einer der kleinen Aussichtsterrassen oder beim Schluck Malvasia di Bosa – dem goldgelben Dessertwein, der in dieser Region seit Jahrhunderten gekeltert wird.

Castello Malaspina
Das Castello Malaspina aus dem 12. Jahrhundert thront über Bosa und bietet den schönsten Blick über die Pastell-Altstadt, den Temo und das Meer – mit gotischen Fresken in der Burgkapelle.
Burg aus dem 12. Jahrhundert der Familie Malaspina