Wer Sorrent kennenlernen möchte, ohne sich von der touristischen Promenade der Piazza Tasso treiben zu lassen, findet in Marina Piccola einen anderen Rhythmus. Der kleine Hafen liegt unterhalb der Steilklippen, auf denen die Altstadt thront, und schon die Anfahrt – ob über die gewundene Via Marina Piccola oder per Aufzug von der Piazza Lauro – macht deutlich, dass man hier eine andere Welt betritt.
Am Kai liegen Fischerboote neben Fähren, die nach Capri, Ischia und Positano ablegen. Früh morgens, wenn die Fährterminals noch ruhig sind, gehört der Hafen den Einheimischen: Männer flicken Netze, Möwen kreisen über den Katamaranen, und der Geruch von frisch gebrühtem Kaffee aus den kleinen Bar-Kiosken mischt sich mit Salzluft. Diese Stunde ist es, die Marina Piccola von den meisten Postkartenmotiven unterscheidet.
Das Viertel selbst ist kompakt. Entlang der Uferstraße reihen sich Restaurants und Bars, deren Terrassen direkt über dem Wasser hängen. Wer einen Tisch am Abend ergattern möchte, wenn das Licht des Golfs von Neapel orange wird und der Vesuv als dunkle Silhouette am Horizont erscheint, sollte früh reservieren. Die Küche orientiert sich konsequent am Tagesfang: Seebarsch, Tintenfisch und die berühmten Sorrenter Garnelen stehen auf den Tafeln vor den Lokalen.
Für Reisende, die weiterreisen wollen, ist Marina Piccola der logische Startpunkt. Von hier legen die Schnellfähren zu den Inseln ab, und auch die Verbindungen entlang der Amalfiküste sind von diesem Hafen aus gut erreichbar. Wer hingegen bleibt, kann von den felsigen Badeplattformen direkt ins Meer springen – ein einfaches, aber unvergessliches Vergnügen an einem heißen Julitag. Hotels in Marina Piccola bieten den Vorteil kurzer Wege zu Fähren und Strand, auch wenn der Aufstieg in die Altstadt Kondition erfordert.
