Wer Sorrent kennt und nach mehr sucht, findet es in Capo di Sorrento. Dieser westliche Ausläufer der Halbinsel liegt nur wenige Kilometer vom Trubel der Piazza Tasso entfernt, fühlt sich aber an wie eine andere Welt. Hier enden die Straßen an Olivenhainen und Zitronengärten, die Luft riecht nach Blüten und Salzwasser, und der Verkehr löst sich in Stille auf.
Das Herzstück des Viertels ist die archäologische Stätte der Villa di Pollio Felice, ein gut erhaltenes römisches Landgut direkt am Fels. Die Anlage aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. erstreckt sich über Terrassen bis ans Meer und gibt einen konkreten Eindruck davon, wie die römische Oberschicht einst die Küste der Bucht von Neapel für sich beanspruchte. Wer die Treppenpfade hinuntersteigt, landet am natürlichen Felsbecken der Bagni della Regina Giovanna – einem der schönsten Badeplätze der gesamten Sorrentiner Küste. Das türkisfarbene Wasser liegt geschützt zwischen Felswänden, der Zugang ist kostenlos, und an Wochentagen hält sich der Andrang in Grenzen.
Das Viertel selbst ist kein touristisches Zentrum, sondern ein durchmischtes Wohngebiet mit Villen aus dem 19. Jahrhundert, modernen Ferienwohnungen und vereinzelten Agrarbetrieben. Entlang der Via Capo, der Hauptstraße, reihen sich Hotels unterschiedlicher Kategorien, von schlichten Pensionen bis zu Häusern mit Meerblick-Pools. Die Lage ist strategisch günstig: Der Stadtkern Sorrents ist zu Fuß oder per Bus erreichbar, gleichzeitig bietet Capo di Sorrento die Ruhe, die im Zentrum fehlt.
Für Wanderer erschließt sich das Viertel auf dem Küstenpfad, der durch Macchia-Vegetation und an alten Wachtürmen vorbeiführt. Der Blick auf den Vesuv und die Bucht von Neapel ist von hier aus besonders eindrücklich – vor allem in den frühen Morgenstunden, wenn das Licht flach über das Wasser fällt und der Berg scharf am Horizont steht. Capo di Sorrento spricht all jene an, die Kampanien nicht nur konsumieren, sondern wirklich erleben wollen.

Bagni della Regina Giovanna
An der Spitze des Capo di Sorrento liegen die Reste einer römischen Meeresvilla aus dem 1. Jahrhundert – und ein fast kreisrundes Naturbecken, das durch einen Felsbogen mit dem offenen Meer verbunden ist.
Reste einer römischen Meeresvilla aus dem 1. Jahrhundert