Am Vieux Bassin spiegeln sich die hohen, schmalen Schieferhäuser im stillen Wasser des alten Hafenbeckens. Boote schaukeln vor den Fassaden, Cafés und Galerien reihen sich am Kai, und über dem Ensemble liegt jenes weiche, wechselhafte Licht, das Honfleur weltberühmt gemacht hat. Der kleine Hafenort an der Seinemündung, dort wo der Fluss in den Ärmelkanal übergeht, ist eines der malerischsten Ziele der Normandie. Wenige Schritte vom Hafen erhebt sich die Église Sainte-Catherine, die größte Holzkirche Frankreichs. Schiffsbaumeister errichteten sie nach dem Hundertjährigen Krieg ganz aus Eichenholz; ihr Inneres erinnert an einen umgedrehten Schiffsrumpf, und der freistehende hölzerne Glockenturm steht ihr gegenüber auf dem Platz. Honfleur ist untrennbar mit der Kunstgeschichte verbunden. Der hier geborene Eugène Boudin – einer der ersten Maler, die unter freiem Himmel arbeiteten – brachte dem jungen Claude Monet das Malen der Atmosphäre bei. In der Ferme Saint-Siméon trafen sich die Künstler, die später den Impressionismus prägten. Das Musée Eugène Boudin bewahrt bis heute Werke dieser Generation. Durch die kopfsteingepflasterten Gassen rund um den Hafen entdeckt man Kunsthandwerk, Crêperien und Stände mit Meeresfrüchten. Honfleur lässt sich gut mit einem Besuch der normannischen Küste verbinden – die mondänen Seebäder Deauville und Trouville liegen jenseits der eleganten Pont de Normandie, die sich in weitem Bogen über die Seinemündung spannt. Wer hier verweilt, sollte sich Zeit für die blaue Stunde nehmen, wenn sich der Himmel über dem Vieux Bassin verfärbt und die Stadt ihre ganze maritime Poesie entfaltet.





