Caen ist eine Stadt, die zweimal gebaut wurde. Im 11. Jahrhundert machte Wilhelm der Eroberer sie zu seiner Residenz und ließ über der Stadt eine der größten mittelalterlichen Festungen Europas errichten, deren Mauern noch heute das Zentrum überragen. An ihren Flanken stiftete er gemeinsam mit seiner Frau Mathilde zwei mächtige romanische Abteien: die Abbaye aux Hommes mit der Église Saint-Étienne, in der Wilhelm begraben liegt, und die Abbaye aux Dames mit der Église de la Trinité, Mathildes Ruhestätte. Der helle Caener Kalkstein, der diese Bauten formte, wurde sogar nach England verschifft – aus ihm entstanden Teile von Westminster Abbey und des Tower of London. Doch in den Wochen nach der Landung in der Normandie im Juni 1944 wurde Caen zum Schauplatz erbitterter Kämpfe und fast vollständig zerstört. Was man heute durchquert, ist eine Stadt des Wiederaufbaus: weite, lichte Straßen aus hellem Stein, die sich um die überlebenden Monumente legen. Diese Geschichte hat Caen zur Stadt der Erinnerung gemacht. Am Stadtrand erzählt das Mémorial de Caen, eines der bedeutendsten Friedens- und Geschichtsmuseen Europas, vom Zweiten Weltkrieg, der Landung und dem Weg zum Frieden – und ist für viele der Ausgangspunkt einer Reise zu den D-Day-Stränden. Wer das andere, alltägliche Caen sucht, findet es im Vaugueux, dem alten Gerberviertel: enge Fachwerkgassen voller Bistros und Crêperien, in denen Cidre und Calvados aus dem normannischen Umland eingeschenkt werden und der kräftige Tripes à la mode de Caen seinen Namen trägt. Vom Hafenbecken, das die Stadt über einen Kanal mit dem Meer verbindet, sind es nur wenige Kilometer an die Küste – Caen ist Universitätsstadt, Verwaltungssitz und das praktische Tor zur ganzen Region Calvados.




