Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Étretat
Fast alles, was du hier ansehen willst, liegt in einem Halbkreis von anderthalb Kilometern um den Strand – der Rest ist Höhenmeter.
Die Porte d'Aval ist das Bild, für das alle kommen: ein geschwungener Kreidebogen am südlichen Ende der Bucht, seewärts daneben die freistehende Nadel L'Aiguille, rund 70 Meter hoch und so schlank, dass sie aus manchen Blickwinkeln hinter dem Tor verschwindet. Guy de Maupassant, der einen Teil seiner Jugend in Étretat verbrachte, verglich die Klippe mit einem Elefanten, der seinen Rüssel ins Wasser taucht – wer vom Strand aus nach links schaut, versteht den Vergleich sofort. Der beste Standpunkt vom Boden aus ist das südliche Strandende bei ablaufendem Wasser; die eigentliche Ansicht bekommst du erst oben auf der Klippe, wenn du über die Stufen hinaufgestiegen bist.
Das größte der drei Tore siehst du vom Ort aus überhaupt nicht. La Manneporte liegt hinter der Falaise d'Aval in der nächsten Bucht, und ihr Bogen ist so gewaltig, dass ein ganzes Segelschiff darunter hindurchpassen würde – Monet hat sie mehrfach gemalt, aus der Nähe und bei ganz unterschiedlichen Wetterlagen. Vom Klippenweg brauchst du nach dem Aufstieg noch rund zwanzig Minuten dorthin, und der Weg lohnt sich allein wegen des Moments, in dem der Bogen hinter der Kante auftaucht. Unterhalb, am Fuß der Wand, führt der in den Fels gehauene Tunnel Le Trou à l'Homme auf einen versteckten Kieselstrand – begehbar ausschließlich um Niedrigwasser und nie mit auflaufender Tide.
Auf der Gegenseite durchbricht die Porte d'Amont die Wand der Nordklippe – das zweite Tor, das du vom Strand aus siehst, deutlich kleiner als die Porte d'Aval und ohne freistehende Nadel davor. Oben auf der Kuppe der Falaise d'Amont liegen dann drei Ziele auf engem Raum. Die weiße Seemannskapelle Notre-Dame-de-la-Garde steht auf der Kuppe wie ein Seezeichen; der Bau des 19. Jahrhunderts wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und danach wieder aufgerichtet. Wenige Schritte weiter zeigt ein pfeilförmiges weißes Denkmal nach Westen: Es erinnert an Charles Nungesser und François Coli, die 1927 von Paris aus den Atlantik überfliegen wollten und zuletzt über dieser Küste gesehen wurden. Gleich daneben liegen die Jardins d'Étretat, in denen Buchsbaum zu Wellen und Formen geschnitten ist und zwischen den Hecken Skulpturen stehen – ein Kontrastprogramm zur nackten Kreide, mit Eintritt und mit Blick auf die ganze Bucht.
Im Ort selbst reicht ein gemächlicher Rundgang. Die hölzerne Markthalle Les Halles im normannischen Stil steht mitten im Zentrum und beherbergt heute Läden und kleine Cafés; ringsum drängt sich Fachwerk in engen Gassen. Wenige Minuten entfernt liegt Le Clos Lupin, das Haus von Maurice Leblanc, inszeniert als begehbare Welt des Gentleman-Diebs Arsène Lupin, dessen bekanntester Fall in der hohlen Nadel vor der Küste spielt. Zum Wasser hin führt alles auf die Promenade Le Perrey, und dort stehen am Strandrand die caloges: umgedrehte Bootsrümpfe mit Reetdach, die früher als Fischerschuppen dienten und heute das fotografierteste Detail unterhalb der Klippen sind.













