Rouen trägt seine tausend Jahre wie ein Gewand aus Stein und Fachwerk. In der historischen Hauptstadt der Normandie staffeln sich die Türme so dicht, dass Victor Hugo sie die „Stadt der hundert Glockentürme“ nannte. Über allem erhebt sich die Westfassade der Kathedrale Notre-Dame, deren wechselndes Licht Claude Monet in mehr als dreißig Studien festhielt – eine der berühmtesten Serien der Kunstgeschichte. Durch die Altstadt schlängeln sich kopfsteingepflasterte Gassen, gesäumt von schief gewachsenen Fachwerkhäusern. Im Zentrum spannt sich das Gros-Horloge, eine prächtige astronomische Uhr aus dem 16. Jahrhundert, über einen Renaissancebogen, durch den die Hauptstraße führt. Nur wenige Schritte entfernt liegt der Place du Vieux-Marché, wo 1431 Jeanne d'Arc auf dem Scheiterhaufen starb; eine moderne Kirche mit kühn geschwungenem Dach erinnert heute an sie. Wer tiefer eintaucht, findet im Aître Saint-Maclou einen ungewöhnlichen Ort: einen ehemaligen Pestfriedhof aus der Zeit des Schwarzen Todes, dessen Fachwerkgalerien mit Totenköpfen und Knochen verziert sind. Die Abteikirche Saint-Ouen beeindruckt mit ihrer schlanken gotischen Architektur, und das Musée des Beaux-Arts zeigt eine bedeutende Sammlung mit Werken von Monet, Renoir und Caravaggio. Rouen liegt an der Seine, auf halbem Weg zwischen Paris und der Küste, und ist von der Hauptstadt aus in gut anderthalb Stunden mit dem Zug erreichbar. Die Stadt eignet sich als Ausgangspunkt für die Normandie – von den Steilküsten von Étretat bis zu den Stränden des Calvados – und belohnt zugleich mit einem dichten, lebendigen Stadtkern, in dem sich Mittelalter, Impressionismus und normannische Tafelkultur begegnen.




