Wer Portofino kennt, kennt den berühmten Hafen mit seinen bunten Fassaden und den Yachten. Doch wer wirklich verstehen will, warum diese Küste seit Jahrhunderten Künstler, Schriftsteller und Seefahrer anzieht, muss weitergehen – hinaus zur Punta di Portofino, dem äußersten Zipfel der gleichnamigen Halbinsel, wo das Licht anders fällt und das Meer keine Grenzen mehr kennt.
Der Weg dorthin ist bereits das Erlebnis. Vom Hafenort Portofino führt ein schmaler Küstenpfad an alten Pinien und Macchia-Gestrüpp vorbei, vorbei an der kleinen Kirche San Giorgio, deren Ursprünge ins Mittelalter reichen, bis hin zum weißen Faro di Portofino – dem Leuchtturm, der seit Jahrzehnten über die Einfahrt zum Golf von Tigullio wacht. Wer früh aufbricht, erlebt hier einen Sonnenaufgang, der die Felsküste in ein warmes Orangerot taucht, bevor die ersten Tagesboote aus Santa Margherita Ligure anlegen.
Die Punta di Portofino ist kein Viertel im urbanen Sinne – es gibt keine Restaurants an jeder Ecke, keine Boutiquen, keine Hotellobbys mit Doorman. Genau das macht sie so besonders. Die Natur dominiert: Steile Klippen fallen direkt ins türkisfarbene Wasser des Meeresschutzgebiets Portofino, das zu den bedeutendsten Meeresreservaten des Mittelmeers zählt. Taucher kommen aus ganz Europa hierher, um die außergewöhnlich klare Sicht und die reiche Unterwasserwelt zu erleben – Seegraswiesen, Felsriffe und gelegentlich Delfine, die in der Ferne auftauchen.
Oberhalb der Klippen bietet der Aussichtspunkt beim Leuchtturm einen Rundblick, der bei klarem Wetter bis nach Korsika reicht. Im Rücken liegt der bewaldete Monte di Portofino, vor einem öffnet sich das offene Ligurische Meer. Wanderer, die den Küstenpfad von Camogli über San Fruttuoso bis zur Punta di Portofino durchlaufen, gehören zu den Glücklichen – dieser Weg gilt als einer der eindrucksvollsten Küstenwanderwege Italiens.
Die Stille hier ist keine Abwesenheit von Leben, sondern eine eigene Qualität. Selbst im Hochsommer, wenn der Hafen von Portofino von Tagestouristen überflutet wird, herrscht an der Punta eine andere Stimmung: konzentriert, ruhig, fast meditativ. Wer sich die Zeit nimmt, auf einem der Felsvorsprünge zu sitzen und dem Wechselspiel von Licht und Wasser zuzusehen, versteht, warum Schriftsteller wie Guy de Maupassant und Friedrich Nietzsche diese Küste einst als Inspirationsquelle beschrieben.

Castello Brown
Festung aus genuesischer Zeit über dem Hafen von Portofino, im 19. Jahrhundert zur Residenz mit Gärten umgebaut, mit dem berühmten Postkartenblick über die Bucht.
Festung aus genuesischer Zeit über dem Hafen