Wer Portofino nur vom Hafen kennt, hat erst die Hälfte gesehen. Hinter den pastellfarbenen Fassaden und den Jachten im Becken beginnt ein völlig anderes Ligurien: der Monte di Portofino, ein Naturschutzgebiet, das sich über die gleichnamige Halbinsel erstreckt und eine der artenreichsten Küstenlandschaften Norditaliens beherbergt. Hier wächst wilder Rosmarin zwischen Felsplatten, Korkeichen werfen Schatten auf schmale Pfade, und vom Gipfel des Monte di Portofino auf gut 600 Metern schweift der Blick an klaren Tagen bis zu den Alpen.
Das Besondere an diesem Landstrich ist der Kontrast. Wenige Gehminuten vom mondänen Hafen entfernt beginnt eine Landschaft, die sich dem Massentourismus weitgehend entzogen hat. Die Wege des Parco Naturale Regionale di Portofino führen durch Macchia-Vegetation, vorbei an verlassenen Kapellen und kleinen Buchten, die nur zu Fuß oder per Boot erreichbar sind. Der Weg nach San Fruttuoso, einem mittelalterlichen Kloster direkt am Wasser, gehört zu den eindrücklichsten Küstenwanderungen Liguriens – steil, manchmal anspruchsvoll, aber mit Aussichten, die jeden Schweißtropfen rechtfertigen.
Für Taucher ist der Monte di Portofino aus einem anderen Grund bedeutsam: Vor der Küste liegt das Meeresschutzgebiet Area Marina Protetta di Portofino, in dessen Tiefen die bronzene Christusstatue Cristo degli Abissi ruht – seit 1954 ein Pilgerort für Taucher aus ganz Europa. Wer nicht taucht, kann die Statue bei Glasbodenboottouren erahnen.
Wanderer finden auf dem Monte di Portofino ein gut ausgeschildertes Wegenetz, das verschiedene Schwierigkeitsgrade abdeckt. Der Aufstieg zum Leuchtturm Faro di Portofino an der Südspitze der Halbinsel ist auch für weniger geübte Wanderer machbar und belohnt mit einem Panorama auf das offene Meer. Wer früh aufbricht, erlebt die Halbinsel im goldenen Morgenlicht – und hat die Wege weitgehend für sich.

Abbazia di San Fruttuoso
Mittelalterlicher Klosterkomplex in einer abgeschiedenen Bucht am Monte di Portofino, nur über Wanderwege oder vom Meer erreichbar, heute vom Denkmalfonds FAI betreut.
Mittelalterlicher Klosterkomplex in abgeschiedener Bucht