Wer Mailand jenseits des Doms erleben möchte, findet in Porta Nuova und Isola zwei Gesichter derselben Stadt, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und gerade deshalb so faszinierend zusammenwirken. Auf der einen Seite: Porta Nuova, Mailands ambitioniertestes Stadtentwicklungsprojekt der letzten Jahrzehnte. Die Bosco Verticale, jene beiden begrünten Wohntürme von Stefano Boeri, die 2014 als innovativstes Hochhaus der Welt ausgezeichnet wurden, sind längst zur neuen Silhouette der Stadt geworden. Darunter erstreckt sich die Piazza Gae Aulenti, ein kreisförmiger Platz auf Hochebene, der von Galerien, Boutiquen und Cafés gesäumt wird und an Wochenenden zum Treffpunkt für Familien, Architekturbegeisterte und Mailänder aller Generationen wird.
Nur wenige Gehminuten nördlich beginnt Isola – und hier ändert sich alles. Das Viertel, das seinen Namen der einstigen Insellage zwischen Bahngleisen verdankt, hat sich vom traditionellen Arbeiterquartier zum kreativen Epizentrum der Stadt entwickelt, ohne dabei seine Seele zu verlieren. Enge Gassen wie die Via Carmagnola oder die Via Porro Lambertenghi sind gesäumt von Ateliers, kleinen Concept Stores und Bars, die tagsüber Espresso und abends Negroni servieren. Hier hängen noch Wäscheleinen zwischen den Häusern, während nebenan Streetart-Murals ganze Fassaden bedecken.
Der Übergang zwischen beiden Welten ist fließend und bewusst erlebbar: Man verlässt die Glasfassaden der UniCredit Tower, überquert die Piazza XXV Aprile und taucht innerhalb von Minuten in eine andere urbane Wirklichkeit ein. Genau dieser Bruch macht das Quartier so reizvoll. Abends füllen sich die Aperitivo-Bars entlang des Corso Como und der angrenzenden Seitenstraßen, und die Terrassen der Restaurants spiegeln das gesamte Spektrum der modernen Mailänder Küche wider – von der schlichten Trattoria bis zum ambitionierten Bistro.
Porta Nuova & Isola zieht Architektur- und Designinteressierte ebenso an wie Kreativschaffende, Nachtschwärmer und alle, die Mailand nicht nur als Modemetropole, sondern als lebendige, widerspruchsreiche Stadt erleben wollen.

Bosco Verticale
Zwei begrünte Wohntürme von Stefano Boeri, 2014 fertiggestellt – mit hunderten Bäumen und tausenden Stauden auf auskragenden Balkonen, das meistfotografierte Symbol des neuen Mailand. Bester Blick vom Park darunter.
Zwei begrünte Wohntürme von Stefano Boeri, 2014 fertiggestellt