Wer Como kennenlernen möchte, ohne sich durch Reisegruppen am Seeufer zu drängen, findet in Sant'Agostino eine andere, ehrlichere Version der Stadt. Das Viertel liegt eingebettet zwischen dem historischen Stadtkern und den ruhigeren Wohnlagen, die sich gen Hügel ziehen – ein Ort, an dem morgens die Rolläden der Bäckereien hochgehen, bevor der erste Tourist seinen Koffer aus dem Zug zieht.
Die Straßen von Sant'Agostino folgen dem alten Stadtgrundriss Comos: eng, schattig, mit Fassaden in verblasstem Ocker und Terrakotta, unterbrochen von kleinen Plätzen, auf denen Rentner Zeitung lesen und Kinder nach der Schule Fußball spielen. Die namensgebende Kirche Sant'Agostino, ein gotisch-lombardisches Bauwerk aus dem 14. Jahrhundert, prägt das Erscheinungsbild des Viertels maßgeblich. Ihre schlichte Backsteinfassade steht im bewussten Kontrast zum barocken Prunk anderer Kirchen der Stadt und erzählt von einer Bürgerlichkeit, die das Viertel bis heute auszeichnet.
Gastronomiebetriebe in Sant'Agostino richten sich in erster Linie an die Einheimischen. Trattorien mit handgeschriebenen Tageskarten, Bars, in denen der Espresso noch unter zwei Euro kostet, und Alimentari, die lokale Käse- und Wurstsorten aus der Lombardei anbieten – das ist die kulinarische Sprache dieses Viertels. Wer hier isst, sitzt oft neben Handwerkern in der Mittagspause oder Familien beim Sonntagsmahl.
Für Reisende, die Wert auf eine ruhige Unterkunft mit kurzen Wegen zur Altstadt legen, ist Sant'Agostino eine überzeugende Wahl. Hotels und kleinere Pensionen hier bieten ein Preis-Leistungs-Verhältnis, das in den seenahen Lagen Comos kaum zu finden ist. Gleichzeitig ist die Piazza Cavour in wenigen Gehminuten erreichbar. Das Viertel funktioniert als ruhige Basis mit urbanem Anschluss – ein Gleichgewicht, das nicht jedes Stadtviertel einer Touristenstadt hinbekommt.

Funicolare Como–Brunate
Historische Standseilbahn von 1894, die in rund sieben Minuten gut 500 Höhenmeter von Como hinauf nach Brunate klettert.
Historische Standseilbahn seit 1894