Wer Como kennenlernt, denkt zuerst an den Dom, die Seepromenade und das geschäftige Zentrum. Doch wer ein paar Minuten zu Fuß in Richtung Westen geht, taucht in ein völlig anderes Como ein: Borgo Vico, das alte Vorstadt-Quartier am westlichen Seeufer, das sich zwischen der historischen Stadtmauer und dem Lago di Como entlangzieht. Hier erzählen die Fassaden der Jahrhundertwende-Villen von einer Zeit, als Como eine der elegantesten Adressen der lombardischen Oberschicht war.
Das Viertel hat seinen eigenen Rhythmus. Morgens sieht man Anwohner mit Einkaufstaschen durch die Via Borgo Vico schlendern, mittags sitzt man in kleinen Bars am Tresen und trinkt einen Espresso unter Einheimischen – ohne Touristenpreise. Die Straße selbst, die dem Quartier seinen Namen gibt, ist eine der längsten Durchgangsachsen Comos und verbindet das Zentrum mit den Villengärten am See. Wer ihr folgt, entdeckt nach und nach prächtige Liberty-Bauten, versteckte Innenhöfe und gelegentlich einen Blick auf das glitzernde Wasser zwischen den Häusern.
Besonders eindrucksvoll ist die Lage direkt am Seeufer: Die Lungolago-Promenade, die sich von der Innenstadt bis nach Borgo Vico erstreckt, wird hier ruhiger und persönlicher. Boote schaukeln an kleinen Stegen, und auf den Bänken sitzen eher Spaziergänger aus dem Viertel als Reisegruppen. Die Villa Olmo, einer der bedeutendsten Neoklassizismus-Bauten der Region, liegt am nördlichen Rand des Quartiers direkt am See und ist von Borgo Vico aus bequem zu erreichen. Ihre Gartenanlage ist an vielen Tagen öffentlich zugänglich und bietet einen der schönsten Blicke auf den Comer See überhaupt.
Für Reisende, die das authentische Como abseits der überlaufenen Sehenswürdigkeiten suchen, ist Borgo Vico eine echte Entdeckung. Hotels und Pensionen im Quartier sind oft günstiger als im Zentrum, dabei aber fußläufig zu allem Wesentlichen. Wer hier übernachtet, wacht auf wie ein Einheimischer – und das ist in einer Stadt wie Como kein geringer Vorzug.

Tempio Voltiano
Neoklassizistischer Rundbau am Lungolago von 1927, der Alessandro Volta gewidmet ist und Instrumente aus seinen Laboratorien zeigt.
Neoklassizistischer Rundbau von 1927