Wer durch das Centro Storico von Cefalù spaziert, begreift schnell, warum dieser Ort seit Jahrhunderten Menschen anzieht. Die Altstadt drängt sich zwischen dem mächtigen Felsen der Rocca und dem Tyrrhenischen Meer zusammen, was ihr eine fast dramatische Enge verleiht: Gassen, die kaum zwei Meter breit sind, führen an verwitterten Sandsteinfassaden vorbei, aus Fenstern hängen Wäscheleinen, und irgendwo riecht es nach frisch gebackenem Brot.
Das unbestrittene Herzstück ist der Dom von Cefalù, eine normannische Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert, die Roger II. in Auftrag gab. Ihre goldenen Mosaiken im Apsis-Bereich, darunter das berühmte Christus-Pantokrator-Bild, gelten als eines der bedeutendsten Kunstwerke des mittelalterlichen Siziliens. Der Domplatz selbst, die Piazza del Duomo, ist kein touristisches Freiluftmuseum, sondern ein lebendiger Ort: Einheimische treffen sich hier am Abend, Kinder spielen zwischen den Brunnen, und die Cafés an der Piazza füllen sich, sobald die Nachmittagshitze nachlässt.
Parallel dazu verläuft der Corso Ruggero, die wichtigste Achse des Viertels. Hier reihen sich kleine Läden mit sizilianischen Keramiken und lokalen Lebensmitteln an Bars und Restaurants. Wer abbiegt, landet in einem Labyrinth aus Via Vittorio Emanuele, Via Amendola und kleinen Nebengassen, in denen sich Trattorie verstecken, die keine Speisekarte in mehreren Sprachen brauchen, weil die Stammgäste ohnehin wissen, was es gibt.
Das Viertel lebt von seinen Kontrasten: tagsüber ruhig und fast meditativ in den frühen Morgenstunden, wenn Fischer am Lavatoio Medievale, dem mittelalterlichen Waschhaus direkt am Meer, ihre Netze sortieren; abends verwandeln sich dieselben Gassen in einen geselligen Treffpunkt, an dem Reisende und Einheimische kaum voneinander zu unterscheiden sind. Das Centro Storico ist kein Kulissenviertel, es ist der Ort, an dem Cefalù tatsächlich lebt.

Duomo di Cefalù
Normannenkathedrale ab 1131 von Roger II. errichtet, mit wuchtigen Zwillingstürmen und dem goldgrundigen Christus Pantokrator – seit 2015 UNESCO-Welterbe.
Ab 1131 von Normannenkönig Roger II. errichtete Kathedrale