
◆ STADT · MOLISE
Campobasso ist die Hauptstadt der wohl unbekanntesten Region Italiens – und genau das macht ihren Reiz aus. Auf einem Hügel im molisanischen Apennin drängt sich der Borgo Antico aus dunklem Stein um die Burg Castello Monforte, dazwischen ein gutes Dutzend romanischer Kirchen mit Steinmetzportalen. Darunter breitet sich die geradlinige Stadt der Murat-Zeit aus, mit Kaffeehäusern, dem Sannitischen Museum und einer Universität. Berühmt ist Campobasso für zwei Dinge: die Messer- und Scherenschmiede, die der Stadt jahrhundertelang ihren Ruf gaben, und die Misteri – lebende Heiligenbilder, die zu Fronleichnam auf kunstvollen Eisengestellen durch die Gassen schweben. Wer hierher kommt, sucht kein Postkartenmotiv, sondern ein Italien ohne Reisegruppen.

Campobasso wächst in zwei Schichten den Hügel hinauf. Oben liegt der Borgo Antico, die mittelalterliche Stadt aus dunklem Kalkstein: ein Geflecht aus steilen Treppengassen, Steinbögen und einem ungewöhnlich dichten Kranz romanischer Kirchen. San Bartolomeo und San Giorgio mit ihren reich gemeißelten Portalen, San Leonardo und Sant'Antonio Abate zeugen davon, dass dieser Höhenort schon im Mittelalter wohlhabend war. Bekrönt wird das Ganze vom Castello Monforte, das Graf Nicola Monforte nach dem schweren Erdbeben von 1456 auf älteren Fundamenten neu errichten ließ – heute ein Aussichtspunkt, von dem der Blick über die Bergketten Molises bis zum Matese reicht.
Darunter, am Fuß des Hügels, beginnt eine ganz andere Stadt. Anfang des 19. Jahrhunderts ließ Joachim Murat, Napoleons Schwager und König von Neapel, die Unterstadt nach einem geradlinigen Raster anlegen: breite Achsen, klassizistische Fassaden, der Corso als Bühne des abendlichen Bummels. Hier residieren die Universität des Molise, das Teatro Savoia und das Museo Sannitico, das die Funde der Samniten zeigt – jenes kriegerischen Bergvolks, das Rom einst die Stirn bot und der Region ihren antiken Namen gab. Campobasso war über Jahrhunderte zudem ein Zentrum der Klingenschmiede: Messer und Scheren aus der Stadt waren in ganz Süditalien ein Begriff.
Sein eigentliches Gesicht zeigt Campobasso aber an einem einzigen Tag im Jahr. Zu Fronleichnam tragen Männer der Stadt die Misteri durch die Straßen: filigrane Eisengestelle, die ingegni, an denen Kinder und Erwachsene als Heilige, Engel und Teufel scheinbar schwerelos in der Luft schweben. Der Schmied und Erfinder Paolo Saverio Di Zinno entwarf die Konstruktionen im 18. Jahrhundert; bis heute werden sie originalgetreu nachgebaut. travelperfect empfiehlt, Campobasso als ruhiges Standquartier für den molisanischen Apennin zu sehen – und, wenn möglich, die eigene Reise um Fronleichnam herum zu legen.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel
· Sehenswürdigkeiten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Burg & Oberstadt
Vom Borgo Antico führen Treppengassen hinauf zum Castello Monforte, das Graf Nicola Monforte nach dem Erdbeben von 1456 neu errichten ließ. Vorbei an der Kirche Sant'Antonio Abate erreicht man die Zinnen, von denen der Blick über die Dächer der Stadt bis in die Bergketten des Matese reicht – an klaren Tagen einer der weitesten Rundblicke Molises.
Romanik im Borgo
Kaum ein süditalienischer Höhenort hat so viele romanische Kirchen auf engem Raum: San Bartolomeo mit seinem gemeißelten Portal, San Giorgio als ältestes Gotteshaus der Stadt, dazu San Leonardo und Sant'Antonio Abate. Ein Rundgang durch die steinernen Gassen verbindet sie zu einem Spaziergang durch das mittelalterliche Campobasso.
Samniten & Stadt
Die untere Stadt entstand nach dem geradlinigen Plan, den Joachim Murat im frühen 19. Jahrhundert vorgab. Entlang des Corso reihen sich Kaffeehäuser, das Teatro Savoia und das Museo Sannitico, das die Funde der antiken Samniten zeigt. Ein Bummel verbindet Stadtgeschichte und das abendliche passeggiata-Ritual der Campobassani.
Feste & Küche
Campobasso lebt von seinen Bräuchen: Zu Fronleichnam schweben die lebenden Tableaus der Misteri auf den Eisengestellen Di Zinnos durch die Straßen. Auf den Tellern landen derweil molisanische Klassiker – Scamorza und Caciocavallo aus den Bergen, die scharfe Wurst Ventricina, handgemachte Pasta und zu Weihnachten die Mostaccioli, dunkle Honigkekse der Stadt.
03 · Wann
Campobasso liegt mit rund 700 Metern auf einem der höchsten Hauptstadthügel Italiens – das Klima ist deutlich rauer als an der nahen Adriaküste. Die Sommer bleiben angenehm und abends kühl, die Winter sind kalt und können Schnee bringen. Frühling und Frühherbst sind ideal für Stadt und Umland; der Höhepunkt des Jahres ist die Misteri-Prozession an Fronleichnam.
04 · Häufige Fragen
Campobasso liegt im Binnenland Molise und ist am einfachsten mit dem Auto zu erreichen – über die SS17 oder von der Autobahn A1 (Ausfahrt San Vittore) in rund einer Stunde. Mit der Bahn fährt man über die Knoten Termoli an der Adria oder Benevento Richtung Neapel und steigt dort um. Die nächsten Flughäfen sind Neapel-Capodichino (etwa 1,5 bis 2 Stunden) und Rom-Fiumicino (rund 2,5 Stunden).
Die Misteri sind lebende Heiligenbilder, die zu Fronleichnam durch die Stadt getragen werden: filigrane Eisengestelle – die ingegni –, an denen Kinder und Erwachsene als Heilige, Engel und Teufel scheinbar schwerelos in der Luft schweben. Der Schmied Paolo Saverio Di Zinno entwarf die Konstruktionen im 18. Jahrhundert. Die Prozession gehört zum immateriellen Kulturerbe Italiens und ist der Höhepunkt des Campobasser Jahres.
Für Altstadt, Burg und Museen reicht ein konzentrierter Tag, am schönsten mit einer Übernachtung, um den abendlichen Bummel über den Corso mitzunehmen. Wer Campobasso als ruhiges Standquartier für den molisanischen Apennin, das Matese-Gebirge oder die Adriaküste bei Termoli nutzt, plant zwei bis drei Tage – Molise belohnt das langsame Reisen.
Wenn man kein Postkarten-Italien sucht, sehr. Campobasso ist die Hauptstadt der unbekanntesten Region Italiens und entsprechend frei von Reisegruppen: ein mittelalterlicher Borgo aus dunklem Stein, eine Burg mit weitem Bergblick, gute, bodenständige Küche und mit den Misteri ein außergewöhnliches Fest. Wer Molise und den Apennin erkunden will, findet hier eine authentische, gastfreundliche Basis.
Molisanische Bergküche: Scamorza und Caciocavallo, die geräucherten und gereiften Käse der Region, die scharfe Streichwurst Ventricina, handgemachte Pasta wie Cavatelli, dazu Pilze, Trüffel und Kastanien aus den Wäldern. Süße Spezialität der Stadt sind die Mostaccioli, dunkle, mit Honig und Gewürzen gebackene Kekse, die besonders zu Weihnachten gehören.
Zu Fuß durch den Borgo Antico, vorbei an den romanischen Kirchen, in etwa 15 bis 20 Minuten bergauf – ein lohnender Weg durch die mittelalterliche Stadt. Bequemer ist die Standseilbahn (Funicolare), die die Unterstadt mit der Höhe verbindet. Oben ist der Burgberg frei zugänglich und bietet den weitesten Rundblick über Campobasso und den umgebenden Apennin.
05 · In der Nähe
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