Wer Campobasso zum ersten Mal besucht, landet fast unweigerlich im Centro Murattiano – und das ist kein Zufall. Dieses Viertel ist das Rückgrat der molisanischen Landeshauptstadt: ein Stadtgefüge, das im frühen 19. Jahrhundert unter napoleonischem Einfluss planmäßig angelegt wurde und sich bis heute durch breite Alleen, symmetrische Straßenzüge und eine ruhige, bürgerliche Würde auszeichnet. Der Name verweist auf Joachim Murat, den napoleonischen König von Neapel, unter dessen Verwaltung das neue Campobasso aus dem Boden wuchs – eine Stadtplanung, die man in dieser Region selten findet.
Das Viertel erstreckt sich unterhalb des mittelalterlichen Burgviertels, der Città Vecchia, und bildet mit dieser einen faszinierenden Kontrast. Während oben enge Gassen und die Silhouette der Burg Monforte die Kulisse prägen, öffnet sich das Centro Murattiano in Richtung Corso Vittorio Emanuele II – der zentralen Flaniermeile, an der sich Cafés, Boutiquen und historische Palazzi aneinanderreihen. An einem Dienstagvormittag kann man hier das alltägliche Leben von Campobasso erleben: Rentner mit Zeitung auf Bänken, Schüler, die in der Mittagspause vorbeieilen, Händler, die ihre Auslagen ordnen.
Architektonisch setzt das Viertel auf eine einheitliche Sprache aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. Die Piazza Vittorio Emanuele II bildet das repräsentative Zentrum – ein großzügiger Platz, der von Verwaltungsgebäuden und dem Teatro Savoia gerahmt wird. Das Theater ist ein Fixpunkt des kulturellen Lebens in Campobasso und beherbergt regelmäßig Konzerte und Aufführungen. Wenige Schritte entfernt lädt der Villa-de-Capoa-Park zum Durchatmen ein, einer der wenigen grünen Ruhepole inmitten des städtischen Gefüges.
Für Reisende, die das echte, ungekünstelte Molise kennenlernen wollen, ist das Centro Murattiano der ideale Ausgangspunkt. Die Hotels der Stadt konzentrieren sich hier, ebenso die besseren Restaurants, in denen molisanische Küche – von handgemachter Pasta bis zu Trüffelspezialitäten aus den umliegenden Wäldern – auf den Tisch kommt. Ausgehen im Centro Murattiano bedeutet: kein Touristen-Trubel, sondern Abende, die sich anfühlen, als wäre man zufällig in eine einheimische Runde geraten.

Museo Sannitico
Provinzmuseum in der Unterstadt mit den Funden der antiken Samniten, die Molise den Namen gaben.