Wer Alghero kennt, kennt die Altstadt, die Kathedrale, die Mauern über dem Meer. Doch wer wirklich verstehen will, warum diese Ecke Sardiniens so viele Menschen immer wieder anzieht, muss nach Westen fahren – hinaus nach Porto Conte und zum Capo Caccia. Schon die Anfahrt entlang der Küstenstraße lässt erahnen, was kommt: Die Vegetation wird karger, die Felsen heller, und plötzlich öffnet sich die Bucht von Porto Conte wie ein natürliches Amphitheater. Das Wasser wechselt je nach Tageszeit von Smaragdgrün zu tiefem Blau, die Stille wird nur vom Wind unterbrochen.
Porto Conte ist eine der größten natürlichen Buchten Sardiniens und gleichzeitig ein Meeresschutzgebiet – was bedeutet, dass das Wasser hier eine Klarheit besitzt, die anderswo selten geworden ist. Am Strand von Le Bombarde oder an der Spiaggia di Mugoni lässt sich das erleben: feiner heller Sand, kein Gedränge im Vergleich zu den Stadtständen, und ein Blick auf die Klippen des Capo Caccia, der sich einprägt. Schnorcheln und Tauchen lohnen sich hier besonders, da das Schutzgebiet den Fischreichtum und die Unterwasserwelt bewahrt hat.
Der eigentliche Höhepunkt des Gebiets ist der Capo Caccia selbst – ein Kalksteinkap, das fast senkrecht aus dem Meer aufsteigt. Von oben bietet sich ein Panorama, das die gesamte Bucht von Alghero überblickt. Wer die rund 650 Stufen der Escala del Cabirol hinabsteigt, erreicht die Grotta di Nettuno, eine der bedeutendsten Tropfsteinhöhlen des Mittelmeers. Stalaktiten und Stalagmiten, die über Jahrtausende gewachsen sind, spiegeln sich im unterirdischen Salzwassersee – ein Erlebnis, das Erwachsene und Kinder gleichermaßen in seinen Bann zieht. Alternativ legt im Sommer ein Boot von Alghero direkt vor der Höhle an.
Das Gebiet rund um Porto Conte ist als Regionalpark ausgewiesen, und diese Entscheidung prägt den Charakter der gesamten Gegend. Keine Hotelburgen, keine Einkaufszentren – stattdessen Pinien, Macchia-Vegetation, Wanderwege und eine Handvoll diskreter Unterkünfte, die sich in die Landschaft einfügen. Für Reisende, die Ruhe suchen und gleichzeitig nicht auf Algheross historisches Zentrum verzichten wollen, ist die Kombination aus Stadtbummel und Abend an der Bucht von Porto Conte nahezu ideal. Die Entfernung zur Altstadt beträgt nur wenige Kilometer – nah genug für einen Ausflug, weit genug, um eine ganz andere Welt zu betreten.

Grotta di Nettuno
Meeresgrotte am Fuß des Capo Caccia mit Tropfsteinsälen um den unterirdischen Salzsee Lago La Marmora – erreichbar per Boot oder über 654 Treppenstufen.
Meeresgrotte am Fuß des Capo Caccia