Dijon trägt seine große Vergangenheit mit einer Gelassenheit, die nichts beweisen muss. Als Residenz der mächtigen Herzöge von Burgund war die Stadt im 14. und 15. Jahrhundert ein Zentrum europäischer Kunst und Macht – und das sieht man ihr bis heute an. Der Palais des Ducs et des États de Bourgogne thront am halbkreisförmigen Place de la Libération, vom Architekten Jules Hardouin-Mansart gestaltet, und beherbergt das Musée des Beaux-Arts, eines der ältesten und reichsten Kunstmuseen Frankreichs, mit den prachtvollen Grabmälern der Herzöge.
Wer Dijon zu Fuß erkundet – und das tut man hier am besten –, folgt dem parcours de la chouette, dem Eulenpfad: kleine bronzene Eulen im Pflaster führen von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten. Namensgeber ist die berühmte steinerne Eule an der Kirche Notre-Dame, die man der Überlieferung nach mit der linken Hand berührt und sich dabei etwas wünscht – ihr abgegriffener Glanz erzählt von Generationen von Glückssuchenden. Ringsum: Fachwerkgassen, der Markthallenbau Les Halles nach einem Entwurf aus dem Umfeld Gustave Eiffels und die bunt glasierten Ziegeldächer, das tuilées vernissées, ein burgundisches Markenzeichen.
Und dann ist da der Geschmack. Der scharfe moutarde de Dijon machte den Stadtnamen weltbekannt; der cassis aus den Hügeln ringsum wird zum Kir, dem burgundischen Aperitif schlechthin. Vor allem aber beginnt hier die Route des Grands Crus: Die legendäre Côte d'Or mit Orten wie Gevrey-Chambertin, Vosne-Romanée und Nuits-Saint-Georges liegt nur wenige Kilometer südlich. Dijon ist damit beides – eine kompakte, elegante Wochenendstadt, die man an zwei Tagen erlaufen kann, und die natürliche Tür zu einer der größten Weinlandschaften der Welt.