Wer Ravello kennt, denkt zuerst an die Villa Cimbrone oder die Terrassen der Villa Rufolo. Wer jedoch das Viertel Castiglione betritt, entdeckt eine andere Seite dieser außergewöhnlichen Stadt über dem Tyrrhenischen Meer: ruhige Gassen, in denen Katzen auf Mauern dösen, Zitronengärten hinter alten Steinmauern und Ausblicke, die man nicht mit Dutzenden anderer Besucher teilt.
Castiglione liegt im äußeren Bereich Ravellos und fügt sich organisch in die terrassierte Landschaft der Amalfiküste ein. Die Häuser hier sind kleiner, die Fassaden verwitterter, die Stimmung deutlich ruhiger als auf der zentralen Piazza Duomo. Wer morgens früh durch das Viertel läuft, erlebt Ravello so, wie es seine Bewohner täglich erleben: Stimmen aus offenen Fenstern, der Geruch frisch gebackenen Brots, das leise Rauschen des Windes vom Golf von Salerno.
Die Lage von Castiglione bietet Reisenden, die hier übernachten oder sich länger aufhalten, einen entscheidenden Vorteil: Man ist nah an den großen Sehenswürdigkeiten Ravellos, ohne im touristischen Zentrum zu stehen. Die Wege zu den berühmten Gärten und zur Kathedrale San Pantaleone sind kurz, und gleichzeitig kehrt man abends in eine Stille zurück, die in vielen anderen Teilen der Amalfiküste kaum zu finden ist.
Das Viertel spricht vor allem Reisende an, die Ravello nicht nur als Tagesausflug von Amalfi oder Positano erleben wollen, sondern die bereit sind, sich auf das langsame Tempo eines kleinen süditalienischen Bergstädtchens einzulassen. Castiglione ist kein Ort für ein volles Programm – es ist ein Ort zum Innehalten, zum Beobachten und zum Verstehen, warum Komponisten wie Richard Wagner und Schriftsteller wie Gore Vidal sich in Ravello festgesetzt haben.

Spiaggia di Castiglione
Ravellos Badebucht unterhalb der Küstenstraße: Kiesstrand mit klarem, schnell tiefem Wasser, eingefasst von Felswänden, mit Blick hinüber nach Atrani.
Ravellos eigene Badebucht unterhalb der Küstenstraße