Wer Cesenatico kennt, kennt meist den Hafen und den Kanal, den Leonardo da Vinci einst vermessen hat. Doch wer etwas weiter nach Osten spaziert, betritt ein anderes Kapitel dieser Adriastadt: Levante, den östlichen Strandgürtel, der sich deutlich entspannter anfühlt als das quirlige Zentrum rund um den Porto Canale.
Hier beginnt der Tag früh und leise. Die Strandkörbe der Stabilimenti balneari werden aufgestellt, bevor die Sonne richtig hoch steht, und die Promenade gehört zunächst den Joggern und älteren Paaren, die ihren Morgenkaffee in einer der kleinen Bar an der Lungomare schlürfen. Levante hat keinen großen Platz, kein Wahrzeichen, das auf Postkarten landet – und genau das ist sein Vorzug. Das Viertel lebt von einer Alltagsatmosphäre, die viele Adriaorte längst verloren haben.
Der Strand selbst ist breit und gepflegt, die Wasserqualität an dieser Küste regelmäßig ausgezeichnet. Wer mit Kindern reist, schätzt die flachen Einstiegszonen und die kurzen Wege zwischen Strand, Gelato-Stand und Unterkunft. Hotels in Levante sind häufig familiengeführte Pensionen und Drei-Sterne-Häuser, die ihren Gästen eine persönlichere Atmosphäre bieten als die großen Resorts weiter westlich.
In Richtung Norden öffnet sich das Gebiet zur Pialassa della Baiona, einer Lagune, die zum Naturschutzgebiet erklärt wurde. Wer das Fahrrad nimmt – in Cesenatico ohnehin das bevorzugte Fortbewegungsmittel – erreicht in wenigen Minuten Schilfrohrzonen, Wasservögel und eine Stille, die man an der Adriaküste nicht erwartet. Dieser Kontrast zwischen Badeort und Naturraum macht Levante besonders interessant für Reisende, die mehr suchen als Sonnenbaden.
Restaurants in Levante sind überwiegend unkomplizierte Trattorie und Fischrestaurants, die frische Ware direkt vom Hafen beziehen. Abends füllen sich die Tische langsam, das Tempo bleibt gemächlich – Levante ist kein Ausgehviertel im klassischen Sinne, sondern ein Ort, an dem der Abend mit einem Glas Sangiovese di Romagna auf der Terrasse endet, nicht in einer Diskothek.

Grattacielo di Cesenatico
Das Hochhaus von 1958 hinter dem Strand von Cesenatico – ein Wahrzeichen der Boomjahre der Riviera Romagnola und bis heute Orientierungspunkt und Fotomotiv.
Hochhaus von 1958, einst eines der höchsten der Adriaküste