Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Toulouse
Zwischen Capitole, Saint-Sernin und der Garonne liegt kaum mehr als ein Kilometer – das historische Toulouse erschließt sich komplett zu Fuß.
Die Place du Capitole ist mit rund zwei Hektar einer der größten Plätze Frankreichs, und vor neun Uhr morgens ist der einzige Moment, in dem er leer daliegt. Die lange Fassade aus Ziegel und rosa Marmor stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts; ihre acht Säulen stehen für die acht Kapitulare, die die Stadt im Mittelalter regierten und dem Gebäude seinen Namen gaben. Dahinter steckt beides gleichzeitig, Rathaus und Opernhaus – das Théâtre du Capitole gehört zu den traditionsreichsten Bühnen des Landes. Wer im Ehrenhof die Treppe hinaufsteigt, kommt in der Regel kostenfrei in die Salle des Illustres, einen wandfüllend ausgemalten Festsaal aus den 1890er-Jahren, sofern gerade keine Trauung oder Veranstaltung läuft. Draußen im Pflaster liegt das okzitanische Kreuz mit den Tierkreiszeichen, entworfen von Raymond Moretti, von dem auch die farbigen Bilder unter den Arkaden stammen.
Von der Nordwestecke des Platzes führt die Rue du Taur nach Norden, eine schmale Ladenstraße, benannt nach dem Stier, an den der heilige Saturninus – okzitanisch Sernin – der Überlieferung nach gebunden und zu Tode geschleift wurde. Auf halbem Weg steht die Kirche Notre-Dame du Taur mit ihrer Glockenmauer, einer flachen, durchbrochenen Ziegelwand anstelle eines Turms. Am Ende der Straße öffnet sich der Platz vor der Basilique Saint-Sernin, die ab etwa 1080 über dem Grab des Heiligen entstand und als größte erhaltene romanische Kirche Europas gilt. Der fünfgeschossige achteckige Turm ist das Wahrzeichen der Stadt; im Inneren führt der Umgang um Chor und Krypta an den Reliquienschreinen vorbei. Als Station auf dem Jakobsweg gehört die Basilika zum UNESCO-Welterbe, und sonntagvormittags breitet sich rundherum ein großer Trödelmarkt aus.
Fünf Gehminuten südwestlich des Capitole liegt der Couvent des Jacobins, der Bau, den die meisten Besucher unterschätzen. Die Dominikaner begannen ihre Kirche um 1230, wenige Jahre nach Gründung des Ordens, und was daraus wurde, ist reine Backsteingotik: zwei gleich hohe Schiffe, deren Gewölbe auf einer Reihe schlanker Rundpfeiler ruhen. Der letzte davon, im Chor, fächert sich in ein Bündel von Rippen auf, das seit dem 19. Jahrhundert schlicht die Palme heißt und den kompletten Chorabschluss überspannt. Unter dem Altar ruhen die 1369 nach Toulouse gebrachten Gebeine des Thomas von Aquin – nach der Revolution zunächst in Saint-Sernin verwahrt und erst 1974 hierher zurückgeführt. Napoleons Armee nutzte den Komplex als Kaserne und Pferdestall, die Wiederherstellung zog sich über einen Großteil des 20. Jahrhunderts. Der Kreuzgang nebenan ist der stillste Ort im Zentrum und im Frühherbst Bühne des Klavierfestivals Piano aux Jacobins.
Drei weitere Adressen lohnen den Umweg. Die Cathédrale Saint-Étienne im Südosten der Altstadt wirkt, als habe man zwei Kirchen aneinandergeschoben – tatsächlich blieb der Bau über Jahrhunderte unvollendet, sodass das breite ältere Schiff und der höhere gotische Chor bis heute auf verschiedenen Achsen stehen und die Wand dazwischen den Knick sichtbar macht. Das Musée des Augustins, das Kunstmuseum der Stadt in einem Augustinerkloster, besitzt eine der bedeutendsten Sammlungen romanischer Bauskulptur überhaupt und hat im Dezember 2025 nach mehr als sechs Jahren Sanierung wieder geöffnet; einzelne Bereiche werden erst in den Jahren danach schrittweise nachgezogen, der Rundgang durch die Sammlung ist aber wieder zugänglich. Und im Südosten reihen sich Jardin Royal, Grand-Rond und Jardin des Plantes zu einer über Brücken verbundenen Parkkette, in der halb Toulouse seine Mittagspause verbringt.









































