◆ STADT · OKZITANIEN
Nîmes trägt seine Antike nicht im Museum, sondern auf der Straße. Mitten im Verkehr steht ein fast vollständig erhaltenes Amphitheater, in dem vor zweitausend Jahren Gladiatoren kämpften und heute Rockkonzerte und Stierläufe stattfinden. Wenige Schritte weiter setzt die Maison Carrée ihren makellosen römischen Tempel gegen die gläserne Klarheit des Carré d'Art von Norman Foster – Antike und Gegenwart im selben Blick. Dahinter öffnen sich die Jardins de la Fontaine, einer der ersten öffentlichen Parks Europas, angelegt um eine römische Quelle, und über der Stadt wacht die Tour Magne. Nîmes ist provenzalisch im Licht und languedocien im Temperament – eine Stadt, die ihre Stierkampf-Ferias mit derselben Leidenschaft feiert wie ihre Steine.
Nîmes verdankt seinen Reichtum einem Geschenk: Kaiser Augustus siedelte hier nach 27 v. Chr. Veteranen seiner ägyptischen Feldzüge an und stattete die Colonia Nemausus mit allem aus, was eine römische Vorzeigestadt brauchte – Amphitheater, Tempel, einem fünf Kilometer langen Mauerring und einem Aquädukt, dessen kühnstes Stück der Pont du Gard ist. Das Wappen der Stadt, ein an eine Palme geketteltes Krokodil, erinnert bis heute an die besiegten Ägypter und schmückt als Bronzeplakette das Pflaster der Altstadt. Kaum eine Stadt nördlich des Mittelmeers hat so viel von ihrer antiken Substanz aufrecht bewahrt.
Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit wurde aus der Römerstadt eine Tuchmacherstadt – und ein Hochburg des Protestantismus, was Nîmes immer wieder in die Religionskriege zog. Aus ihren Webstühlen kam ein robuster, indigogefärbter Köper, der als „serge de Nîmes“ exportiert wurde. In Amerika verkürzten Einwanderer den Namen zu einem Wort, das heute jeder kennt: Denim. So trägt der Stoff der Jeans den Namen dieser südfranzösischen Stadt, lange bevor Levi Strauss ihn berühmt machte.
Das moderne Nîmes hat seine Vergangenheit nicht eingefroren, sondern weitergebaut. Norman Fosters Carré d'Art stellte 1993 ein gläsernes Echo der Maison Carrée gegenüber; das Musée de la Romanité von Elizabeth de Portzamparc legte 2018 eine schimmernde Mosaikfassade direkt neben die Arena. Und dreimal im Jahr kippt die ganze Stadt in den Ausnahmezustand: Zur Feria de Pentecôte und zur Feria des Vendanges füllen sich die Bodegas, die Straßen riechen nach gegrilltem Stier und Pastis, und die Arena wird wieder, wozu sie gebaut wurde – zum Herz einer feiernden Stadt. travelperfect empfiehlt, die großen Monumente am Morgen anzugehen und den Nachmittag den schattigen Plätzen und Terrassen zu überlassen.
01 · Auf einen Blick
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· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Antikes Nîmes
Vom gewaltigen Amphitheater über die makellose Maison Carrée bis hinauf zur Tour Magne über den Jardins de la Fontaine – ein Spaziergang durch die besterhaltene Römerstadt Frankreichs. Ein Kombiticket verbindet die drei großen Monumente; das Musée de la Romanité gegenüber der Arena ordnet das Gesehene ein. Wer mehr will, fährt zum Pont du Gard, dem Höhepunkt des antiken Aquädukts.
Gärten & Aussicht
Die Jardins de la Fontaine, um 1745 um eine antike Quelle angelegt, gehören zu den ersten öffentlichen Parks Europas. Balustraden, Vasen und stille Wasserbecken führen am Temple de Diane vorbei den bewaldeten Mont Cavalier hinauf, auf dem die Tour Magne thront. Von ihrer Plattform liegt Nîmes mit seinen Ziegeldächern zu Füßen, dahinter die Garrigue und an klaren Tagen die Cevennen.
Märkte & Küche
In den Halles de Nîmes, der überdachten Markthalle im Herzen der Altstadt, beginnt der gastronomische Tag: Brandade de morue – der cremige Stockfisch-Klassiker der Stadt –, Oliven und Tapenade aus dem Gard, Pélardon-Ziegenkäse aus den Cevennen und Croquant Villaret, das harte Mandelgebäck aus einer Manufaktur von 1775. Dazu ein Glas Costières de Nîmes, der lokale Rhône-Wein.
Ferias & Stierkultur
Dreimal im Jahr verwandeln die Ferias Nîmes in eine einzige feiernde Stadt: zur Feria de Pentecôte an Pfingsten und zur Feria des Vendanges im September füllen sich die Bodegas, Bands ziehen durch die Gassen, und in der römischen Arena finden Corridas und Course Camarguaise statt. Auch ohne Stierkampf zeigt das Erbe der nahen Camargue – Stiere, weiße Pferde und Gardians – warum dieser Süden so eigen ist.
03 · Wann
Nîmes hat ein ausgeprägtes Mittelmeerklima mit heißen, trockenen Sommern und milden Wintern – und liegt zugleich im Einflussbereich des Mistral, der die Hitze bricht und den Himmel klärt. Frühling und Herbst sind die ideale Reisezeit; der Hochsommer kann mit Werten über 35 °C anstrengend werden. Wer das Spektakel sucht, plant um die großen Ferias herum und bucht dann sehr früh.
04 · Häufige Fragen
Die großen Sehenswürdigkeiten von Nîmes sind die römische Arena (Arènes de Nîmes), die Maison Carrée mit dem gläsernen Carré d'Art gegenüber, die Jardins de la Fontaine mit dem Temple de Diane und die Tour Magne auf dem Mont Cavalier. Dazu kommen das Musée de la Romanité gegenüber der Arena und – etwas außerhalb – der Pont du Gard. Die drei großen Römerbauten lassen sich mit einem Kombiticket zu Fuß verbinden.
Ideal sind Frühling (Mai–Juni) und Herbst (September–Oktober) mit angenehmen Temperaturen um 20 bis 28 °C und trockenem, sonnigem Wetter. Der Hochsommer kann mit oft über 35 °C anstrengend sein. Wer die berühmten Ferias erleben möchte, reist zur Feria de Pentecôte an Pfingsten oder zur Feria des Vendanges im September – muss dann aber Hotels sehr früh buchen.
Für die großen Monumente – Arena, Maison Carrée, Tour Magne und Jardins de la Fontaine – sowie die Altstadt reichen ein bis zwei Tage. Mit einem Ausflug zum Pont du Gard und in die Camargue oder ins nahe Uzès lassen sich daraus gut drei Tage machen. Nîmes verbindet sich zudem ideal mit Avignon und Arles zu einer Römer-Rundreise durch die Provence.
Ja. Die drei großen römischen Bauten – Arènes, Maison Carrée und Tour Magne – werden gemeinsam verwaltet, und ein Kombiticket ist günstiger als Einzeltickets. Es gilt mehrere Tage, sodass man die Besuche entspannt verteilen kann. In der Hauptsaison spart die vorherige Online-Buchung zudem Wartezeit an der Arena.
Der Pont du Gard liegt rund 25 km nordöstlich von Nîmes. Am bequemsten ist die Fahrt mit dem Auto in etwa 30 Minuten; in der Saison verkehren auch Busse vom Busbahnhof. Vor Ort gibt es ein Besucherzentrum, Wanderwege und im Sommer die Möglichkeit, im Gardon unterhalb der Aquäduktbrücke zu baden.
Die kulinarische Spezialität ist die Brandade de Nîmes, ein cremiges Püree aus Stockfisch, Olivenöl und Milch, oft gratiniert. Dazu gehören Tapenade und Oliven aus dem Gard, der Ziegenkäse Pélardon aus den Cevennen und das knusprige Mandelgebäck Croquant Villaret. Begleitet wird das alles am besten von einem Glas Costières de Nîmes, dem lokalen Rhône-Wein.
Sehr viel: In Nîmes wurde ein robuster Köperstoff gewebt, der als „serge de Nîmes“ exportiert wurde. Aus diesem Begriff entstand in den USA das Wort „Denim“ – der Stoff, aus dem Jeans gemacht werden. Die Stadt verweist gern auf dieses textile Erbe, das ihren Namen weltweit bekannt machte.
05 · In der Nähe
Sagen Sie uns, worauf Sie Lust haben — wir planen Ihre Tage in Nîmes.
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