◆ STADT · OKZITANIEN
Collioure ist der Ort, an dem die moderne Malerei das Licht entdeckte: Hierher kamen 1905 Henri Matisse und André Derain und zerlegten die katalanische Bucht in reine, ungemischte Farbe – aus diesem Sommer wuchs der Fauvismus. Das alte Fischerstädtchen an der Côte Vermeille, wo die Ausläufer der Pyrenäen schroff ins Meer abfallen, hat seine Seele bewahrt: ocker- und rosafarbene Häuser drängen sich um den runden Glockenturm von Notre-Dame-des-Anges, der wie ein gestrandeter Leuchtturm aus dem Wasser ragt. Darüber wacht das mächtige Château Royal der Könige von Mallorca, in den Gassen reift bis heute die berühmte Anchovis, und wenn am Abend die katalanischen Barken in den Buchten schaukeln, versteht man, warum die Maler nicht mehr fortwollten.
Im Sommer 1905 mietete sich Henri Matisse in Collioure ein und lud den jungen André Derain dazu. Was die beiden hier malten, war ein Bruch: Sie ließen die Naturfarben fahren und setzten reines Zinnoberrot neben Smaragdgrün, gelbe Schatten, violette Boote. Als die Bilder im Herbst in Paris hingen, spottete ein Kritiker von „fauves“ – wilden Tieren – und gab der ersten Avantgarde des 20. Jahrhunderts ihren Namen. Collioure, dieses Licht und diese Bucht, war ihr Geburtsort. Bis heute markiert der Sentier du Fauvisme an Originalschauplätzen Reproduktionen, sodass man Motiv und Gemälde im selben Blick hat.
Doch der Ort ist viel älter als sein Ruhm. Im Mittelalter war Collioure der Hafen von Perpignan und zeitweise Sommerresidenz der Könige von Mallorca, deren Château Royal noch heute breitschultrig über der Bucht liegt. Später bauten Vauban und die spanische Krone an den Festungen weiter, hoch oben krönt das sternförmige Fort Saint-Elme den Bergrücken. Die katalanische Identität ist überall spürbar – in den Farben der senyera, im Sardana-Tanz und in der Küche, die mehr nach Barcelona als nach Paris schmeckt.
Vor allem aber war und ist Collioure ein Fischerort. Über Jahrhunderte zogen die Barken sardinenreiche Netze ein, und was nicht frisch verkauft wurde, kam ins Salz. Die Anchovis de Collioure sind bis heute ein Begriff: In den Häusern Roque und Desclaux werden die kleinen Fische noch von Hand entgrätet und in Salzlake gereift. travelperfect rät, den Ort früh oder außerhalb des Hochsommers zu besuchen, eine Dose Anchovis und eine Flasche süßen Banyuls aus der Nachbargemeinde mitzunehmen – und sich an einem der kleinen Strände einfach treiben zu lassen.
01 · Auf einen Blick
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· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Auf den Spuren der Fauves
Der Sentier du Fauvisme führt mit rund zwanzig Reproduktionen an die Originalschauplätze, an denen Matisse und Derain 1905 ihre flammend bunten Bilder malten – Glockenturm, Hafen, Barken. Wer mag, beginnt im Hafen, folgt dem Wasser zur Plage Boramar und vergleicht Motiv und Gemälde im selben Blick. Ein kurzer, aber kunsthistorisch dichter Spaziergang.
Burgen, Türme & Festungen
Das Château Royal der Könige von Mallorca liegt mitten im Ort am Wasser und lässt sich mit den späteren Vauban-Ausbauten besichtigen. Wer höher steigt, erreicht das sternförmige Fort Saint-Elme auf dem Bergrücken, von dem aus der Blick über die ganze Côte Vermeille reicht. Dazu das alte, zur Kirche umgebaute Moulin und die Festungsmauern – Collioure war jahrhundertelang Grenzbastion.
Anchovis, Wein & katalanische Küche
Die Anchois de Collioure sind ein geschütztes Wahrzeichen: In den Häusern Roque und Desclaux kann man die handgesalzenen Fische verkosten und kaufen. Dazu passt der süße Banyuls oder der trockene Collioure-Wein aus den Terrassen über dem Meer. In den Restaurants am Hafen reicht die Spanne von einfachem grillierten Fisch bis zur sternegekrönten Küche – fast immer mit katalanischem Akzent.
Strände, Buchten & Meer
Collioures Strände sind klein, kiesig und von Postkarten-Format: die Plage Boramar direkt unter dem Glockenturm, dazu die geschützten Buchten Port d'Avall und Plage du Faubourg. Wer mehr Weite sucht, fährt zum nahen Argelès oder erkundet per Boot die schroffe Küste Richtung Banyuls und Cap Béar. Schnorcheln und Tauchen sind an den felsigen Abschnitten lohnend.
03 · Wann
Collioure liegt im sonnenverwöhnten Süden Okzitaniens und genießt ein mildes Mittelmeerklima – häufig kühlt jedoch die Tramontane, der trockene Fallwind aus den Pyrenäen, die Bucht spürbar ab. Frühling und Frühherbst sind ideal: warm, badetauglich und ohne den dichten Sommerandrang. Der Hochsommer ist heiß und voll, der milde Winter ruhig und für Wanderer reizvoll.
04 · Häufige Fragen
Das Wahrzeichen ist der runde Glockenturm der Kirche Notre-Dame-des-Anges direkt am Wasser, daneben das Château Royal der Könige von Mallorca und hoch über dem Ort das sternförmige Fort Saint-Elme. Dazu kommen der Sentier du Fauvisme mit Reproduktionen von Matisse und Derain an den Originalschauplätzen, die Plage Boramar als Postkartenmotiv und der Moulin de Collioure in den Olivenhainen. Die meisten Sehenswürdigkeiten liegen fußläufig beieinander.
Für den Ort selbst – Hafen, Château Royal, den Sentier du Fauvisme und die Strände – reichen ein bis zwei Tage. Wer Collioure als Standort für die Côte Vermeille nutzt und Ausflüge nach Banyuls, Cerbère, ins Hinterland der Albères und nach Perpignan unternimmt, plant besser drei bis fünf Tage ein.
Am einfachsten mit dem Zug: Collioure hat einen eigenen Bahnhof an der Linie Perpignan–Cerbère, von Perpignan dauert die Fahrt rund 20–25 Minuten. Mit dem Auto über die N114; im Sommer ist das Parken im Ort knapp, große Parkplätze am Ortsrand mit Pendelbus sind dann die bessere Wahl. Der nächste Flughafen ist Perpignan, größere Anbindungen bieten Girona und Barcelona.
Collioure gilt als Geburtsort des Fauvismus. 1905 malten Henri Matisse und André Derain hier ihre ersten radikal farbintensiven Bilder; aus der Reaktion auf diese Werke entstand der Name der Bewegung. Der Sentier du Fauvisme markiert mit Reproduktionen die Originalschauplätze, sodass man Motiv und Gemälde direkt vergleichen kann.
Ja, allerdings sind die Strände klein und meist kiesig. Die Plage Boramar unter dem Glockenturm ist das bekannteste Motiv, dazu kommen die Buchten Port d'Avall und Plage du Faubourg. Für lange Sandstrände fährt man zum nahen Argelès-sur-Mer. Die felsige Côte Vermeille eignet sich gut zum Schnorcheln und für Bootstouren.
Die Anchois de Collioure – handgesalzene Sardellen aus den Traditionshäusern Roque und Desclaux, die man verkosten und kaufen kann. Dazu passen der süße Likörwein Banyuls und der trockene Collioure-Wein aus den Steilterrassen sowie katalanisch geprägte Gerichte mit frischem Fisch. Am Hafen reicht das Angebot vom einfachen Bistro bis zur Sterneküche.
05 · In der Nähe
Sagen Sie uns, worauf Sie Lust haben — wir planen Ihre Tage an der Côte Vermeille.
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